Als ich bisher vergeblich suchte, ab wann zumindest Mütter bei erkranktem Kind in D Anspruch auf x Tage Krankengeld haben, habe ich etwas ganz anderes gefunden.
Da werden tatsächlich Stimme laut, dass man es sich nicht mehr leisten könne, die Krankentage deutscher Arbeitnehmer zu bezahlen und doch zumindest den ersten Tag als Karenztag rechnen sollte. Dazu ein Artikel:
Am 6. Januar forderte Allianz-Chef Oliver Bäte im Handelsblatt die Einführung eines „Karenztages”. Am ersten Krankheitstag soll die Lohnfortzahlung gestrichen werden. „Wir müssen darüber sprechen, was wir uns in einer alternden Gesellschaft noch leisten können,” begründete dies Bäte.
Dies sagt ein Mann, dessen Gehalt sich von 2022 bis 2023 um zehn Prozent auf 7,5 Millionen Euro Jahr erhöhte. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie hat die Allianz ihre Gewinne kontinuierlich gesteigert. Für das Gesamtjahr 2024 erwartet der Versicherungskonzern ein operatives Ergebnis von 14,8 Milliarden Euro. Das liegt am oberen Ende der prognostizierten Spanne.
Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, hat sich der Forderung nach Karenztagen angeschlossen. Sie brachte außerdem Teilzeitkrankschreibungen für einige Stunden am Tag ins Spiel, die es ermöglichen sollen, Angestellte mit Knochenbrüchen und ähnlichen Verletzungen im Homeoffice weiter arbeiten zu lassen. Den Vorschlag hatte ursprünglich der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, gemacht. Er wird auch aus Kreisen der Grünen und der FDP unterstützt.
Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist wie kaum eine andere soziale Errungenschaft mit gewaltigen Arbeitskämpfen verbunden. 1956/57 streikten in Schleswig-Holstein 45.000 Metallarbeiter 114 Tage lang für ihre Einführung. Es war der längste Streik in der bundesdeutschen Geschichte. Die Streikenden lehnten von der IG Metall ausgehandelte Kompromisse mehrmals ab. Selbst als die Gewerkschaft den Streik schließlich abbrach, votierten über 60 Prozent erfolglos dagegen.
Angriff auf die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall - World Socialist Web Siteˍ
In den Jahren 1956/57 haben Metallarbeiter ca. 3 Monate lang dafür gestreikt, dass Arbeiter seit 1969 bei Krankheit ab dem ersten Krankheitstag Krankengeld zusteht. Eine Erinnerung: https://betriebundgewerkschaft.de/blog/2017/09/l…hren-erkaempft/
Bundestag reformiert Lohnfortzahlung im Krankheitsfallˍ
Völlig unglaublich. Abgesehen davon frage ich mich, was der Hinweis auf das Alter soll.
Aber der 1. Artikel geht ja noch weiter:
Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Sepp Müller erklärte, Deutschlands Sozialsysteme würden „immer weiter beansprucht“, deshalb müsse man über neue Ideen diskutieren.
Auch Rufe nach der Abschaffung der telefonischen Krankschreibung oder einer „Reform“ des 8-Stunden-Tages (FDP und CDU) werden erhoben.
Der Freiburger Ökonomie-Professor Bernd Raffelhüschen, der als Lobbyist für Wirtschaftsverbände in Erscheinung tritt, sagte der Bild-Zeitung: „Die Einführung eines unbezahlten Krankheitstages ist ein sinnvoller Vorschlag und sollte von der nächsten Regierung zügig umgesetzt werden.“ Karenztage seien allerdings „nur Tropfen auf den heißen Stein“.
Notwendig sei eine höhere Selbstbeteiligung der gesetzlich Versicherten. Patienten sollten im Jahr die ersten 500 oder 1000 Euro bei Arztbehandlungen selbst tragen oder alle Medikamente zu 20 Prozent aus eigener Tasche bezahlen.
Unionsfraktionsvize Jens Spahn (CDU) hatte schon in 8/24 eine Reform des Arbeitszeitgesetzes und eine Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit von acht Stunden gefordert. "Das Arbeitszeitgesetz ist aus der Zeit gefallen, Arbeitgeber wie Beschäftigte leiden darunter", sagte der CDU-Politiker dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland"
Die Arbeitgeber sicher entschieden mehr, als die Arbeitnehmer.
Die EU-Arbeitszeitrichtlinie (2003/88/EG) gewähre Mitgliedstaaten im Arbeitszeitrecht mehr Spielraum, als Deutschland derzeit durch das Arbeitszeitgesetz nutze. So hätten Länder wie Österreich, Dänemark, die Niederlande, Irland, Tschechien und Slowenien von der Möglichkeit des Art. 22 der EU-Arbeitszeitrichtlinie Gebrauch gemacht und würden nun gelegentliche Wochenarbeitszeiten von über 48 Stunden ermöglichen. Der Antrag der CDU/CSU-Fraktion sieht nicht weniger als den Betrachtungswechsel von der Tageshöchstarbeitszeit zur Wochenhöchstarbeitszeit vor.
Man sieht doch, dass sie sich wahrscheinlich noch allerhand einfallen lassen werden.