Ödeme (Wassereinlagerungen): Symptome, Ursachen und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Unter dem Begriff Ödeme kennzeichnet der Mediziner Wasseransammlungen, bzw. Wassereinlagerungen im Gewebe außerhalb von Körperzellen.

Bei diesen Wassereinlagerungen ist vor allem das Bindegewebe betroffen, welches Organe umgibt und verschiedene Bereiche des Körpers voneinander trennt.

Die peripheren Ödeme sind an den Extremitäten lokalisiert. Besonders betroffen sind die Unterschenkel, aus denen das Blut gegen die Schwerkraft zum Körperstamm zurückgepumpt werden muss.

Daneben sucht sich das Gewebswasser, welches aus den Zellen heraustritt, auch bestimmte Hohlräume im Körper wie den Bauchraum, die Lunge oder das Gehirn.

Was passiert da eigentlich?

Die Ursachen für die Entstehung von Ödemen sind vielfältig und müssen nicht immer durch eine Erkrankung begründet sein. Bewegungsmangel und Fehlernährung können die Wasseransammlungen ebenfalls verursachen.

Doch oft liegt eine Störung des Mineralhaushaltes vor, in dessen Folge der Natrium-Gehalt steigt und zu viel Wasser im Körper gebunden wird. Schäden am Kreislaufsystem mit den Blut- und Lymphgefäßen führen zu einem gestörten Flüssigkeits-Transport und dadurch zwangsläufig dazu, dass sich Wasser rückstaut.

In jedem Fall jedoch tritt zu viel Wasser aus den Gefäßen aus, das von den Zellen nicht  aufgenommen werden kann. Deswegen sammelt sich die Flüssigkeit im Interstitium (Zellzwischenraum).
Unter "normalen" Bedingungen findet im menschlichen Körper sowieso ein permanenter Austausch von Flüssigkeiten, Nährstoffen und Sauerstoff statt.

Beim Ödem kann das herausgefilterte Wasser durch verschiedene Umstände nicht zurück in den Kreislauf gelangen und wird im Gewebe zurückgehalten.

Hierdurch entstehen klassische Bilder wie bei peripheren Ödemen:

  • geschwollene Beine,
  • geschwollene Fußknöchel,
  • geschwollene Hände

Daneben können die Wasseransammlung im Bauchraum (Aszites), Lunge oder Gehirn verortet sein.

Symptome

Ein peripheres Ödem ist dadurch gekennzeichnet, dass das geschwollene Gewebe bei Druck von außen (z.B. mit einem Finger) mit einer Delle reagiert, die für einen gewissen Zeitraum so bleibt, bis sie sich langsam wieder gibt und das Gewebe wieder glatt erscheint.

Durch die Wasseransammlung wird das Gewebe auch sehr prall, zum Teil glänzt die Haut.

Der ansteigende Druck im Gewebe kann im Verlauf zu Schmerzen in der betroffenen Region führen.

Bei Ödemen an den Beinen lässt sich häufig eine zunehmende Verfärbung der Haut beobachten, die auf die gestörte Durchblutung (Durchblutungsstörungen) zurückzuführen ist. Zuletzt ist das Gewebe derart gespannt, dass das Wasser auch aus den Poren heraustritt und die Haut zunehmend offene Stellen aufweist (offenes Bein).

Ödeme im Bereich der Extremitäten zeigen sich meistens paarig, betreffen somit z.B. beide Beine, Arme, Hände oder Füße.

Mögliche Ursachen für Ödeme

In den meisten Fällen liegt eine Insuffizienz (Funktionsschwäche) von Organen vor, wodurch der gesamte Körperkreislauf in Mitleidenschaft gezogen wird.

Die beiden Hauptursachen sind Störungen im Bereich der Nieren (z.B. bei Nierenentzündung, nephrotisches Syndrom, Tumor) und des Herzens (z.B. bei Entzündungen, Klappeninsuffizienz, angeborener Herzfehler, Mangeldurchblutung, verminderte Leistung).
Siehe auch: Herzkrankheiten

Zum einen bilden sich vor allem Schwellungen im Bereich der Extremitäten, daneben führt eine Herzschwäche auch zu massiven Atemproblemen, die von einer Flüssigkeitsansammlung im Bereich der Lungen herrührt (Lungenödem). Ursache ist dann oft eine pulmonale Hypertonie infolge der Herz-Probleme oder anderer Grunderkrankungen.

Ebenfalls vermehrt zeigen sich Schwellungen (vor allem an den Beinen) bei Gefäßveränderungen. Hier sind besonders die Venenthrombose und die allgemeine Durchblutungsstörung (unter anderem durch arteriosklerotische Veränderungen) zu nennen.

Eine Beeinträchtigung der Leberfunktion (z.B. bei Leberzirrhose) siehe auch Lebererkrankungen führt zu dem klassischen Bild der Aszitesbildung im Bauchraum. Betroffene weisen einen, durch Wasseransammlungen in freien Bauchhöhlen verursachten, aufgetriebenen Leib auf.

Durch eine Zerstörung der Leberzellen ist die Eiweißproduktion reduziert, Wasser tritt nahezu ungehindert aus dem Gefäßsystem. Im Bereich des Hormonhaushaltes kann ein Überangebot an bestimmten Hormonen zu einer vermehrten Wasserfiltration aus dem Blutkreislauf führen.

