Kalziumstoffwechsel

  • Hallo!

    Ich hätte bitte eine Frage zum Kalziumstoffwechsel - ganz im besonderen bei Osteoporose:

    ist es sinnvoll Osteoporose Patienten Calcium zu verabreichen? Es gibt 2 komplett verschiedene Meinungen dazu, wie ich lese:

    Gröber, Burgerstein, Schmidt, Fuchs… diese alle empfehlen bei Osteoporose neben den bekannten Co-MNST Kalzium in einer Dosierung von 800 – 1500 mg pro Tag. Andererorts habe ich jedoch gelesen, dass Osteoporose durch die Calciumgabe verstärkt würde, da es ein kataboles Leiden ist? Calcium wäre katabol und würde den Zustand verschlimmern, durch Magnesium könne die anabole Aktivität gesteigert werden? Calcium würde bei gleichzeitiger Gabe von VitD+K2 zwar in den Knochen eingelagert, dieser würde dadurch jedoch seine Elastizität verlieren und brüchiger werden? Fehlt dem Knochen Calcium, wird er weich, bricht jedoch nicht?

    Bislang empfahl ich: Calcium ca 750 mg, Magnesium, Bor, Silizium, Vit.D+K2, zusätzlich empfehle ich Mikroimmuntherapie, die OESTEO-N ... nun bin ich unsicher, ob die Calciumgabe überhaupt schlau ist??

    Kann mir wer Auskünfte geben?

    Danke für eure Hilfe.

    Liebe Grüße

    Karoline

  • Hallo Karoline,


    mal ein ungewöhnlicher Gedankengang von mir - Eiweiß und Proteine.

    Warum?


    Das mit dem Calcium haben wir eigentlich der Werbung zu verdanken - die Milch machts, Milch ist gegen Maroditis (wobei es diese Erkrankung gar nicht gibt. Ist eine Erfindung der Werbefachleute gewesen). In der Milch steckt viel wertvolles Calcium. Usw....

    Wir brauchen aber mehr als ein lächerliches Glas Milch, um an starke Knochen zu kommen. (Wobei Milch nichts anderes ist als ein Drüsensekret zur schnellen Aufzucht des Nachwuchses. Und nur der Mensch als einziges Lebewesen so etwas auch im Erwachsenenalter noch trinkt. Zudem auch noch von einer anderen Spezies. Sollte man also tunlichst unterlassen.)


    Wenn wir uns mal den Knochen genauer anschauen, besteht dieser aus einem Gerüst. Und dieses Gerüst wiederum besteht aus - Kollagen. Also aus Proteinen.

    Nicht aber aus Calcium. Dieses ist nur an das Einweißgerüst "angeklebt". Sorgt für die Stabilität. Eine reine Calciumzufuhr bringt also nicht sonderlich viel für den Knochenaufbau.

    Sehen wir ja auch - Osteoporose wird mt Calciummangel gleichgesetzt. Seit Jahren. Und deshalb wird seit Jahren immer wieder die Calcium-Therapie empfohen. Also eine verstärkte Einnahme von Calcium. Wenn man Glück hat noch kombiniert mit K2 und Vitamin D3. Nur - seit Jahren nehmen die Osteoporose-Erkrankungen zu. Calcium kann also nicht der Schlüssel zum Erfolg sein.


    Das stärkste Mittel zum Knochenaufbau sind Wachstumshormone. Und Hormone bestehen nun mal halt aus Eiweiß, also aus Proteinen. Wie übrigens auch unser Muskelapparat. Diese Wachstumshormone bauen nun unser Knochengerüst auf. Hat also nichts mit Calcium zu tun. Allerdings fehlt zum Aufbau noch etwas - die Wachstumshormone benötigen einen Reiz. Und der kommt durch die Bewegung. Unsere Muskeln sind an den Knochen befestigt. Wenn wir uns nun viel bewegen, "zerrt" das an den Knochen, diese werden dadurch gefordert. Wachstumshormone sorgen dann dafür, dass Knochenmasse aufgebaut wird, der Knochen wird dichter. Gerade ältere Menschen bewegen sich aber nicht mehr so viel, der Wachstumsreiz bleibt aus, die Knochen werden porös, bilden sich zurück. Die Osteoklasten (knochenabbauende, mehrkernige Riesenzellen) nehmen zu, die Osteoplasten (also die knochenaufbauenden Zellen) nehmen ab. Bei einem gesunden Knochen liegt aber immer ein Gleichgewicht zwischen beiden vor. Nun einfach Calcium zu verabreichen, ist daher sicher nicht der richtige Weg.


    Daher mein Tipp - wie wäre es, zunächst einfach mal ein Aminogramm erstellen zu lassen? Also die wichtigen Aminosäuren, Arginin, Lysin und auch mal Tryptophan zu bestimmen? Lysin beispielsweise verstärkt die Calciumaufnahme im Darm, sofern es mit Calcium eingenommen wird. Lysin baut das Bindegewebe auf und auch unsere Knochen. Leider werden solche Untersuchungen nur selten von den Kassen übernommen. (Wie überhaupt viele solcher Untersuchungen. Was letztlich dazu führt, dass die Menschen nicht gesünder, sondern eher kränker werden. Ist aber eine andere Geschichte)


    Eine verminderte Eiweißzufuhr ist immer verbunden mit einer geringeren Muskelmasse, einer Sarkopenie. Eine proteinreiche Ernährung bei Osteoporose hat daher positive Effekte - sie baut Muskelmasse auf, Wachstumshormone erhalten ihren erforderlichen Reiz, der Aufbau des Knochengerüsts wird unterstützt. Eiweiß ist eine der wichtigsten Zutaten für ein gesundes Knochengerüst, für eine gute Knochenqualität. Einfach, weil aus ihm das Kollagengerüst der Knochen gebildet wird.


