SD-Werte gehören zu den Werten, die gemeinsam mit den Werten für Blutdruck, Diabetes, Cholesterin, usw. zum Zwecke der häufigeren Medikamentenverordnung damals verschärft wurden. Rene hat die alten Werte vielleicht noch.
Das hat jedenfalls dazu geführt, dass seither auch sehr viele Menschen mit SD-Medikamenten versorgt werden können, die früher noch Normalwerte hatten.
Worum geht es denn in dem Link vom DAZ? Um SD-Übertherapie mit Medikamenten bei alten Menschen und daraus resultierenden Demenz- und Parkinsonsymptomen.
Ob eine Übertherapie einer Schilddrüsenunterfunktion möglicherweise das Risiko für kognitive Störungen und Demenz erhöht, haben Forscher in einer großen Kohortenstudie untersucht.
Um zu eruieren, ob erhöhte Schilddrüsenhormonspiegel das Risiko für kognitive Störungen erhöhen, wertete das Team des Wissenschaftlers Roy Adams zwischen 2014 und 2023 die elektronischen Gesundheitsdaten von 65.931 US-amerikanischen Patienten über 65 Jahre aus [1].
Aufgrund des negativen Feedback-Mechanismus ist ein niedriger Thyreotropin(TSH)-Wert Indikator für erhöhte Schilddrüsenhormonspiegel. Eine Thyreotoxikose wurde anhand eines Thyreotropin (TSH)-Werts< 0,45 mIU/l definiert und in die moderate (TSH ≥ 0,1 mIU/l) oder schwere Form (≤ 0,1 mIU/l) unterteilt. Als Endpunkt wurde die Diagnose von kognitiven Störungen oder Demenz jeder Ursache festgelegt.
Tatsächlich wiesen Patienten, die im Verlauf erhöhten Schilddrüsenhormonspiegeln ausgesetzt waren, im Alter von 75 Jahren mit 11,0 % versus 6,4 % eine signifikant höhere Inzidenz von kognitiven Störungen auf als Patienten ohne Thyreotoxikose. Mit 85 Jahren klafften die Inzidenzwerte mit 34 % (Thyreotoxikose) versus 26 % (keine Thyreotoxikose) noch weiter auseinander.
Mit einer adjustierten Hazard-Ratio (aHR) von 1,39 war die Thyreotoxikose – unabhängig von ihrer Ursache – somit signifikant mit einem erhöhten Risiko für Demenz und kognitiven Störungen assoziiert.
Nach Stratifizierung der Ursache ging auch die exogene/iatrogene Thyreotoxikose mit einem erhöhten Risiko einher (aHR: 1,34). Dabei stellten die Forscher eine mögliche Dosis-Wirkungs-Beziehung fest: Während eine moderate TSH-Erniedrigung das Risiko um 23 % erhöhte, war bei einer schweren exogenen Thyreotoxikose das Risiko sogar um 65 % erhöht. Lediglich bei der endogenen Thyreotoxikose erreichten die Zahlen keine statistische Signifikanz.
Zur Erinnerung: Ursachen einer Hyperthyreose können eine Schilddrüsenautonomie, Morbus Basedow sowie passager Thyreoiditis oder Malignome sein [2]. In der vorliegenden Untersuchung litten nur 17 % an einer solchen endogenen Hyperthyreose, bei jedem Vierten (24 %) war keine Ursache bekannt. Die exogene Form, also die Übertherapie einer Hypothyreose, war hingegen der wichtigste Grund für eine festgestellte Thyreotoxikose – nämlich bei 60 % der Probanden.
Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit sind insbesondere deshalb interessant, da in den letzten Jahren ein Trend zur aggressiven und frühen Therapie mit Schilddrüsenhormonen zu beobachten ist. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass vor allem bei Patienten ab 65 Jahren eine leichte TSH-Wert-Erhöhung (4,5 mIU/l bis 10 mIU/l) oft nur transient ist und das therapeutische Einschreiten kontrovers diskutiert wird.
Für eine fundierte Therapieentscheidung müssen negative Folgen einer Übertherapie berücksichtigt und genauer erforscht werden. Erhalten ältere Patienten eine Substitutionstherapie mit L-Thyroxin, kann nicht oft genug auf die Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen hingewiesen werden. Patienten sollten außerdem Symptome einer Überdosierung kennen.
An anderer Stelle kann man lesen, dass ein TSH bis 7 mlU/l sollte bei über 65 jährigen ohne Therapie akzeptiert werden, da die SD von Älteren einen stärkeren hormonellen Antrieb bräuchte.
