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Samstag, 6. September 2014, 10:03

Wasser in der Achillessehne

Hallo Rene, hallo in die Runde,

ich habe einen "Höcker" auf der Achillessehne und nach dem Röntgen und dem Ultraschall hat sich gezeigt, dass die Achillessehne entzündet ist, sich verbreitert hat, indem sie Wasser eingelagert hat und dadurch porös ist.
"4-6 Wochen Sportpause", so der Arzt.

Fürs Erste hat er mir einen Zink-Leim-Verband gemacht, der entzündungshemmend sein soll und den soll ich 10 Tage lang tragen. Dann, am 15. September, soll eine erneute Untersuchung zeigen, ob und was sich verbessert hat.

Meine Frage: gibt es etwas Besseres als diesen Zink-Leim-Verband? Etwas, dass der Sehne das Wasser entzieht, die Entzündung entfernt und die Sehne wieder stabilisiert. Ich will ja auch in Zukunft noch weite Strecken laufen können, ohne, dass die Angst vor einem Riss der Sehne ständig mitläuft ...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »René Gräber« (6. September 2014, 12:44)


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Samstag, 6. September 2014, 14:27

Wassereinlagerung an der Achillessehne

Hallo Tom, herzlich willkommen im "Club". Im "Club" bei Yamedo und im "Club" der Achillessehnen-Geplagten.

Zum Thema:

Erst einmal, warum tritt das auf und wie kann das vermieden werden?

Die klassische "klinische Betrachtung" wie ich diese unter "Achillessehnenentzündungen" beschreibe stimmen:

Zitat

"Unter einer primären Achillodynie wird letztendlich die Degeneration der Sehnenstruktur durch wiederholte Mikrotraumen und den daraus resultierenden Prozessen verstanden. Ursächlich liegen dieser Form der Achillodynie lang andauernde sportliche Belastungen zu Grunde. Oft ist sie Folge von Laufsportarten, wobei Vorfuß- (zum Beispiel Springer oder Sprinter) sowie Fersenläufer (Langstreckenlauf) in annähernd gleicher Häufigkeit betroffen sind. Typischerweise kommt die Achillessehnenentzündung in signifikant erhöhter Häufigkeit bei vorher bestehenden Fußveränderungen vor. Beispiele sind der Senkfuß bzw. der hoch gesprengte Fuß oder Rotationsfehler. Stoffwechselfaktoren und Alterungsprozesse spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Externe Einflüsse, wie unebener Untergrund, häufig starke Trainingsbelastungen und unzureichende Sportschuhe, verstärken die Problematik. Als Folge von kleinen Verletzungen (den so genannten Mikrotraumata) kommt es zu Vaskularisierungen, also Gefäßneubildungen, als Reparaturmechanismus. Als Folge davon kommt es dann oft zu reaktiven abakteriellen Entzündungsprozessen des umgebenden Gewebes (dem so genannten Paratenon) mit begleitenden Ödemen und Krepitationen."
Als Wesentlich wird immer wieder die "Statik" hervorgehoben. Fehlstellungen im Skelett sind zu beseitigen, vor allem im Fuß. Die Statik wird vor allem durch das Bindegewebe und die Muskulatur beeinflusst. Zum Bindegewebe gehören die Faszien. Um dieses System zu beeinflussen gehört ein spezielles Training dieser beeinflussenden Faktoren. Und mit Verlaub: Das Laufen alleine reicht einfach nicht - jedenfalls heute nicht mehr, bei unserer westlichen Zivilisatose.

Von den Ferseneinlagen, Gelkissen etc. kann ich nur abraten. Die lösen das Problem in keinster Weise, denn wenn ich nur die Ferse erhöhe verändere ich wieder die Statik. Die üblicherweise angebotenen "Einlagen" sind auch nur eine "Krücke" und aus meiner Sicht nur eine Notlösung. Wenn Einlagen, dann rate ich zu sog. propriozeptiven Einlagen oder sensomotorischen Einlagen. Da gibt es eine Menge Anbieter auf dem Markt. Das System, so wie wir es im Therapiezentrum Preetz anbieten heißt "Body Static Control" und beruht auf einer Wirbelsäulenvermessung und einer "Fußvermessung", woraus solche "sensomotorischen" Einlagen resultieren. Fragt mich bitte nicht, wer noch solche Einlagen so macht wie wir, ich kann euch das nicht sagen. Bei uns in Norddeutschland haben sich das schon einige "bei mir abgeschaut".

Ein Wort zu den MBT Schuhen (die auch immer wieder empfohlen werden). Die Originale sind gut. Aber es sind "Trainingsschuhe" und meines Wissens niemals dazu gedacht gewesen, den ganzen Tag getragen zu werden. Man braucht da jemanden, der sich damit auskennt und der das einem zeigt. Leider gibt es da nicht mehr so Viele. Wer soll auch die Berater zahlen, wenn alle dann nur noch im Internet bestellen? Also bitte sehr: Wer billig will, bekommt billig.

