Entstanden, damals, in der DDR - und dennoch, diese beiden Stücke sind aktueller denn je:
Gefährten des Sturmwinds
Jeden Tag neu, wird der Sturmwind geboren
Er fliegt um die Welt und er kennt keine Spur
Und jeden Tag sucht er neue Gefährten
Er klopft an mein Herz und er sucht eine Tür -
Er klopft an mein Herz und er sucht eine Tür!
Einsam und wild war mein Hunger nach Freiheit
Ich habe geliebt, was der Zufall mir gab
Ich hab' gesucht, ganz allein, meine Stеrne
Die Träume vеrflucht und mit keinem geteilt –
Die Träume verflucht und mit keinem geteilt!
Auch wenn der Sturm Dein Dach zerbricht
Und wenn er Dich bis zur Erde biegt
Steh' wieder auf – biet' ihm die Stirn
Denn er trägt Dich weit, wenn Du mit ihm fliegst
Jeden Tag neu, wechseln Lichter und Schatten
Ich zieh' meine Bahn wie ein Treibholz im Fluss
Und manche Nacht träume ich von den Fluten
Ich geh' durch den Sturm und er wartet auf mich
Denn hundertmal bin ich ihm schon begegnet
Und jeden Tag neu schau' ich ihm ins Gesicht -
Und jeden Tag neu schau' ich ihm ins Gesicht!
Auch wenn der Sturm Dein Dach zerbricht
Und wenn er Dich bis zur Erde biegt
Steh' wieder auf – biet' ihm die Stirn
Denn er trägt Dich weit, wenn Du mit ihm fliegst
Auch wenn der Sturm Dein Dach zerbricht
Und wenn er Dich einmal fast besiegt
Steh´wieder auf, biet` ihm die Stirn
Denn er trägt Dich weit, wenn Du mit ihm fliegst.
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KARAT - Gefährten des Sturmwinds (1982)

https://www.youtube.com/watch?v=A4xO2kwQzUM▹
Das Stück ist eines der beeindruckendsten Lieder von KARAT, mystisch, verspielt, ein sagenhafter Text und mit einer Brachialität, wie man sie nicht erwartet hätte.
Im Kontext des Antikriegsalbums „Der blaue Planet“ und dem Wissen darum, dass eine explodierte Atombombe eine gewaltige Druckwelle erzeugt, bekommt das Lied aber auch eine weitere Bedeutung. Man muss sich dem Kriegsgeheul entgegen stellen, muss weitermachen. Und nur zu Zeiten des Friedens ist man am Ende wirklich frei!
(Kleiner Tipp: Mit dem Sturmwind ist die Stasi gemeint!)
Albatros
Es gibt einen Vogel
Den haben Matrosen zum Herrscher gekrönt;
Er fliegt um die Erde
Vom Südpol nach Norden. Kein Ziel ist zu weit:
Der Albatros kennt keine Grenzen
Er segelt mit Würde
Durchwandert die Lüfte, als wär er ein Gott;
Er folgt ihren Schiffen
Auf Hochsee, durch Klippen, berauschend sein Flug:
Er sucht ihren Weg durch die See
Und krachen die Stürme mit rauher Gewalt
Auf den Ozeanen so unendlich weit
Dann fliegt er mit Feuer und steigt ungeheuer
Zur Freiheit der Meere
Doch wenn er gefangen
In armdicken Schlingen mit Tücke und List
Dann brechen die Schwingen;
Es trauert das Meer, das den Herrscher vermißt:
Gefangen sein heißt für ihn tot
Die Sklaven der Erde
Verhöhnt und geschunden, sie teilten sein Los
Wenn er lag gefesselt
Verblutend am Ufer, gebrochen sein Flug:
Der Albatros war ihr Symbol
Doch ruft ihn die Weite, die endlose Macht
Dann stürmt er ins Freie mit maßloser Kraft;
Er schwingt seine Flügel, sprengt Schlösser und Riegel
Der Fesseln und Ketten
Und türmen sich Wände
Und greifen ihn Zwingen aus Wolken wie Blei;
Und schlagen ihn Blitze
Er kämpft mit den Schwingen das Hindernis frei
Er findet den Weg auch im Orkan
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KARAT - Albatros (1979)

https://www.youtube.com/watch?v=hqyqlHfrP_s▹
Politisch aktueller denn je, ein zeitloses Meisterwerk!
Es ist erstaunlich, dass ein Lied aus dem Osten für Freiheit im Westen kämpfen muss! Das zeigt uns, dass egal wie die Gesellschaftsform sich nennt, immer die Unfreiheit des Volkes zum Disput steht!!
Für mich ein Hammersong.
Aber auch erstaunlich, dass beide Lieder damals nicht der DDR-Zensur zum Opfer fielen, man muss nur genau hinhören und jeder weiß, was gemeint ist.