Knochenödem: Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie

Plötzlich auftretende Schmerzen im Bereich von Knochen und Gelenken sind Beschwerden, die den Betroffenen meist zuerst an osteoporotische Veränderungen oder Überbelastung denken lassen.

Eher unbekannt ist ein Phänomen, welches mit den Begriffen Knochenödem, Knochenmarködem (KMO) oder Knochenmarködem-Syndrom (KMOS) gekennzeichnet wird. Die hiermit verbundenen Schmerzen sind meist im unteren Körperbereich, besonders in der Hüfte, dem Knie oder dem Sprunggelenk, lokalisiert. Sie können jedoch grundsätzlich jede Region des menschlichen Bewegungsapparates betreffen (zum Beispiel den Schulterbereich).

Ein Ödem ist die Ansammlung von Wasser (Gewebeflüssigkeit) in Hohlräumen des Körpers. Die hierdurch entstehende Schwellung drückt auf das umliegende Gewebe, es kommt zu Reizungen von Nerven und eine mehr oder weniger ausgeprägte Kompression von Blutgefäßen. Hieraus resultieren vor allem belastungsabhängige Schmerzen unklarer Genese.

Bei einem Knochenödem verhält es sich sehr ähnlich. Die Beschwerden treten vermehrt zwischen dem dritten und fünften Lebensjahrzehnt auf und betreffen wesentlich mehr Männer als Frauen. Der genaue Entstehungsmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Das Erkrankungsbild wurde erstmals 1959 beschrieben. Mit dem Fortschritt der medizinischen Untersuchungsmethoden konnte das Knochenödem eindeutiger differenziert werden (zum Beispiel durch die Kernspintomographie). Hiermit lässt sich eine Ansammlung von Flüssigkeit im Knochenbereich darstellen.

Auch wenn die Untersuchungen zum Thema Knochenödem noch nicht abgeschlossen sind, lassen sich doch mehrere Faktoren definieren, die eine Entstehung deutlich begünstigen. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse sind dabei nicht immer eindeutig. So bezeichnen einige Quellen nur die durch eine gestörte Durchblutung des Knochens (Ischämie) hervorgerufene Wasseransammlung als echtes Knochenödem. Ursachen für die mangelhafte Durchblutung sind zum Beispiel die Osteochondrosis dissecans oder die Osteonekrose.

Erfahrungswerte der vergangenen Jahre sprechen aber dafür, dass daneben auch mechanisch-traumatische Ereignisse (Überlastung, zum Teil einhergehend mit Mikrofrakturen) sowie reaktive Faktoren (zum Beispiel Tumoren, Verschleiß oder die Osteomyelitis) ursächlich an einer Entstehung beteiligt sind.

Als weitere mögliche Ursachen gelten in der Schulmedizin u.a. Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Fettstoffwechselstörungen, Morbus Gaucher oder Diabetes mellitus), operative Eingriffe, eine Schwangerschaft, hormonelle Störungen, Rheuma, verschiedene Medikamente (zum Beispiel  Kortison) oder bestimmte Sportarten (zum Beispiel Tauchen).

Das Knochenödem ist vor allem gekennzeichnet durch schwere Schmerzen in der betroffenen Region. Diese strahlen weitläufig aus und beeinträchtigen den Alltag deutlich. Durch das Einnehmen einer Schonhaltung lässt sich der Schmerz meist reduzieren, jedoch nicht beseitigen. Die Beschwerden verstärken sich lage- und belastungsabhängig (zum Beispiel beim Laufen, Tanzen, Liegen auf der betroffenen Körperseite) und sind auch medikamentös nicht vollständig einzudämmen.

In vielen Fällen liegt ein Ungleichgewicht zwischen Osteoblasten und Osteoklasten vor. Während Osteoblasten dem Knochenaufbau dienen, sorgen Osteoklasten für den Abbau. So erneuert sich die Zellstruktur der Knochen regelhaft bis ins hohe Alter und sorgt im gesunden Zustand für stabile Knochen. Bei einem Knochenödem scheinen diese Stoffwechselprozesse gestört zu sein. Zudem verringert sich im späteren Verlauf die Knochendichte (Osteopenie) und es kann zur Bildung von Mikrokallus kommen. Kallus entsteht im Rahmen von Heilungsprozessen, wenn der Knochen gerissen oder gebrochen ist, als Art „Narbengewebe“, welches den Spalt auffüllt.

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Das Knochenödem ist in der Regel mit bloßem Auge nicht erkennbar. Bei sehr schlanken Personen sind unter Umständen Schwellungen im Bereich des Sprunggelenkes oder am Knie sichtbar und fühlbar. Eine spontane Ausheilung ist eher selten; auch nach Monaten tritt oftmals keine Besserung ein. Das zur Diagnostik herangezogene Beschwerdebild lässt sich nicht allein dem Knochenödem zuordnen, es tritt auch bei anderen Erkrankungen auf, was die Differentialdiagnose erschwert.