So, weg von den Einlegesohlen und Schuhen. Denn: man kann sich das Problem auch "wegüben" bzw. wegtrainieren. Hierzu werden ja schon im Internet Übungen beschrieben. Bekannt ist z.B. das Training nach Dr. Knobloch.Das ist aber nicht so einfach zu dosieren und auch die Anteile des Gastrocnemius und des Soleus werden nicht sehr differenziert angesprochen. Für das Achillessehenproblem zeige ich den Patienten daher mindestens zwei Übungen, die ebenfalls im stehen ausgeführt werden, aber eine genauere Differenzierung des Problems zulassen. Ich will seit langem ein Video dazu drehen, aber ich muss ja schon wieder Fragen im Forum beantworten :rolleyes:

Zur weiteren Vorbeugung gehört noch ein spezielles Fuß- und Zehentraining dazu, denn wenn ich mir ansehe, mit was Läufer da so rumlaufen, ist es um die Zehenbeweglichkeit etc. nicht zum Besten bestellt. Dabei hängt alles an einer Faszie dran und ist miteinander "gekoppelt". Und letztlich sollten gleich die Kapseln und Bänder ebenso "funktionell" mit trainiert werden.

Die ganze Sache mit den Dehnübungen und Beweglichkeitsübungen (hier: Zehentraining / Wadentraining etc.) wird ja seit Jahrzehnten sehr konträr in der Sportmedizin und vor allem in der Sportwissenschaft diskutiert. In meinem Beitrag Beweglichkeit - Die völlig unterschätzte Trainingskomponente gehe ich kurz darauf ein. Das Thema betrifft auch den Bereich der sogenannten "Faszien-Fitness" (Fascial-Fitness) die gerade populär wird. Und die diversen "Fachzeitschriften" stürzen sich ja auch auf jeden neuen Trend... Ich kann´s bald nicht mehr lesen. Und dann fangen die Orthopäden wieder mit dem Zinkleim an... Tut mir leid, aber diese kleine Spitze konnte ich mir nicht verkneifen.

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Samstag, 6. September 2014, 14:28

Entzündungen an der Achillessehne

Nächstes Thema: Entzündungen

Die Patienten kommen ja erst in die Praxis, wenn sie kaum noch laufen können. Jedenfalls ist das bei mir so. Da ist da schon eine deutliche Schwellung zu sehen und zu fühlen, meist auch eine Überwärmung, was schon die Entzündung erahnen lässt. Ein Ultraschall sollte Aufschluss darüber geben wie weit die Sehne selbst betroffen ist. Oftmals sieht man schon Veränderungen (Ausdünnung, "porös" etc.), genau so wie Du das ja auch beschreibst.

Als erstes muss die Belastung weg, die dazu geführt hat. Sprich: Laufverbot. Das ist schon mal für Läufer die reinste Hölle. Aber es hilft nicht. Ich kenne zu viele "Läufer", die genau wegen dieser Problematik ihre "Laufkarriere" beendet haben. Dabei ist das aus meiner Sicht gar nicht nötig - WENN: die richtigen Maßnahmen getroffen werden.

Zweitens: Eine antientzündliche Therapie muss her. Dazu habe ich ja einen Grundsatzbeitrag unter Naturheilkunde bei Entzündungen geschrieben.

Aus der Ernährung: Milch und Schweinefleisch müssen weg, am besten dauerhaft. Der Säure-Basen-Haushalt ist zu prüfen und auszugleichen. Mehr Wasser trinken! Zum "Wasser" haben wir hier im Forum übrigens einen sehr qualifizierten Beitrag: Wasserfilteranlagen. Ich rate dazu nicht nur mehr Wasser zu trinken, sondern sich über das Wasser auch mal Gedanken zu machen.

Vitalstoffe: hochdosiert Enzyme (z.B. Karazym, Wobenzym N etc.), Alpha-Liponsäure, Omega-3-Fettsäuren sind angezeigt.

Ein Heiltee unterstützt die Regeneration. Wenn einem nicht einfällt welches Kraut man nehmen soll, nehmt das hier: Jiaogulan

Äußerlich (Salbenverband / Wickel / Auflage) möchten die Patienten ja auch immer etwas. Die beliebten "Zinkleim-Verbände" werden von Orthopäden gerne verordnet. Die sind nicht schlecht. Aber es geht aus meiner Sicht besser: zwei Mal täglich äußerlich einen Quarkwickel anlegen. Eventuell auch einmal mit Retterspitz (äußerlich). Und dazu: drei mal täglich mit der Traumeel-Salbe cremen. Zu den Voltaren-Salben etc. sage ich hier lieber nichts :(

Die Homöopathie die gerne immer empfohlen wird, ist nicht ganz einfach. Man kann Arnica, Ruta etc. versuchen, aber nach meiner Erfahrung muss das richtige Mittel gefunden werden, dass zur Gesamtheit der Symptome des Patienten passt. Und so können für dieses Problem durchaus 15 Mittel in Frage kommen. Im Beitrag Homöopathie bei Sehnenentzündungen versuche ich eine kleinen Überblick zu geben. Aber bitte: Wer klassisch homöopathisch behandelt werden möchte, gehe zu einem klassisch arbeitenden Homöopathen, der weiß was er tut. Und bitte hört auf in den Foren zu posten: "Ruta hilft bei mir nicht". Antwort: "Hast nicht genug dran geglaubt". Tut mir leid, dass ich das hier erwähnen muss, aber so etwas lese ich ständig.

