Ich finde es seltsam, dass ich nur einen Satz nach den Erlebnissen meiner Mutter und meines Mannes schreiben brauche, dass sie hier Flüchtlinge waren, und schon kommt ein völlig irrelevanter Schwall an Aussagen zu dem Fakt, dass die Deutschen, die damals aus ehemaligen Ostgebieten kamen, in der BRD von den Einwohnern genau wie alle anderen Flüchtlinge aus welchem Land auch immer als Fremde betrachtet wurden.
Denn dabei ist es irrelevant, dass sie als Deutsche und mögliche Mittäter oder auch Opfer des 3. Reichs aus den Ländern ausgewiesen wurden, und auf der Flucht für die Grausamkeiten des 3. Reichs bestraft wurde. Denn ihre eigene Geschichte ist dabei irrelevant.
Das waren Menschen die nicht hier geboren waren, die als Flüchtlinge und Eindringlinge aufgrund von Gesetzen mit Verteilschlüssel aufgenommen werden mussten, die die deutsche Bevölkerung damals nicht haben wollte.
Die Mehrheit der Deutschen wollte damals eh nicht wissen, was den Geflüchteten durch das deutsche Regime oder bei der Flucht passiert war. So wie keiner wissen will, in wie weit wir an den Ursachen beteiligt sind, warum die Menschen heute nach Europa flüchten.
Und viele auf beiden Seiten haben früher nie darüber geredet. Die Einen nicht über das, was sie erlebt haben und die anderen nicht darüber, wie sie sich selbst daran beteiligt hatten. Denn es muss jedem klar ein, dass dieses Regime nur funktionieren konnte, weil ein Großteil sich daran beteiligt hat und es richtig fand.
Es waren z.B. ja nicht nur die großen Betriebe, die gefangene Arbeitssklaven unter einem per Gesetz angewiesenen Hungerregime unter sich arbeiten ließen, worunter Millionen Menschen verhungert sind, sondern alle deutschen Firmen und Bauern. Es waren deutsche Bürger, die Juden anzeigten, um an deren Möbel und Wohnung zu kommen. Und es waren deutsche Bürger, die als Arbeiter der Stadt und in allen öffentlichen Einrichtungen, die Gesetze umsetzten.
Jeder Aufklärungsfilm nach dem 2.WK, wenn er bei uns überhaupt eine Freigabe bekam, wurde aufgrund der Empörung der Bürger schnell wieder eingestellt.
Wobei die Deutschen, die damals per Vertrag in die BRD geholt wurden, den Vorteil hatten die deutsche Sprache zu sprechen und vielleicht auch schon eine Ausbildung im Reich erhalten hatten, die hier anerkannt wurde, denn Ausbildungen im Ausland wurden hier meist nicht anerkannt und sind bis heute schwierig.
In den letzten Jahrzehnten wurden nämlich viele Ausländer mit qualifizierter Ausbildung in Deutschland nicht anerkannt, die dann weit unter ihrer Qualifikation Billigarbeiten ausgeführt haben. Bei manchen Berufen haben sie das Anerkennungssystem mittlerweile verbessert.
Was damals passiert ist und wie sich die Menschen in der neuen BRD mehrheitlich (es gab auch Ausnahmen) gegenüber den Deutschen aus den ehemaligen Reichsgebieten verhalten haben, ist heute längst vergessen.
Nur die damaligen Flüchtlinge, besonders wenn sie als Kinder kamen und von anderen Kindern als Flüchtlinge beschimpft wurden, so wie diese Kinder es zuhause von ihren Eltern hörten, werden es niemals vergessen. Meine Mutter hatte dies nie vergessen und mein Mann, der als Kind aus der DDR kam, wird das auch nie vergessen.
Aber ich denke auch nicht, dass die deutsche Bevölkerung der ursprünglichen BRD die Aufnahme von Ostdeutschland begrüßt hat, weil das alle Bürger der ursprünglichen BRD sehr teuer zu stehen kam, ihnen noch mehr Jobs wegnahm und alles extrem verschlechtert hat.![]()