    Eiweißreiche Ernährung ist also die unbestrittene Rolle einer gesunden Ernährung bei Osteoporose. Fisch beispielsweise ist ein guter Lieferant für Eiweiß. Eigentlich. In der heutigen Zeit wegen der Umweltverschmutzung aber sicher nicht die erste Wahl. Puten- und Hühnerfleisch wären ebenfalls gute Eiweißlieferanten, zumal gleichzeitig fettarm. Wegen der Qualzucht aber auch nicht unbedingt zu empfehlen. Der klassische Eiweißlieferant ist aber das Ei, besonders, wenn es aus biologischer Hühnerhaltung kommt. Sein Eiweiß hat eine besonders hohe biologische Wertigkeit von 100.

    Wer auf Nummer sicher gehen will, vielleicht auch wegen einer veganen Ernährungsweise, greift auf pflanzliche Eiweiß-Lieferanten zurück - Hülsenfrüchte zum Beispiel. Linsen, Bohnen, Erbsen sind gut geeignet. Auch Brokkoli, Spinat oder der Spargel. Nüsse wie Walnüsse, Haselnüsse, Cashewkerne und Mandeln, Sonnenblumen oder auch Kürbiskerne haben ebenfalls viel Eiweiß. Kombiniert mit Hirse oder Dinkel.


    Die von Dir genannten NEM können dann noch als Ergänzung dienen.

  • Hallo Dirk,

    danke für deine interessanten Ansätze... da geb ich dir auf alle Fälle Recht mit Lysin für den Kollagenaufbau. Vitamin C dazu fände ich noch wichtig und vielleicht sollte man den Osteoporosekandidaten alle 8 essentiellen Aminosäuren als Nahrungsergänzungsmittel empfehlen?

    Unsicher bin ich mir wegen der zusätzlichen Calciumgabe... an und für sich sollte man doch genug Calcium mit der Nahrung aufnehmen können? Aber ob das auch für meist bereits etwas ältere Menschen mit oft eingeschränkter Nährstoffaufnahme im Darm zutrifft ist m.E. fraglich? Da bin ich mir nicht sicher ob man mit zusätzlichem Calcium Gutes tut?

    Danke für die interessanten Ansätze.

    Liebe Grüße

    Karoline

  • Ja, mit Vitamin C machst Du sicherlich nichts falsch. Und Deine Unsicherheit bezüglich des Calciums - was genau möchtest Du denn mit zusätzlichem Calcium bezwecken? Wenn Du Dich mit Lysin anfreunden kannst, macht Calcium als zusätzliche Gabe sicherlich Sinn. Nur ist Clacium, wie ich oben ja schon geschrieben habe, lediglich der Stoff, der den Knochen Stabilität verleht. Was nutzt aber Stabilität, wenn nicht genügend Knochensubstanz vorhanden ist.

    Wenn ich ein Haus baue, die äußeren Wände schön stabilisiere, bringt mir das keinen großen Nutzen, da die tragenden Innenwände fehlen, die ja auch das Dach tragen. Das Ding wird über kurz oder lang "morsch" und einstürzen.


    Aber weißt Du was? Ich habe bei solchen Themen immer so meine Schwierigkeiten, weil´s oft nicht verstanden oder nicht eingesehen wird: Das Messen!


    Klar sind alle essentiellen Aminosäuren wichtig, keine Frage. Kann man natürlich auch durch NEM zuführen. Aber welche Menge von welchen Aminosäuren willst Du nun zuführen? Es fehlt ja selten von allen Aminosäuren gleich viel. Helfen kann hierbei nur ein Aminogramm. Zeigt Dir genau die Schwachstellen bei den einzelnen Aminosäuren auf. Diese kann man dann gezielt substituieren. Alles andere ist einfach nur ein wildes Herumspekulieren. Natürlich auch mit der Unsicherheit, mit den NEM völlig daneben zu liegen.

    Du hast beispielsweise von den acht essentiellen Aminosäuren geschrieben, nur - was machst Du mit der neunten? Nämlich Histidin? Gehört heute auch zu den essentiellen Aminosäuren. Und eigentlich gehört auch noch Arginin dazu, obwohl´s semi-essentiell ist.


    Wenn im Körper etwas schiefläuft, man krank wird, irgendwelche Zipperlein hat, sich eine Erkältung einfängt, ist dies fast immer ein Zeichen dafür, dass irgendwo irgendwas im Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist. Was das ist, erkennt man dann halt nur durch´s Messen. Gerade auch, weil jeder Mensch anders ist und jeder dadurch anders auf bestimmte Stoffe reagiert.


    Ich weiß - ein Aminogramm wird selten von der Kasse übernommen, hatte ich oben ja schon geschrieben. Meist muss man dann beim Arzt auch betteln, dass er so etwas überhaupt macht. Dafür liegen die Kosten für solch ein Aminogramm aber nur bei ca. 40,--EUR. Ist also sicherlich zu verkraften. zumal man dann auch weiß, woran man ist.