Mein Vater war auch E-Ingenieur, trotzdem kenne ich mich damit nicht aus, weil ich auch nie daran Interesse hatte. Im reifen Alter fing ich allerdings an, mich für alles zu interessieren. Ich denke, wenn man heutzutage technisch so weit entwickelt ist, dürfen solche Fehler niemals passieren.
Da teile ich deine Meinung nicht. Ich komme ja aus der Hautechnik. Wasser und Strom funktionieren völlig unterschiedlich.
Die meisten Menschen scheinen zu glauben, Strom funktioniert wie Wasser. Man bräuchte nur Strom auf die Leitung zu geben und das System funktioniert dann wie bei Wasser von alleine. Dabei ist Wasser ganz einfach und wird gepumpt. Steht also unter Druck. Leitung auf, Wasser da. Lüftung wird über Ventilatoren geblasen und über Lüftungsanlagen zusätzlich geregelt.
Strom wird nicht gepumpt, geblasen oder gedrückt. Und man sieht ihn nicht. Der wird ins Netz gefördert und vom Verbraucher gezogen. Da darf nicht zu viel erzeugt werden und nicht zu wenig. Da entscheiden die Abnehmer, was zu viel und zu wenig ist und trotzdem muss es im Gleichgewicht sein.
Dass es bei Strom schon vom Prinzip her kein ausgeglichenes Netz geben kann, weil der Strom durch die Verbraucher unterschiedlich abgenommen wird, immer auf sehr komplizierte Weise ausgeglichen werden muss, und durch viele Erzeuger noch komplizierter zu regeln ist, ist vielen nicht klar.
Für mich persönlich ist es ein regelrechtes Wunder, dass das Stromnetz überhaupt so stabil funktioniert.![]()
Wir haben Unmengen an wer weiß wie alten Oberleitungen, die durch alles mögliche leicht beschädigt werden können. Wir haben Unmengen an Erdkabeln, die seit ewigen Zeiten in der Erde liegen. All diese Kabel können verrotten, durch natürliche Erdbewegungen, Vögel, Schnee, Sturm, Kabelbrüche, unabsichtliche Beschädigungen, usw. zu Störungen führen. Auch die ganzen eingebauten technischen Regel- und Sicherungsteile können irgendwann durch Materialversagen kaputt gehen.
Wir haben ja nicht nur E-Werke, sondern auch noch jede Menge kleine E-Stationen, in denen PCs stehen, die unaufhörlich messen und Daten weitergeben. Unmengen an Sicherheits- und Regeleinrichtungen, die bei zu viele Strom durchbrennen würden. Ein System, dass bei zu viel oder zu wenig Strom aussteigt. Bei uns z.B. ist ein Team von 3 Technikern, die permanent das Netz inspizieren, Teile erneuern, usw.
Dass das alles in der meisten Zeit ohne Fehler läuft, das ist für mich ein Wunder der Technik. Da habe ich großen Respekt.
Dass da nicht viel öfter eine wer weiß wie alte Hochspannungsleitung durchbrennt oder Teile ausfallen, finde ich ziemlich beeindruckend.
Auch diese ganzen angeblich schlechten Planungen halte ich eher für hinterhältige schlaue Planungen mit genauem Zweck.
Was daran schlau sein soll, erschließt sich mir nicht. Die städtischen Planer scheinen viele dummen Ideen zu haben, wenn man die jährliche Berichte liest, was alles an Bauten begonnen und eingestellt wurde. Das geht seit Jahrzehnten in die Milliarden. Ist aber nur das Eine.
Ansonsten sieht es so aus: Die Stadt z.B. vergibt die Planung der verschiedenen Gewerke an verschiedene Planungsbüros, die selbst öfter keinen Plan zu haben scheinen und die Hälfte vergessen, weil wir eine sehr umfangreiche DIN und sich ständig ändernde bauliche Vorschriften, vor allem auch im Brandschutz, haben.
