Kinder haben ist Luxus. Ich bin froh, dass ich zu Hause bleiben konnte, bis mein Sohn 3 Jahre alt und die Tochter in der Schule war. Da wir gleichzeitig auf ein Haus sparten, habe ich mir halt 3-4 Jahre kein neues Kleid gekauft (kann allerdings nähen), vieles repariert, was andere wegwerfen und vor jeder Anschaffung überlegt, ob sie nötig war. Wir haben trotzdem gut gegessen, vielleicht besser, da keine Fertigkost auf den Tisch kam. Nach Stillzeit und Flaschennahrung bekamen die Kinder nur ausnahmsweise Babynahrung in Gläschen, sondern selbst zubereiteten Gemüse- und anderen Brei. Kleidung bekam ich abgelegt von Bekannten und gab sie anschließend an andere weiter. Die Kinder wachsen ja meist schneller aus den Kleidern heraus, als diese aufgetragen werden. Einen alten Kinderwagen bekam ich von der Schwägerin, die schon 4 Kinder darin transportiert hatte, und arbeitete die schadhaften Stellen auf. Den Wickeltisch und andere Möbel baute mein Mann aus Brettern vom Baumarkt.
Heute sind die Ansprüche größer. Schon in der Grundschule versuchen sich die Kinder mit den schicksten Schulranzen zu übertrumpfen. Das begann bei meiner Tochter im Gymnasium, wo Markenkleidung gefragt war. Ich kaufte ihr einen einzigen Esprit-Pullover im Schlussverkauf, gab ihr dann ein großzügiges Taschengeld und bestimmte, dass sie nun ihre Kleider selbst davon kaufen sollte. Und was tat sie? Sie suchte sich aus meinen Stoff-Vorräten einen aus, nähte sich selbst einen Hosenanzug, schlitzte ihre Hosen an den Außenseiten auf und nähte Zwickel aus bunten Stoffresten dazwischen. Von ihrem Esprit-Pullover trennte sie das Etikett ab und nähte es zusammen mit bunten Flicken auf ihre älteste schäbige Jeanshose. Auf die entgeisterte Frage, wieso sie das Etikett eines echte Esprit-Pullovers abgetrennt habe, meinte sie: „Ich laufe doch für die nicht Reklame.“ Sie bekam dadurch mehr Respekt in der Klasse als durch das teuerste Lacoste-Fabrikat. Von dem gesparten Geld kaufte sie Bücher und unternahm später Reisen zu Museen.
Diese Haltung hat sie bis heute bewahrt. Sie kam im Studium mit sehr wenig Geld aus. Heute hat die Familie in den USA 2 Professorengehälter zur Verfügung. Für die Bildung der beiden Kinder gibt sie viel aus, kauft aber ihre Kleider second hand, durchaus schick und geschmackvoll.