Bei Stevia würde ich aber auch aufpassen. Dahinter verbirgt sich auch eine chemiekeule
Hättest Du geschrieben, dass sich dahinter eine Chemiekeule verbergen kann, hätte ich Dir zugestimmt.
Wie schon mehrfach erwähnt, kommt es nicht nur darauf an, irgendein Produkt zu verwenden, sondern das richtige. Es gibt nämlich viele aus Stevia hergestellte Produkte.
Auf Nummer sicher geht man immer, wenn man die natürliche Variante - also beispielsweise die pulverisierte Form oder einen natürlichen Extrakt aus der gesamten Pflanze - wählt.
Und das, was ich schon zum "schlechten Image" von Xylit geschrieben hatte, passt auch hier ganz gut: Monsanto, das eine zeitlang Hersteller von Aspartam war, soll seinerzeit eine umstrittene Studie finanziert haben, bei der Mäuse mit extrem überhöhten Dosierungen von Stevia-Süßstoffen gefüttert wurden. Die Mäuse zeigten anschließend DNA-Veränderungen. Und schon hatten wir den Salat - die EFSA, also die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, hatte dann zwar eigene Studien in Auftrag gegeben, diese Studie mit den DNA-Veränderungen aber weitestgehend ungeprüft übernommen und Stevia daher zunächst verboten. Das war irgendwann Ende der 1980er Jahre.
Etliche Studien folgten, im Jahr 1997 wurde dann beispielsweise eine neue Karzinogenitätsstudie (Toyoda K., H. Matsui, T. Shoda, C. Uneyama, K. Takada and M. Takahashi) zu Stevia durchgeführt mit so genannten F344 Ratten (Fischer 344-Ratte, eine Inzuchtratte, die fast obligatorisch bei allen möglichen Labor-Studien ihr Leben lassen muss).
Die Dosen entsprachen 155, 310, 625, 1250 und 2500 mg/kg Körpergewicht/Tag. Auf einen 70 kg schweren Menschen umgerechnet wären das stolze 10,8 / 21,7 / 43,7 / 87,5 und 175 g Stevia pro Tag.
Man kam zu dem Schluss, dass Steviosid in F344 Ratten unter diesen experimentellen Umständen nicht karzinogen ist. Jedoch hatten nahezu alle männlichen Ratten einschließlich der Kontrollgruppe interstitielle (also im Zellzwischenraum liegende) Zelltumore in den Hoden entwickelt.
Nun ja, wenn ich täglich 175 g Stevia futtern würde .... wer weiß, was ich da so alles entwickeln würde ...
Und seltsam, dass auch die Kontrollgruppe solche Zelltumore entwickelte.
Es gab weitere Studien zu Stevia mit Hamstern und auch mit WISTAR-Ratten zu Fruchtbarkeit, Paarungsverhalten, Trächtigkeit, Anzahl der Föten, ebenso wie Größe und Fruchtbarkeit der Nachwuchses. In allen Fällen zeigten die Behandlungen keine Effekte.
(WISTAR-Ratten sind speziell gezüchtete Ratten für biologische und medizinische Versuche. WISTAR leitet sich ab vom Wistar Institute in Philadelphia, USA, einem international führenden Unternehmen in der biomedizinischen Wissenschaft. Vielleicht hat der eine oder andere schon mal etwas gehört von der Zelllinie WI-38. Es ist ein Zellstamm, der aus dem Lungengewebe eines 3-monatigem Schwangerschaftsabbruch gewonnen wurde. WI steht in diesem Fall eben für Wistar-Institute. Auf dieser Zelllinie werden übrigens Impfstoffe entwickelt.
Wer mehr über die Wistar-Ratte, ihr zutrauliches Verhalten und dem Schutz von Labortieren allgemein erfahren möchte: savemylife.at/Wistar.html )
Letztlich wurde Stevia aber freigesprochen und ist seit dem auch im europäischen Handel.