Heute im Biolädchen. Mit angeschlossenem Cafe und Außengastro.
Verkäuferin: "Na? Freuen sie sich?"
"Wieso?"
"Na, sie können jetzt wieder zum Frühstücken kommen, wir dürfen die Gastro doch wieder öffnen!"
Man kennt mich. Ich habe dort "ante pandemic" sehr oft mit Buch bewaffnet ein literarisches Frühstück genossen.
"Na ja, mit dem üblichen Gedöns natürlich. Also mit Test und so." sagt sie noch.
"Tja, wegen dieses "Gedöns und so" müssen sie dann wohl auf mich verzichten."
"Soll ich ihnen mal was sagen? Ich mache diese Testerei auch nicht mit. Das ist doch alles völliger Blödsinn. Wir werden doch komplett verschaukelt von denen da oben."
Und so ergibt ein Wort das andere, man plaudert so über díe Theke hinweg und sie erzählt noch, dass ihr 12-Jähriger am Rad drehen würde, weil er nicht zur Schule und sich nicht so richtig mit seinen Freunden treffen kann.
Mittlerweile haben sich einige Kunden eingefunden, die in einer kurzen Schlange hinter mir stehen, was ich aber nicht mitbekommen habe.
"Sie gehören wohl auch zu diesen Coronaleugnern und Antisemiten, was?", schreit einer weiter hinten in der Schlange.
"Was sind für sie denn Coronaleugner?" habe ich ihn gefragt. "Und dann erklären sie mir doch bitte auch mal, was Semiten sind!"
Tja, schweigen im Walde, da kam dann nichts mehr.
"Habe ich mir schon gedacht. Alles einfach nachplappern ohne drüber nachzudenken. Das hatten wir in Deutschland alles schon mal, wußten sie das? Wollen sie da wieder hin?"
Zwei Kunden haben vor sich hingenickt, die Verkäuferin hat mir zugezwinkert. Ich hab dann bezahlt und allen ein schönes, entspanntes Wochenende gewünscht.
Von daher - ein Gespräch mit Gleichgesinnten ist immer anregend, eines mit Narrativgläubigen kannste vergessen. Ist einfach vergebliche Liebesmüh.