Carlito, ich denke nicht, dass das generell ein Hirngespinst ist. Obwohl ich denke, dass es auch schon bei 3 Medikamenten schwierig wird. Die haben ja alle auch noch etliche eigene mögliche Nebenwirkungen.
Aber viele der Medikamente sind seit vielen Jahrzehnten am Markt und wurden bereits von hunderten Millionen bis Milliarden Menschen in verschiedenen Kombinationen und Dosierungen eingenommen.
Sowohl ein kleiner Teil der Patienten, als auch ein kleiner Teil der Ärzte meldet Wechselwirkungen. Wenn ein Medikament lange am Markt ist, gibt es eine Menge Erfahrungswerte dazu.
Dazu kommt, dass die Haftungsfrage in den USA eine andere ist und es dort bei durch Medikamente Geschädigte um Millionen bis Milliarden Entschädigung geht.
Bei uns hat derjenige gelitten, der einen Schaden bekommt, der bereits in der Packungsbeilage aufgeführt ist. In den USA sieht das anders aus.
Aber es ist interessant.
Der Wechselwirkungscheck der Apotheken-Umschau hat früher alle möglichen Wechselwirkungen angezeigt.
Dazu hatte das Programm auch mit diversen Warnzeichen gearbeitet, wenn es nicht gepasst hat.
Das Ergebnis (eine andere Kombi) sah dann z.B. so aus:
Wechselwirkungen (9 Ergebnisse)
» Kumulierende Nebenwirkungen (46 Ergebnisse)
» Wechselwirkungen mit Nahrungs- und Genussmitteln (8 Ergebnisse)
» Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit (17 Ergebnisse)
stoppschild.gif Es wurden schwerwiegende Wechselwirkungen gefunden, die unbedingt vermieden werden sollten.
warnzeichen_rot.gif Es wurden bedeutsame oder schwerwiegende Wechselwirkungen gefunden, die vermieden werden sollten.
warnzeichen_orange.gif Es wurden Wechselwirkungen gefunden, die nur in seltenen oder manchen Fällen von Bedeutung sind.
Und man konnte sich jedes Ergebnis ansehen.
Zwischen seinem Asthmaspray und dem damals neu verschriebenen Herzmedikament Metoprolol, da der Blutdruck meines Mannes nach mehreren km Fahrradfahren zum Arzt leicht erhöht war, hatte das Programm mehr als 40 mögliche Wechselwirkungen angezeigt, da man diese zwei Medikamente nicht gemeinsam einnehmen sollte. Darunter als mögliche ernsthaften Wechselwirkungen
Angioneurotisches Ödem (was nichts anderes ist, als das unter seiner OP aufgetretene Quincke-Ödem), Bauchspeicheldrüsenentzündung, Blutarmut durch Untergang roter Blutkörperchen, Interstitielle Nierenentzündung, Weiße Blutkörperchen vom Typ der Granulozyten in gefährlichem Ausmaß vermindert und natürlich noch viele andere mögliche Nebenwirkungen wie u.a.
Erhöhung des Blutzuckers, Depression oder depressive Verstimmung, Magen- Darmprobleme, Übelkeit und Erbrechen, Gefäßentzündungen, Gelenkschmerzen, Nesselsucht und andere Hautprobleme, Schwindel, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Verwirrtheit, Sehstörungen, Anstieg des Serumkreatinins (mögliche akute Niereninsuffizienz) und unterschiedliche Herzprobleme.
Hatte damals gleich den Check gemacht und meinem Mann dann die Einnahme verboten.
Abgesehen davon war die Blutdruckerhöhung nur geringfügig bei 130 und er hat kein Medikament benötigt. Hat sich sowieso irgendwie von ganz alleine wieder normalisiert.
Aber man kann gut erkennen, dass man bei der Kombi bald weitere Medikamente benötigt hätte, um die Wechselwirkungen zu behandeln und mit dieser Kombi gut krank werden kann.