Die klassische Medizin hat sich auf fünf wesentliche Kriterien verständigt, die ein Knochenödem auszeichnen. Hierzu zählen der belastungsabhängige Schmerz, der Schmerz als einziges Symptom, keine spontane Heilung, kaum oder keine Symptomlinderung bei Gabe von Medikamenten sowie das unauffällige Röntgenbild. Sind vier der fünf Kriterien bei einer Untersuchung zu erkennen, ist ein Knochenödem sehr wahrscheinlich.

Da das Röntgenbild keine Flüssigkeitsansammlungen in Knochenregionen darstellt, wird bei Verdacht eine Knochenszintigraphie durchgeführt. Ein über die Vene injizierter, radioaktiv markierter Stoff lagert sich im Knochen ab und lässt sich anschließend mit dem bildgebenden Verfahren nachweisen.

Eine nahezu gesicherte Diagnose erhält man mittels Kernspintomographie, bei der durch Magnetstrahlen und Radiowellen nahezu alle Areale des menschlichen Körpers (Ausnahme bildet die Lunge) darstellbar sind. Vor allem verdrängende Prozesse, wie zum Beispiel ein Tumor oder Flüssigkeitsansammlungen, sind eindeutig erkennbar.

Wird ein Knochenödem nicht behandelt, kann dies im Verlauf weitreichende Folgen für die betroffenen Patienten haben. Es drohen vor allem Funktionsbeeinträchtigungen der betroffenen Körperregion (zum Beispiel in der Hüfte oder dem Knie). Zudem nimmt die Belastbarkeit in diesem Bereich deutlich ab (unter anderem durch Atrophie der umgebenden Muskeln).

Die Behandlung eines Knochenödems ist abhängig vom Auslöser.  Und auch bei der Wahl der Therapie streiten sich die „Gelehrten“.
Liegt ein internistisches Problem vor (Diabetes), soll dieses vorrangig therapiert werden. Ich sehe in der Praxis allerdings unabhängig von diesen „anderen“ Erkrankungsbildern noch etwas anderes. Die Patienten kommen ja wegen Schmerzen.

Behandle ich diese wie „andere“ Schmerzsyndrome auch, lassen die Schmerzen nach und in der Folge auch in über 80% der Fälle auch das Ödem – was allerdings einige Wochen dauert und eine mehrmalige weitere Therapie erfordert. Als weitere Therapie dienen Ernährungstherapie, Heilpflanzen und auch homöopathische Mittel.

Das ist aus meiner Sicht relativ einfach. Was dazu im Gegensatz sonst noch so alles praktiziert wird will ich hier aber nicht unerwähnt lassen:

Die sogenannte „Konservative Behandlungsmöglichkeit“ ist u.a. die Entlastung der betroffenen Körperregion, die Schonung über einen längeren Zeitraum sowie physiotherapeutische Strategien zur Vermeidung eines Muskelabbaus. Die Schonung / Entlastung ist klar: Joggen, Tennis, Fußball, etc. ist einzustellen. Das belastet das betroffene Gewebe nur noch mehr.

Dann die „entzündungshemmenden Präparate“ der Schulmedizin, sowie die Blutzirkulation fördernde Infusionen (zum Beispiel  Iloprost, ein Wirkstoff der thrombozytenaggregationshemmend und gefäßerweiternd wirkt): Tut mir leid, ich kann diesen Mitteln nichts abgewinnen. Nur in hochakuten Fällen würde ich an klassische Schmerzmittel denken wollen.

Und dann natürlich noch die Chirurgen, die gerne schneiden und bohren: Als einfachste operative Methode gilt das Anbohren des Knochens. Es soll eine Art „Entlastungsbohrung“ werden („core decompression“), wodurch der durch das Ödem verursachte Druck sofort gemindert werden soll. Gleichzeitig wird der Knochen dazu angeregt, neue Zellen zu bilden und die Blutzirkulation wird gefördert. So etwas kann in hochakuten Fällen eine Lösung sein. Aber solche Fälle habe ich in der Praxis noch nicht gesehen…

Bei Knochenbrüchen (Frakturen) ist der Knochenersatz bzw. Gelenkersatz (Prothese) eine hilfreiche Behandlungsmöglichkeit. Aber gerade wenn es zusätzlich auch um eine Arthrose geht, wäre ich schon wieder sehr vorsichtig.

Je frühzeitiger die Diagnose gestellt wird, desto besser gestalten sich die Heilungschancen. Die Praxis zeigt jedoch, dass viele Betroffene Monate warten, bevor sie zum Arzt oder Heilpraktiker gehen. Sie hoffen auf eine spontane Heilung, welche jedoch nicht einsetzt. Dies kann dazu führen, dass der Erkrankungsprozess derart fortgeschritten ist, dass die Maßnahmen zur Therapie  immer aufwändiger werden.

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Beitragsbild: pixabay.com – LoggaWiggler