Dieses Phänomen zeigt sich vermehrt bei einer Überfunktion der Schilddrüse. Daneben kann auch ein Mangel der Schilddrüsenhormone zu Ödemen führen (z.B. in der Schwangerschaft (siehe auch: Frauenheilkunde) oder bei Unterfunktion hormonproduzierender Organe).

Schwangere leiden auch durch die erhöhte Kreislaufbelastung häufig unter Ödemen. Der Druck auf die Blutgefäße stört den Rück-Transport des venösen Blutes zum Herzen, wodurch auch Krampfadern entstehen können. Die Gefäßmissbildungen manifestieren das Risiko für die Ödembildung. Dieselben Faktoren fördern die Entstehung der Wasseransammlungen auch bei übergewichtigen Menschen.

Zu den weniger in Erscheinung tretenden Ursachen zählen allergische Reaktionen (auch auf Insektenstiche), allgemeine Infektionen oder Entzündungen wie Gicht, Verletzungen (z.B. Frakturen), ein Eiweißmangel (Hypoproteinämie) und einige neurologische Erkrankungen (die unter anderem Schwellungen im Gehirn verursachen können).

Zum Teil kommt es hierbei zu lokal begrenzten Ödemen. Zum Teil ist auch das Lymphsystem mit involviert (Lymphödeme). Bei der Entstehung von Ödemen spielen der allgemeine körperliche Zustand, die Ernährungsgewohnheiten sowie die Einnahme bestimmter Medikamente eine wichtige Rolle. So kann es unter dem Einfluss von Cortison oder von Acetylsalicylsäure zu einer vermehrten Einlagerung von Wasser kommen.

Das gleiche Bild präsentiert sich in einigen Fällen auch bei einer extremen täglichen Aufnahme von Salz oder während längerer Diäten, die zu einer Unterversorgung mit Eiweißen führen. Bei Rauchern sind die in Erscheinung tretenden Symptome meist verstärkt (bedingt durch eine Vasokonstriktion = Verengung von Gefäßen).

Auch zu viel Sitzen oder Stehen fördert den Rückstau des Gewebswassers.Beim Lymphödem ist das Lymphsystem überlastet und kann das Gewebswasser nicht mehr abführen. Die Leitungsbahnen sind dann oft durch operative Eingriffe oder Bestrahlungen beeinträchtigt. Das Lymphödem ist dann oft die Folge einer Brustentfernung (Mastektomie).

Diagnose

Bei der medizinischen Abklärung ist, neben der Anamnese, besonders von Interesse, welche Form von Ödemen (generalisiert, lokal begrenzt) vorliegt und welche Flüssigkeit (Transsudat = hauptsächlich Körperwasser, Exsudat = zusätzlich entzündliche Bestandteile oder Blut) sich findet.

Dabei werden Inspektion, Auskultation (z.B. der Lungenregion und des Bauchraums) und Palpation genutzt.

Zur Gewinnung von Flüssigkeit kann in der Schulmedizin auch eine Punktion erfolgen. Durch die Sonographie lassen sich bereits Flüssigkeitsansammlungen ab 100 Milliliter nachweisen. Auch die Laborauswertung dient der Befundung (Laborwerte oder Blutwerte).

Bei Verdacht einer ernsthaften Erkrankung werden in der Schulmedizin weitere Untersuchungen durchgeführt (z.B. der Gefäße und der Organe), wobei unter anderem die Szintigraphie, CT oder MRT genutzt werden.

Therapie

Die sich anschließende Therapie ist abhängig vom Befund.

Konservativ können eine Ernährungsumstellung, Sport (z.B. Gymnastik) und Bewegung einer vermehrten Wasseransammlung zum Teil entgegenwirken.

Häufig wird geraten, die tägliche Trinkmenge auf maximal anderthalb Liter zu begrenzen. Die Getränke sollten stets Natrium-arm sein, wie auch Natrium (Kochsalz!) in der Ernährung beschränkt werden sollte.

Die schulmedizinische Behandlung erfolgt in erster Linie, durch wassertreibende Medikamente (Diuretika), die die Urinausscheidung erhöhen. Diese Medikamente sind zum Teil stark kreislauf- und herzbelastend und sollten nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

Liegt die Stauung im Bereich der Lymphbahnen, können spezielle Massagen (Lymphdrainagen), sowie Kompressionsverbände den Stau lösen (siehe auch Lymphödem bzw. Lymphstau), so dass die Flüssigkeit besser abtransportiert wird.

Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum werden über Punktionen (mittels Spritze) abgesaugt, um eine Verbesserung des Allgemeinzustandes zu bewirken. Im Anschluss erfolgt meist eine Behandlung der Ursache - soweit diese bekannt ist.

Liegt eine ernsthafte Erkrankung (z.B. Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz; Leberschaden) vor, sollte diese Grunderkrankung behandelt werden.

Periphere Ödeme können naturheilkundlich mit Homöopathie, Akupunkt-Massagen, Schüssler-Salzen und phytomedizinischen Präparaten behandelt werden. Biologische Diuretika sind vor allem Fenchel, Petersilie und Löwenzahn. Oral als Tee oder mit einigen Tropfen der ätherischen Öle angewendet, können die Heilpflanzen eine gute Wirkung erzielen. Die ätherischen Öle der Grapefruit können, verdünnt mit Kokosöl, äußerlich mittels einer Massage appliziert werden.

Gegen Ödeme in den Beinen kann Liegen mit hochgelagerten Beinen wirksam sein. Ebenso unterstützt mehr Bewegung den Abtransport des Gewebswassers.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 20.4.2019 aktualisiert.