Ich weiß nicht, welche Möglichkeiten der Wechselwirkungschecker heute bietet, wenn man ein Abo abschließt. Oder ob das auch dann nur noch medizinischem Personal angezeigt wird. Aber ohne Abo sieht man nichts mehr.
Und auch die Wechselwirkungschecker von Apotheken zeigen praktisch nichts davon.
Dazu erscheint bei DocMorris nur:
Es wurden Wechselwirkungen bzw. wichtige Hinweise gefunden.
Bei gleichzeitiger Anwendung kann die entgegengesetzte Wirkung von Berodual N Dosieraerosol und Metoprolol 100-1a Pharma Tabletten die Wirksamkeit beider Medikamente beeinträchtigen. Die Kombination der beiden Arzneimittel darf in der Regel bei Patienten mit Asthma nicht erfolgen. Bei COPD Patienten kann eine Dosis-Anpassung in Absprache mit dem Arzt erforderlich sein.
Ich habe noch ein anderes Beispiel aus 2011, obwohl ich meist nur einen Link zum Programm gepostet hatte, da ich einem User zu der verordneten Kombi bei symptome geschrieben hatte:
wir haben ja jetzt seit einiger Zeit dieses wunderbare Programm zur Feststellung der Wechselwirkungen.
Da habe ich jetzt mal das Beloc Zok (gleicher Wirkstoff wie Metoprolol) und das Amiodaron eingegeben.
Ergebnis:
Zitat
Amiodaron - CT 200mg Tabl Tabletten (Amiodaron)
Beloc Zok Herz 23,75mg Retardtabletten (Metoprolol)
Es wurden schwerwiegende Wechselwirkungen gefunden, die unbedingt vermieden werden sollten.
Ausführliche Wechselwirkungs-Info
Patienteninformation für die Wechselwirkung Metoprolol - Amiodaron
1 Zusammenfassung
Die gleichzeitige Behandlung mit Arzneimitteln wie Metoprolol und Amiodaron, deren Kombination lebensgefährliche Nebenwirkungen am Herzen verursachen kann, ist in der Regel kontraindiziert. Ärztlicherseits ist dafür Sorge zu tragen, dass die Risiken solcher Wechselwirkungen durch Auswahl geeigneter Arzneimittel, geeignete Dosierung und Überwachungsmaßnahmen vermieden werden.
3 Management der Wechselwirkung
3.1 Auf welche Körperfunktionen und Beschwerden besonders zu achten ist
Da die beteiligten Arzneimittel nicht zusammen angewendet werden dürfen, stellt sich diese Frage in der Regel nicht.
Alles anzeigen
Schau die gleiche Kombi Mal jetzt bei DocMorris nach. Da kommt so gut wie nicht mehr als:
Es wurden Wechselwirkungen bzw. wichtige Hinweise gefunden.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Beloc-zok 95 mg Retardtabletten und Amiodaron 200 Heumann Tabletten sollten Blutdruck und Puls sorgfältig überwacht und gegebenenfalls EKG-Kontrollen durchgeführt werden.
Und noch einige Hinweise zur Einnahme von Amiodaron und den möglichen Leberschäden.
Diese unterschiedliche Bewertung finde ich sehr irritierend.
Aber man sieht deutlich, bei den heutigen angeblichen Wechselwirkungscheckern der Apotheken wird fast nichts mehr angezeigt und der Patient in recht großer Sicherheit gewiegt. Er kann eigentlich nicht mehr wirklich sehen, welche möglichen Wechselwirkungen mit der Einnahme der Medikamente verbunden sind.
Aber es ist nicht so, dass sie die möglichen Wechselwirkungen zwischen vielen Medikamenten nicht kennen würden. Ich bin jedenfalls sicher, dass Ärzte heute längst die Möglichkeiten haben die Wechselwirkungen einzusehen.