Dabei hätte es Gelegenheiten genug gegeben, die ausgestreckt Hand des Riesen im Osten zu ergreifen,
Vielleicht sollte man an dieser Stelle mal einen "kleinen Wink mit dem Zaunpfahl" abgeben an all die Ost-Phobisten. Obwohl es nicht ins gegenwärtige Narrativ passt:
Es war der 27. Oktober 1962, ein kalter Herbsttag. Kurz vorher, am 1. Oktober, wurde der Russe Wassili Archipow zu einer streng geheimen Mission einberufen, nicht mal seine Frau wusste, dass ihr Mann vorläufig nicht mehr nach Hause kommen würde. Lediglich "Er geht auf´s Meer" hatte man ihr erklärt.
Und am besagten 27. Oktober sollte sich das Schicksal zu Gunsten der Menschheit entscheiden: Als Reaktion auf den Beschuss der US-Navy entschieden sich zwei der drei verantworlichen Offiziere - der Kapitän und der Waffen-Offizier - an Bord des sowjetischen U-Boots "B-59" für das Abfeuern eines Nukleartorpedos.
Einzig Wassili Archipow, Stabschef der 69. U-Boot-Brigade, zögerte - um kurz darauf die wahrscheinlich schwerste und folgenreichste Entscheidung seines Lebens zu treffen: Er weigerte sich, den „roten Knopf“ zu drücken und verhinderte somit am 27. Oktober 1962 eine nukleare Kettenreaktion - einen Atomkrieg.
Elena Andriukowa, Archipows Tochter, erklärte dazu in einem Interview 2020:
"Ich wünsche mir und allen Menschen weltweit Frieden, gegenseitiges Verständnis und Freundschaft zwischen den Völkern. An dieser Stelle möchte ich den russischen Schriftsteller Iwan Turgenjew zitieren, der gesagt hat: „Allein die Liebe erhält und bewegt unser Leben.“
Den „Mächtigen der Welt“ möchte ich sagen: Stoppt das atomare Wettrüsten! Es wurde bereits sehr viel Geld für Rüstung ausgegeben. Dieses Geld sollte das Leben der Menschen verbessern. Es ist ein großes Wunder, dass in unserem Universum Leben existiert, dass auf der Erde Leben existiert. Dieses Leben dürfen wir nicht zerstören. Die Kerntechnik sollte demzufolge ausschließlich für friedliche Zwecke eingesetzt werden - nämlich Zwecke, die dem Wohle der Menschheit dienen!"
Und, im Jahr 1983, verhinderte zum zweiten Mal ein sowjetischer Offizier eine nukleare Katastrophe:
Es war am 26. September 1983, als um 0:15 Uhr in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung nahe Moskau die Sirenen heulten, als ein Mann die Nerven behielt: Der leitende Offizier Stanislaw Petrow.
An diesem Tag meldet das sowjetische Überwachungssystem in roten Buchstaben "START", also den Start einer US-Rakete. Petrow zweifelt aber ab dem ersten Moment an der Richtigkeit der Alarmmeldung, er interpretiert sie als Fehlermeldung des Computers. Allerdings musste er sich absichern. Ihm bleiben nur wenige Minuten, ehe er seinen Vorgesetzten einen Angriff oder Fehlalarm melden muss. Petrow behält einen kühlen Kopf: "Ich bin Systemanalytiker, ich weiß, dass so etwas nicht sein konnte.", meinte erspäter in einem Interview.
Petrow ruft sich in Erinnerung, dass ein Angriff nicht mit einer einzelnen Rakete erfolgen würde, sondern viele Raketen gleichzeitig starten würden. So hat er es zumindest gelernt.Er ruft also nach zwei Minuten seine Vorgesetzten an, um einen Fehlalarm zu melden. Kaum hat er aufgelegt, gehen aber erneut die Sirenen los. "Ich ging zu einem anderen Telefon, mit dem ich weitere Experten der Systemanalyse zu Hause anrufen konnte, um sie reinzurufen. Als ich aufstand, waren meine Knie ganz weich. Während ich anrief, gingen ein dritter, ein vierter und ein fünfter Alarm los", erinnert er sich. Doch er bleibt bei seiner Entscheidung. "Es war ja immer noch kurios, dass einzelne Raketen losgeschickt worden sein sollten statt vieler gleichzeitig. Ich hatte nichts zu revidieren."
Nach wenigen Minuten bestätigt dann endlich das Radarsystem das Urteil Petrows. Vermutlich täuschte ein von einer seltenen Wolkenformation reflektierter Sonnenstrahl das Warnsystem, schrieb "Spiegel Online" im Jahr 2010 unter dem Titel "Der Mann, der den dritten Weltkrieg verhinderte."

Wassili Archipow im Dienst

Stanislaw Petrow bei einer Ehrung mit dem Deutschen Medienpreis im Februar 2012