Kerns, das ist mittlerweile noch viel schlimmer geworden, da sie zwischen den verschiedenen Schmerzmitteln unterscheiden.
Hierzulande hat sich inzwischen die Zahl der Verschreibungen von starken Schmerzmitteln wie Opioiden mehr als verdoppelt.
Im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wurden 1996 noch 129 Millionen entsprechende definierte Tagesdosen (DDD) verschrieben, 2020 lag diese Anzahl bei 446 Millionen DDD.
Muth ist Teil eines Forschungsteams an der Universität Bremen, das unter der Leitung des Arzneimittelexperten Gerd Glaeske untersucht hat, wie die aktuelle Situation hinsichtlich der Verschreibung von starken Schmerzmitteln hierzulande aussieht. Die Ergebnisse hat das Team nun im „Opioidreport 2022“ˍ zum Aktionstag gegen den Schmerz am 7. Juni veröffentlicht. Glaeske ist kurz vor der Pressekonferenz nach langer Krankheit verstorben. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin fand die Vorstellung der Untersuchung am heutigen Mittwoch dennoch statt.
Ausgangspunkt der Untersuchung war die Frage, ob eine ähnliche Situation wie in den USA auch in Deutschland aufgrund des höheren Verordnungsgebrauchs von starken Schmerzmitteln möglich ist.
Für diese Studie hat das Forschungsteam um Glaeske Daten von entsprechenden Opioidverordnungen bei Versicherten (mindestens 15 Jahre alt) der Handelskrankenkasse (hkk Krankenkasseˍ) zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 ausgewertet.
Demnach wurden die verhältnismäßig schwach wirkenden Opioide (WHO-Stufe II), Tilidin plus Naloxon mit 807.236 DDD und Tramadol mit 304.283 DDD, im Jahr 2020 weitaus häufiger verordnet als die stärkeren Opioide der WHO-Stufe III (Fentanyl: 229.573 DDD, Hydromorphon: 163.933 DDD, Oxycodon-Monopräparate: 129.770 DDD). Von den 592.057 Krankenversicherten der hkk haben 4.993 Versicherte starke Opioidanalgetika der WHO-Stufe-III 2020 verordnet bekommen (0,84 Prozent).
Zudem zeigte sich, dass vor allem Allgemeinmediziner und Internisten die starken Opioide verschreiben. Diese machten 2020 einen Anteil bei 87,39 Prozent der Verschreibungen aus. Anästhesisten wiederum verschreiben die Opioide nur zu einem Anteil von 8,82 Prozent.
Problematischer wird es bei der Berücksichtigung der zugrunde liegenden Diagnosen.
So erklärte Muth, dass die hkk-Daten zeigen, dass starke Opioide der WHO-Stufe III bei 81 Prozent der Frauen und 78 Prozent der Männer verordnet wurden, für die keine Krebserkrankung kodiert wurde. Gerade etwa bei Rückenbeschwerden, Arthrose, Osteoporose oder Polyneuropathie werden die starken Schmerzmittel häufig verschrieben.
Und: Es gibt einen Trend zur Verschreibung von Fentanylpflastern, schlussfolgerte Muth. Auch der Chefarzt für Schmerzmedizin und der Schmerzambulanz im Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen, Joachim Ulma, betonte, dass die Pflaster oft harmlos erscheinen würden und dass die starke Wirkung manchmal zu wenig bekannt sei.
Der Opioidreport weist allerdings daraufhin, dass Fentanyl in seiner Wirkung 100 Mal stärker als etwa Morphin ist. Gerade Fentanyl sei laut der entsprechenden Leitlinie vor allem bei Krebspatienten mit starken Schmerzen und bei palliativen Patienten einzusetzen. Entsprechende Pflaster sollten zudem nur bei Patienten eingesetzt werden, die Probleme mit dem Schlucken haben.
: https://www.aerzteblatt.de/news/verordnun…64-f1b1aa19e354
Da liest man Zahlen, da schlackern einem nur noch die Ohren. ![]()