Nachdem die Entzündung abgeklungen ist, setzt sofort die manuelle Therapie / Physiotherapie ein: Massage der gesamten Schienbeinmuskulatur und der Fußmuskulatur. Die Achillessehen werden noch in Ruhe gelassen. Dabei zeige ich den Patienten bereits das Faszien-Rollen (Blackroll-Technik). Und je nach Fortschritt bereits die Eigenübungen (Statik etc. siehe oben). Die Sache mit der Physiotherapie ist ja auch nicht ganz einfach. Da gibt es ja mittlerweile über 100 verschiedene Techniken / Fortbildungen usw. Auf jeden Fall sollte ein guter Masseur die Muskulatur "in der Tiefe" bearbeiten. Und das ist im Bereich der Wade keine "Streicheleinheit". Ich biete den Patienten gerne ein "Beissholz" an (kleiner Scherz)... Ich will damit nur andeuten, dass bei Achillessehnenpatienten (Läufer!) schon ordentlich reingriffen werden muss. Das ist auch für den Therapeuten anstrengend. Wer es ganz genau nimmt suche sich einen Physio mit FDM-Fortbildung, oder LNB-Technik. Im Bereich der Osteopathen (was ja auch immer als Geheimtipp gehandelt wird), gibt es zu viele "Unterfraktionen". Da muss man auch schauen, wer was macht und welche Schule absolviert wurde.

Mit dieser "Komplett-Therapie" ist der Patient (in der Regel) in der Lage, nach 6 Wochen wieder mit leichten Trainingsumfängen zu beginnen. Nach spätestens 6 Monaten sollte die Sehne wieder "wie neu" sein und jeglicher Belastung standhalten können. Während dieser Monate wird der Trainingsplan entsprechend umgestaltet. Aerobe Ausdauer wird mit dem Rad und / oder Schwimmen trainiert. Anaerobe Ausdauer mittels Krafttraining. Auch hier ist das Augenmerk auf eine differenzierte Trainingsplanung zu legen, die mit dem "Therapieplan" abgestimmt werden sollte.

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Sonntag, 7. September 2014, 20:24

In einigen anderen Beiträgen habe ich auf diesen Beitrag hier verwiesen - quasi als "exemplarisches Beispiel", wie ich in der Praxis vorgehe. Deswegen hier auch noch die Anmerkungen, die ich dazu gemacht habe:

Manche Patienten erwarten (manchmal), dass ich irgendein "Wundermittel" aus dem Ärmel schüttel, vermutlich in der Hoffnung, dann genauso weitermachen zu können wie zuvor.

Obwohl es (ab und zu) tatsächlich so etwas gibt, ist das überhaupt nicht die Regel. Wirkliche Naturheilkunde funktioniert so auch nicht. Deswegen ist der Beitrag mit der Achillessehen ganz gut, denn der kann im Grunde auf fast alle anderen degenerativen Erkrankungen übertragen werden. Folgendes Vorgehen hat sich in der Praxis immer bewährt:
1. Was hat der Patient (Dignose)?
2. Wie ist die Prognose der Erkrankung (wenn man nichts macht)?
3. Wie ist die Prognose mit den Maßnahmen (z.B.Medikamente etc.) die bisher gemacht wurden, bzw. vorgeschlagen wurden?
4. Welche Therapien machen für den Patienten Sinn? Welche wirken bei diesen Beschwerden und will / kann der Patient das überhaupt umsetzen?
5. Wie ist die Prognose mit dieser ("anderen") Therapie?

Im Beitrag zur Achillessehne versuche ich das einmal exemplarisch zu zeigen. Das ist für einen Patienten, der noch nie von den einzelnen Dingen gehört hat nicht einfach. Im Beitrag sieht man sehr deutlich: Vom "Zinkleimverband" zu den von mir zu bedenkenden Maßnahmen ist das schon ein ganz schöner Schritt.

Aber Achtung! Wir haben es bereits mit einer Achillessehne zu tun, die bereits "ausgedünnt" ist. Ein Abriss ist da jederzeit möglich. Ich kenne zu viele Läufer, die deswegen den Sport komplett aufgegeben haben. Ich skizziere hier eine Therapie, die die vollständige Regeneration der Achillessehne im Auge hat - und ein erneutes Auftreten verhindern soll / kann.

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