Nelli, es ist doch insgesamt sowieso die Frage, wie man eine Krankenkasse und das System sieht.
Für mich war das Krankenkassensystem lange einfach nur eine Versicherung, die mich absichert, für den Fall dass ich eine Krankmeldung, Untersuchung oder Operation brauche oder in gesicherter Umgebung ein Kind auf die Welt bringen will.
Meine Kinder hatten alle die Nabelschnur um den Hals gewickelt. Da wollte ich zur Sicherheit immer eine Geburt im Krankenhaus.
Und ohne Krankmeldung vom Arzt gibt es in D keine Lohnfortzahlung.
Das ist nur anders, wenn man selbstständig ist, da die ersten 6 Wochen der AG zahlt.
Es wird ziemlich teuer, wenn man als Selbstständiger eine Versicherung will, die bei Krankheit sofort zahlt, da man sein eigener AG ist.
Zudem hatte ich früher auch homöopathische Ärzte, die im Rahmen der Krankenkassenleistungen behandelt haben oder habe mir Ärzte gesucht, die meinen Standpunkt vertreten haben. Ich habe Recht viel selbst entschieden. Habe auch mehrfach auf eigene Verantwortung ein Krankenhaus verlassen.
Konnte auch entscheiden welches Krankenhaus ich wähle (was ich nicht immer getan habe), zu welchen Ärzten ich gehe, welche Geburt ich haben will.
Dabei musste ich nicht dem folgen, was die Medizin vorschlägt und außer im Notfall im Krankenhaus auch nicht die von Ärzten verordneten Medikamente nehmen. Ich hatte auch nie einen Kaiserschnitt und auch keine PDA.
Später habe ich lange gedacht- Arzt ist egal. Den brauche ich nur im Fall einer Krankmeldung. Habe auch Untersuchungsangebote abgelehnt und mich quasi immer selbst behandelt. Trotzdem hatte ich ein Magengeschwür bekommen.
Ich war 2019 für 6 Wochen in einer Reha wegen Burnout, die mir gut gefallen hat, und hatte dort ohne die geringsten Probleme alle Medikamente abgelehnt. Die Mehrheit wollte selbst Medikamente nehmen. Ich muss das nicht verstehen.
Bei einem Magendurchbruch gibt es natürlich keine Option zu einer OP. Habe auch Tage lang am Tropf gehangen. Aber sie hat mein Leben gerettet.
Doch selbst dort wurde ich bei Verlegung von der Intensiv auf die Normalstation z.B. gefragt, ob ich Schmerzmittel brauchen würde, was ich gleich abgelehnt habe.
Im Vergleich zu den USA, wo alles im schulmedizinischen Bereich unglaublich teuer ist, ist unser medizinisches System für die Menschen sogar immer noch spottbillig. Man kann einen Kranken auch nicht wegen seiner Erkrankung von der Versicherung ausschließen.
Bisher hat das bei uns alles irgendwie funktioniert, weil die Krankenkassen mit dem Geld funktioniert haben, das die Gesunden einbezahlt haben.
Dazu kam dann mit der steigenden Pflege noch die davon unabhängige Pflegeversicherung.
Aber um so mehr Menschen um so häufiger krank sind, um so weniger wird das noch funktionieren können.
Denn wenn jemand beruflich ausfällt, operiert wird, danach nicht mehr arbeitsfähig ist und 2 Jahre Krankengeld erhält, werden für die Krankenkassen plötzlich insgesamt Zahlungen fällig, die leicht einer Summe entsprechen können, die der Erkrankte und sein Arbeitgeber über weit mehr als 10 Jahre eingezahlt hatten. Bei manchen Erkrankungen sind die Kosten auch noch viel höher.
Wenn in dieser Zeit dann noch völlig neue Erkrankungen auftreten gibt es theoretisch sogar noch die Möglichkeit, dass auf Basis der neuen Erkrankung weitere 2 Jahre Krankengeld gezahlt werden müssen.
Nach meiner eigenen Krankengeschichte, die synonym für viele anderen Menschen steht, denke ich nicht, dass wir ohne Krankenversicherung leben können. Denn die bezahlt erforderliche OPs, den Krankenhausaufenthalt, die Nachsorgetermine und sonstige Untersuchungen, sowie 2 Jahre Krankengeld.
Man kann zudem in der Regel vom Krankengeld wohl besser leben, als von der sich daran anschließenden Arbeitsunfähigkeitsrente.
Und dabei haben wir ja schon vor 2020 von Millionen Menschen geredet.
Auch wenn die vielen Krankenkassen viele Verwaltungskosten verursachen und sich die Chefs dieser Kassen mit kräftigen Zahlungen bereichern, hat es insgesamt noch funktioniert.
Wobei viele Kranke möglicherweise der Todesstoß unseres aktuellen Krankensystems sein werden.
Man muss kein Finanzgenie sein, um zu erkennen, dass das System mit vielen langfristig Kranken und häufig für mehreren Wochen kranken Arbeitnehmern auf die Dauer nicht mehr funktionieren kann, da dabei Zahlungen fällig werden, die in einem großen Zeitraum eingezahlt wurden und aktuell eigentlich gar nicht da sind, denn das sind keine Banken. 
Zudem wissen wir, dass sie schon seit Längerem ganz gezielt die Krankenhäuser abbauen und die Strukturen verändern.
Daher ist es wohl sowieso die Frage, wie unsere Krankenversicherung in 5 bis 10 Jahren aussehen wird.
Vielleicht war das auch ein Weg langfristig ein unbezahlbares Krankensystem wie in den USA zu schaffen, wo viele froh sind. wenn sie sich eine Krankenversicherung mit 10% Eigenbeteiligung leisten können.
Das bringt dann auch nicht mehr viel, wenn man nachher Rechnungen hat, bei der die 10% Eigenleistung schon um die 100.000 Euro ausmachen. 
Es läuft vieles falsch, aber es kann noch wesentlich schlimmer kommen.