Darf man gekochtes Wasser erneut kochen?

  • Auf verschiedenen Webseiten wird behauptet, dass das Kochen von bereits gekochtem Wasser zu Gesundheitsschäden führen kann.


    Als Begründung hierfür wird angegeben, dass das wiederholte Kochen die Entwicklung von einigen Substanzen fördert, „die gefährlich für unsere Gesundheit sind - Nitrate, Arsen und Fluorid“.

    Weiter erfahren wir, was Nitrate und mehrmals gekochtes Wasser mit unserem Organismus anstellen kann. Leukämien, Nierensteine, Gallensteine etc. sollen angeblich durch das wiederholte Kochen von Wasser provoziert werden.


    Also scheint es sich angeblich nicht zu lohnen, mit Wasser sparsam umzugehen, zumindest nicht aus Sicht der Gesundheit. Gesund dagegen soll angeblich sein, einmal gekochtes Wasser zu verwenden. Und sparsam soll sein, nur die Menge Wasser zu erhitzen, die auch wirklich benötigt wird.

    Meine Einschätzung hierzu:

    Viele der Schreiber solcher Beiträge versäumen es, Quellen anzugeben, die belegen, dass das zweite Erhitzen von bereits gekochten Wasser zur Bildung von Arsen, Nitraten und Fluoriden führt. Wenn dies der Fall ist, warum führt einmaliges Erhitzen dann nicht zur Bildung dieser Substanzen?


    Außerdem ist es fragwürdig, wie so ein Erhitzen überhaupt dazu in der Lage sein soll, ein Metall (Halbmetall genauer gesagt) wie Arsen zu bilden. Dazu müsste schon eine Kernfusion oder Kernspaltung her, um dieses Element entstehen zu lassen. Auch Fluoride und Nitrate sind nicht Produkte wiederholter Erwärmung. Vielmehr sind diese Schadstoffe bereits im Wasser, und zwar im ungekochten Zustand. Durch mehrfaches Kochen jedoch verdampft reines Wasser und konzentriert somit die Schadstoffe im verbleibenden heißen Wasser, was eine höhere Belastung mit sich bringen kann. Und mehrfaches Kochen des gleichen Wassers erhöht dann auch die Konzentration der unerwünschten Inhaltsstoffe.


    Damit ist also nicht das mehrfache Kochen der Übeltäter, sondern dass bereits verunreinigte Wasser, welches man aus dem Wasserhahn oder der Wasserflasche entnimmt.


    Denn mehrfaches „Kochen“ von Wasser ist Teil des Wasserzyklus, dem unser Wasser unterworfen ist. Wasser wird „gekocht“, wenn es durch die Sonneneinstrahlung im Meer erhitzt wird und als Wasserdampf aufsteigt und dann als Regenwolken und Niederschlag wieder den Weg zurück auf die Erde findet. Beim Kochen beziehungsweise Kondensieren handelt es sich lediglich um physikalische Vorgänge, bei denen das Wasser seinen Aggregatzustand verändert, nämlich von flüssig zu gasförmig und wieder zurück. Chemische Veränderungen sind damit nicht verbunden.


    Um die Konzentrierung von Schadstoffen im Trinkwasser durch mehrfaches Kochen zu vermeiden, gilt das nicht das Kochen zu vermeiden, sondern die Schadstoffe. Hier besteht die Möglichkeit, entsprechend behandeltes Wasser mit einem TDS (totale gelöste Feststoffe im Wasser) von weniger als 5 ppm zu kaufen. Ein solches Wasser, auch als Osmose-Wasser bekannt, hat einen Reinheitsgrad, der dem von Regenwasser gleichkommt. Dieses Wasser lässt sich mehrmals kochen, ohne dass hier signifikante Veränderungen bei der Konzentration der gelösten Feststoffe zu befürchten ist.