Es ist eine Geschichte von Skandalen und vielen Impfungen, die über Jahrzehnte eingesetzt wurden, obwohl sie völlig wirkungslos waren.
Ja, allerdings nicht erst seit Jahrzehnten. Das fing schon viel früher an, beispielsweise mit Robert Koch in den 1890er Jahren in Kimberly, Südafrika. „Bei uns zu Hause ist nun schon so gründlich aufgearbeitet und die Concurrenz eine so gewaltige, dass es sich wirklich nicht mehr lohnt, dort zu forschen. Hier draußen aber, da liegt noch das Gold der Wissenschaft auf der Straße. Wie viel Neues habe ich gesehen und gelernt, als ich zum ersten Male nach Afrika kam!“, hatte Koch nach Deutschland geschrieben.
Letztlich war die Medizin eine Schlüsselrolle zur Kolonialisierung Afrikas. Ohne ihren Fortschritt hätte Afrika nie erkundet und ausgebeutet werden können. Die renommiertesten Tropenmediziner kamen damals aus Deutschland, allen voran der Nobelpreisträger Robert Koch. Schon als Junge träumte er davon, reisender Forscher zu werden wie sein Vorbild Alexander von Humboldt. Mit der Kolonialherrschaft wurde dieser Traum wahr. 1883, im Alter von 39 Jahren, begleitete er eine der ersten tropenmedizinischen Expeditionen auf der Spur einer tödlichen Seuche.
1906 zog er im Auftrag der deutschen Reichsregierung für zwei Jahre auf die Sese-Inseln im Viktoriasee. Dort fand er einen Seuchenherd für die Schlafkrankheit, die in nur wenigen Jahren eine Viertelmillion Menschen im heutigen Uganda dahingerafft hatte und das durfte nicht sein. Nicht, weil viele Menschen an einer Krankheit starben, sondern weil die Kolonialmächte billige Arbeitskräfte brauchten und die wurden langsam rar.
Tja, und dann kam das Desaster mit Atoxyl - als Medikament testete er das arsenhaltige Mittel. Dass es in hoher Dosierung giftig ist, war bekannt. Trotzdem erhöhte er die Dosis schrittweise auf ein Gramm Atoxyl, spritzte in Intervallen von sieben bis zehn Tagen und nahm Schmerzen, Erblindung und den Tod tausender Menschen billigend in Kauf.
Diese Experimente wurden in Deutschland an Tieren durchgeführt. An Menschen waren sie verboten. In Afrika hat Koch aber die Menschen als Forschungssubjekte benutzt, auf eine Art und Weise, in der es in Deutschland nie erlaubt gewesen wäre.
Um pro Tag rund 1.000 Patienten zu untersuchen, isolierte er vermeintlich Kranke in sogenannten Konzentrationslagern: Einer Ansammlung von Strohhütten und rudimentären Zelten, die bei Sturm umgeweht wurden. Es fehlte an allem: Decken, sauberem Wasser, zu essen gab es oft nur Mehl und Salz. Wie viele Menschen allein wegen dieser Zustände starben, weiß niemand.
Die Kolonialmedizin sollte aber nicht den Menschen in Not helfen. Sie diente dem ökonomischen Aufschwung der Kolonie – und neuen Erkenntnissen für die deutsche Wissenschaft und die Pharmaindustrie. Deshalb haben die Kolonialärzte auch den Menschen ohne Grund extrem schmerzhafte Öl- und Salzlösungen gespritzt oder sie in der Wüste ausgesetzt, um zu sehen, wie lange sie dort überleben.
Und dann kam die katastrophale Pockenimpfung in Togo und anderswo.

Im Reichsgebiet galt seit 1874 eine Impfpflicht gegen Pocken. Anfang 1900 wurde der Impfstoff aus dem Königlichen Institut in Dresden bis nach Togo verschifft. Bei seiner Ankunft war er meist verfallen. Deshalb begannen die Kolonialärzte ab 1902, den Lebendimpfstoff aus Kälberlymphe vor Ort selbst zu züchten. Sie taten das aber über zwanzig Generationen hinweg, so dass die Impfung am Ende wieder keine Wirkung erzielte. Die vorgeschriebene Wirksamkeitsprüfung ließen sie einfach sein. Als Grund für die vielen Todesopfer unter den Geimpften gaben sie einfach vor, es handle sich um eine besonders hartnäckige biologische Varietät des Erregers.
Na sowas! Ich glaube, ich hab gerade ein Dejavue ....
Zur Erinnerung - nach diesem illustren Herrn Koch ist das RKI benannt.