Das endokrinologie.net schrieb 2017:
Für Erwachsene gilt ein TSH-Referenzbereich von etwa 0,4 bis 4,0 mU/l.
„Erhöhte TSH-Werte sind häufig. Wenn sie oberhalb des definierten Laborreferenzbereiches liegen, interpretieren Mediziner sie oft automatisch als Schilddrüsenfunktionsstörung und ordnen sie als latente oder subklinische Schilddrüsenunterfunktion ein“, sagt Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Mitglied im Beirat der DGE-Sektion Schilddrüse.
Doch nicht immer steckt dahinter ein krankhafter Befund: „Vor allem bei älteren Menschen, bei denen der TSH-Wert aufgrund des Lebensalters ohnehin erhöht ist, bei denen die Symptome variabel sind und oft auch Begleiterkrankungen vorliegen, muss der behandelnde Arzt bei der Interpretation der Laborwerte den Faktor Alter mit einbeziehen“, so Führer, die die Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Essen leitet.
Auch die Internisten im Netz haben etwas dazu geschrieben und auf eine weitere Studien verwiesen.:
Welchen Einfluss das Lebensalter auf den Behandlungsnutzen einer Schilddrüsenhormonsubstitution bei Älteren hat, untersuchten Forscher in einer großen, über fünf Jahre laufenden Studie (siehe New England Journal of Medicine 2017, Band 376, Seite: 2534-2544).
An der TRUST-Studie nahmen insgesamt 737 über 65-Jährige teil, bei denen ein TSH-Wert zwischen 4,60 und 19,99 mU/l vorlag.
Eine Hälfte der Gruppe erhielt zur Hormonsubstitution den Wirkstoff Levothyroxin, die andere Hälfte ein Placebo. Nach einem Jahr Therapie wurden keine Verbesserungen von Lebensqualität und Müdigkeitsempfinden beobachtet.
Die Autoren der TRUST-Studie kamen zu dem Schluss, dass ältere Menschen von einer medikamentösen Behandlung mit Levothyroxin nicht profitieren, denn am Befinden der Patienten änderte sich nichts. „Aus diesen Ergebnissen jedoch neue Empfehlungen abzuleiten, wäre falsch“, bekräftigt Führer.
Eine differenzierte Analyse der Studie zeige seit Langem bekannte Regelsysteme der Schilddrüsenhormone. „60 Prozent der Studienpopulation mit TSH-Erhöhung – das waren 2647 Personen – hatten bei einer Wiederholungsuntersuchung zu einem späteren Zeitpunkt normale Schilddrüsenwerte“, so die Expertin.
Leicht erhöhte TSH-Werte bis 7 mU/l normalisierten sich häufig spontan. Das zeigten auch frühere Untersuchungen.
Für den klinischen Alltag bedeute das: Ein gering erhöhter TSH-Wert müsse erst einmal bestätigt werden. Das heißt, er sollte nach zwei bis drei Monaten kontrolliert werden; erst danach ist eine weitere Abklärung auf eine ursächliche Schilddrüsenerkrankung angezeigt.
Wenn der TSH-Wert bei > 10 mU/l liegt, bestehe ein erhöhtes Risiko für Fettstoffwechselstörungen, kardiovaskuläre Ereignisse und eine beeinträchtigte Lebensqualität.
Eine pragmatische Empfehlung sei deshalb, bei älteren Patienten, die an anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht, einer koronaren Herzkrankheit oder Diabetes leiden, ab diesem Wert eine Schilddrüsenhormonsubstitution zu starten.
„Der zu erzielende Wert sollte altersbezogen eingestellt werden; also bei älteren Patienten durchaus auf TSH-Konzentrationen von 4 bis 6 mU/l“, so Führer. „Die Teilnehmer der TRUST-Studie hatten übrigens im Mittel – vor Therapiebeginn – TSH-Werte um 6,4 mU/l. Das dürfte miterklären, warum kein Behandlungsbenefit eintrat“, ergänzt die Expertin aus Essen. An den geltenden – auch leitliniengemäßen – Diagnostik- und Therapieempfehlungen ändern die TRUST-Ergebnisse nichts. Sie bestätigen sie eher.
: https://www.internisten-im-netz.de/aktuelle-meldu…-behandeln.html
Die ärztezeitung ging auch schon 2017 auf entsprechende Beispiele ein. https://proxy.metager.de/www.aerztezeit…7231733700c49ea
Das DAZ hat also 2023 etwas zu einem Thema gebracht, das seit mindestens 2017 bekannt ist und in einer neu veröffentlichten über 9 Jahren laufenden Studie an fast 70.000 älteren Amerikanern erneut bestätigt wurde. Mehr ist es nicht.