Ich hatte gestern einem Freund versucht unseren Strom zu erklären. Schließlich bin ich mit einem E-Ingenieur verheiratet.
Zum Strom. Das ist natürlich einerseits sehr kompliziert, weil es zahllose kleine Netze gibt, andererseits liefern zahllose Stromerzeuger wie Kohlekraftwerke, Wasserkraftwerke, Solaranlagen, Windkraftanlagen, usw. den Strom in diese Stromleitungen.
Die Verbraucher ziehen den Strom aus dieser Leitung.
Wenn plötzlich eine größere Menge Strom nicht mehr durch Verbraucher abgenommen wird, steigt die Strommenge in der Leitung und durch die Überspeisung wird die Frequenz von 50Hz überschritten.
Wenn viele Verbraucher mehr aus der Leitung ziehen, als verfügbar ist, sinkt die Strommenge und die Frequenz sinkt durch die Unterspeisung unter 50 Hz.
Es kann also ständig zu einem zu viel oder zu wenig Strom in der Leitung kommen. Deshalb gibt es sehr viele Regelelemente und der Strom wird ständig geregelt.
Denn die standardisierte Stromfrequenz liegt in Europa bei 50 Hz.
Höhere Messwerte sind auf Überspeisung, niedrigere Messwerte auf Unterspeisung zurückzuführen.
Geringfügige Schwankungen sind problemlos, treten aber permanent auf, so dass die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) ständig die Frequenz normalisieren müssen.
Hierfür gibt es bei uns diverse Möglichkeiten, wie zur Not auch die Abschaltung von Anlagen oder auch Brownouts: Beschrieben hier:
: https://www.next-kraftwerke.de/wissen/495-hertz-problematik
Oder hier: https://www.netzfrequenz.info/aktuelle-netzfrequenz-full
Ein Stromnetz kann in dem Sinn also niemals stabil sein, sondern besteht aus sehr vielen Orten und Gemeinden, die oftmals selbst Stromerzeuger besitzen und/oder Strom von anderen Stromerzeugern geliefert bekommen und alle mit einem Stromleitungssystem miteinander verbunden sind, das praktisch ständig ohne Unterbrechung geregelt werden muss, um in etwa die Frequenz von 50 Hz zu halten.
Auch Kraftwerke reagieren nicht sofort, wie oft erzählt wird. Ein Blackout ist eine Sache von einem Bruchteil einer Sekunde. Die Regelfähigkeit von Kohle- und Kernkraftwerken liegt aber bei 3-5% pro Minute.
Dann braucht man natürlich eigentlich auch Speicher, um die Energie im Stromnetz zwischenspeichern zu können.
Dazu habe ich jetzt auch was gefunden.
dw.com/de/photovoltaik-windkraft-batterien-boomen-global-energie-wird-günstig-reicht-das-für-das-klima/a-71384451
Danach betragen unsere Stromspeicher insgesamt 19 GWh.
Das meiste sind aber private Speicher für Eigenheime und nur ein kleiner Teil sind Großspeicher.
: https://www.solarwirtschaft.de/2025/01/31/spe…zent-gewachsen/
Torcer hatte neulich ein schönes Video eingestellt, wie absurd das deutsche Strommanagement durch die fehlende Verbindung zwischen dem Norden und Süddeutschland ist. Hier: https://www.youtube.com/watch?v=u0YwTynetW8
Und das war auch früher schon so, da ja Angebot und Nachfrage den Bedarf regeln.
Man könnte sagen, wenn die Leitungen zwischen Norden und Süden da wären, würden wir unseren Bedarf weitgehend selbst produzieren können. Keiner weiß, an wie vielen Tagen Strom verschenkt wird und gleichzeitig Strom zugekauft werden muss. Aber das ist in D schon lange so.
Gleichzeitig läuft der Strom in Deutschland in einem hohen Sicherheitsbereich. Denn bei uns gibt es überall Unterstationen, die per PC an die nächst größere Station weitermeldet, die dann sofort bei geringen Frequenzabweichungen Maßnahmen durchführt um die Unter- oder Überspeisung zu regeln. Zudem sind Techniker am Weg, falls es irgendwo Probleme gibt.
Jetzt beschreibt das von Lebenskraft eingestellte Video, dass der Blackout durch einen Brand erfolgte, der den Abtransport der Überspeisung verhinderte und suggeriert gleichzeitig, dass es durch eine Überspeisung durch Kraftwerke nicht passiert wäre, was ich für eine Illusion halte, da beim Wegfall von Verbrauchern das Kraftwerk nur 3-5% Strom/Minute abregeln kann.
Hätte also 2013 plötzlich die Leitung gebrannt, über die man den Strom verschenkt hat:
Weihnachtliche Strom-Vernichtung kostete 94 Millionen Euroˍ, wäre es auch zu einem Blackout gekommen.
Ganz abgesehen davon, dass Deutschland sehr viel Geld in neue Regelanlagen investiert hat, wie auch die Seite Netz-Kraftwerke beschreibt, während das laut meinem Mann in Spanien nicht der Fall ist.