Selbst die Probleme nur auf Berlin zu reduzieren, auch wenn Berlin schon sehr lange ein Brennpunkt mit vielen verschiedenen Problemen, wie Armut und hoher Kriminalitätsrate ist, trifft es nicht. Der Anteil an Migranten ist es jedenfalls nicht.
Jedes vierte Kind in Berlin lebt in Armut. Ein sozialer Brennpunkt: der Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Jeder dritte Jugendliche hier hat keinen oder nur einen niedrigen Schulabschluss. Wer hier aufwächst, hat kaum Chancen sozial aufzusteigen. Und doch gibt es hier Menschen, die sich gegen die Perspektivlosigkeit erheben und um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen.
Pierre Hollberg kalkuliert zehn Euro am Tag für Lebensmittel ein. Das muss für sechs Personen reichen. Er lebt mit seiner schwerbehinderten Frau und vier Kindern auf knapp 90 Quadratmetern in einer Vier-Zimmer-Wohnung. Das Elternbett steht im Wohnzimmer. Platz für einen Esstisch gibt es nicht. Schwiegermutter Evi unterstützt die Großfamilie, wo sie nur kann. Alle zwei Wochen besorgt sie Lebensmittel von der Tafel.
Es gibt viele Gründe, arm zu werden. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Trennung.
Vor allem alleinstehende Mütter sind betroffen. Jessica Laue, dreifache Mutter aus Hellersdorf, war nach der Trennung vom Vater ihrer Kinder viele Jahre arbeitslos, trotz zweifacher Berufsausbildung. Seit Kurzem hat sie einen Vollzeitjob, verdient dabei allerdings weniger als das, was sie vorher an Bürgergeld bekommen hat. Dennoch ist ihr die Arbeit wichtig, um ihren Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Sie möchte ihnen ein Leben in Armut ersparen.
: https://www.youtube.com/watch?v=Dj6sfVCuwek
Aber gleichzeitig hat man schon vorher festgestellt:
Arm und Reich teilen sich immer weniger Stadtteile, hat eine neue Studie herausgefunden. Demnach bilden sich zunehmend Armen-Gettos, der Traum einer sozial gemischten Stadt scheint eine Illusion. Sozialwohnungen verstärken diese Entwicklung.
Das Kottbusser Tor in Berlin gilt als sozialer Brennpunkt. Drogen, Gewalt, Armut - die Ecke in Kreuzberg hat mit vielen Problemen zu kämpfen. "Auch durch die Drogenpolitik des Landes Berlin entwickelte sich das Kottbusser Tor zum Aufenthaltsort eines Teils der Berliner Drogenszene. Darüber hinaus zeigt das Gebiet deutliche Spuren mangelnder Pflege, Müll, Verwahrlosung, Graffiti und schlechtes Design breiten sich aus und führen insgesamt zu einer von vielen negativ bewerteten Situation."
Die Forscher untersuchten für 74 Städte in Deutschland die Entwicklung der sozialräumlichen Segregation von 2005 bis 2014.
Das Ergebnis: "In gut 80 Prozent der untersuchten Städte hat seit 2005 die räumliche Ballung von Menschen, die Grundsicherung nach SGB II beziehen, zugenommen – am stärksten dort, wo viele Familien mit kleinen Kindern (unter 6 Jahren) und viele arme Menschen leben", so die Studienautoren. Vor allem in ostdeutschen Städten wie Rostock, Schwerin, Potsdam, Erfurt, Halle und Weimar sei diese Entwicklung besonders stark. Aber auch in Kiel, Saarbrücken und Köln konnte man eine Gettoisierung beobachten.
"Dieses Niveau kennen wir bisher nur von amerikanischen Städten", sagt Marcel Helbig, einer der Autoren der Studie. Als "historisch beispiellos" bezeichnet er die Dynamik, mit der die sozialräumliche Spaltung der ostdeutschen Städte binnen weniger Jahre zugenommen habe.
Eine gefährliche Entwicklung, denn wer in einem "Armenviertel" aufwächst, hat deutlich schlechtere Chancen im späteren Leben. "Diese Entwicklung kann sich negativ auf die Lebenschancen armer Kinder auswirken. Aus der Forschung wissen wir, dass die Nachbarschaft auch den Bildungserfolg beeinflusst", so die Forscherin Stefanie Jähnen.
stern.de/wirtschaft/immobilien/armut-getto-deutschland-7994878.html
Du bist nichts, Du hast nichts, Du kannst nichts.
Das dürfte eines der schon lange bekannten sozialen Probleme in Deutschland sein. ![]()