Das Problem fängt schon bei der Preisabgabe an. Da bekommt der billigste Anbieter den Auftrag und es muss auch knapp kalkuliert werden. Man darf nicht so kalkulieren und das einkalkulieren, was man denkt, das gebraucht wird. Das kommt dann später.
Wenn ein Gewerk dann vergeben wird, dann ist der Auftragnehmer per Gesetz verpflichtet alles technisch auf Machbarkeit zu prüfen. Dann fängt das Drama an, weil man für alles was fehlt Nachträge schreiben muss, die extra beauftragt werden müssen.
Wenn man aber viele kleine Billigfirmen beauftragt, die selbst wenig Ahnung z.B. vom Brandschutz haben, oder für das beauftragte Geld den Auftrag mit den ausgeschriebenen Bauteilen eigentlich gar nicht ausführen können, dann ist die Katastrophe perfekt,
Da habe ich schon Sachen erlebt, das glaubt man nicht. Ich habe auch schon verantwortlich in der Mängelbeseitigung eines Großprojekts mit verschiedenen Gewerke gearbeitet.
Das Krasseste war natürlich, als ein Nachunternehmer statt einem Promatkoffer (Promat ist 90 Minuten gegen Feuer beständiges Material) einen weiß gestrichenen Holzkoffer eingebaut hat. Oder es werden keine Brandschutzdübel eingebaut, weil man es entweder nicht weiß oder weil man den Auftragnehmer betrügen will, weil man zu billig angeboten hat. Oder die Brandschutzbeschichtung ist schlampig aufgetragen und muss überarbeitet werden, und, und, und......
Oder es werden im ganzen Haus normale Bauteile statt solche aus dem ausgeschriebenen und bezahlten rostfreien Edelstahl in der Wand eingebaut. Das habe ich vor Jahrzehnten auch selbst miterlebt. Betraf ein Haus in Offenbach und da die 30 Jahre Gewährleistung gerade so noch nicht um waren, musste der noch existierende Unternehmer sie alle gegen Edelstahlteile austauschen, Das hat er nicht überlebt.
Das heißt, es gibt einen gewissen Anteil an Unternehmen, die nicht seriös sind. Oft melden Firmen dann Insolvenz an und firmieren später um.
Sowas gibt es natürlich auch am Bau oder bei Straßenarbeiten, da werden Eisen eingespart, billigere Eisen genommen, billigerer Beton verbaut, usw.
Denn hier es ist nicht der Planer, der versagt hat, sondern es sind die beauftragten Firmen. Die nennen sich Fachfirmen, weil sie in ihrem Gewerk ausgebildet sind. Und wenn sich eine Firma z.B. für Elektroarbeiten an einem Flughafen bewirbt, dann muss diese Firma wissen, dass da Brandschutzdübel zu verbauen sind. Denn sie sind verpflichtet alle Vorschriften zu kennen, auch wenn der Planer vielleicht vergessen hat, einen Bereich als Brandschutzbereich auszuweisen. So sind unsere Gesetze.
Das System ist stressig, würde aber normalerweise eine erhöhte Sicherheit bieten, da die ausführende Firma immer das letzte Wort hat und sagen muss, hier wurde was vergessen. So kann ich das nicht einbauen.
Wenn diese ausführende Firma aber inkompetent ist, gibt es Probleme, weil sie die Mängel der Planunng nicht erkennen kann.
Auch die Sache mit der Carolabrücke finde ich seltsam. Wie kann es sein, dass eine Fachfirma 2 Bauteile saniert und der 3. Bauteil der sanierungspflichten Brücke weiterhin stark belastet wird und erst nach dem Zusammensturz dieses Bauteils bemerkt wird, dass es einen gravierenden Schaden an allen Brückenköpfen gibt und sie abgerissen werden muss. Sorry, aber ich bin zu blöd dafür, das zu kapieren.
Jeder normale Mensch würde denken, dass eine Brücke erst gründlich untersucht wird, ob sie überhaupt noch saniert werden kann.
Und liest man vielleicht irgendwo was davon, dass die für diese Fehlleistung Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden? Nö.