Traditionelle Chinesische Medizin: Allgemeinses, Anwendungen und Wirkung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Allgemeines

Die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM, ist eine Form der Heilkunde, die vor über 2000 Jahren in China entwickelt wurde und sich bis in die Gegenwart in einem Prozess der Weiterentwicklung befindet. Sie geht auf den Philosophen Lao Tse zurück, der vermutlich im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte. Dieser befasste sich mit den Naturgesetzen und stellte die Theorie auf, dass diejenigen, die den Naturgesetzen folgten, auf dem 'richtigen Weg' seien und durch diesen richtigen Weg 'Harmonie' erlangen könnten.

Ursprünglich war die Traditionelle Chinesische Medizin nur in Ostasien verbreitet, neben China also u. a. in Vietnam und Korea, aber auch in Deutschland ist sie heute eine von vielen Menschen der klassischen Medizin vorgezogene Heilmethode für verschiedene Krankheiten und Beschwerden. In den anderen asiatischen Ländern, in denen die TCM ebenfalls verbreitet war, entwickelten sich unterschiedliche Varianten zum chinesischen Original, die weniger bekannt, aber ähnlich wirkungsvoll sind.

Anwendungen

Die TCM bedient sich verschiedener Methoden zur Heilung von Krankheiten, nämlich der Therapie durch Arzneimittel, der Akupunktur und der Erwärmung von Akupunkturpunkten, die so genannte Moxibustion. Weiterhin heilt sie durch verschiedene Massagetechniken, wie z. B. der in Deutschland bekannten Shiatsu-Massage, und verschiedener Bewegungsformen, wie u. a. das Tai Chi (Taijiquan). Ergänzt werden diese Methoden durch eine gesunde und heilsame Ernährung. Die Einnahme von traditionellen Arzneimitteln, Akupunktur, Massagen, Bewegungstechniken und traditionelle Ernährungsformen nach dem Grundverständnis der TCM werden oftmals auch als das System der 'fünf Säulen' der chinesischen Medizin bezeichnet.

Die Anhänger der TCM orientieren sich am Gleichgewicht von Yin und Yang. Stehen diese nicht im Einklang bzw. im Gleichgewicht miteinander, hat dies Blockaden des Qi zur Folge. Der Begriff 'Qi' stammt aus dem Chinesischen und kann mit den Begriffen 'Hauch' oder 'Atem' übersetzt werden. Es ist zu verstehen wie der 'Animus' des Menschen, er ist also ein unsichtbarer Hauch, der dem Menschen aus dem Kosmos bei der Geburt mitgegeben wird. Für Anhänger der TCM sind Blockaden des Qis verantwortlich für den Ausbruch verschiedener Krankheiten. Ist das Qi blockiert, existiert entweder ein Überschuss an Yin, also gleichbedeutend mit einer Yang-Schwäche, oder ein Überschuss an Yang, was gleichbedeutend mit einer Yin-Schwäche ist. Erkrankungen, die mit einer Yang-Schwäche in Zusammenhang gebracht werden, sind u. a. Blässe und kalte Glieder; Beschwerden, die mit einer Yin-Schwäche in Verbindung gebracht werden, sind u. a. ein rasender Puls und Rast- und Ruhelosigkeit.

Auch die Yin-Yang-Theorie geht auf den Philosophen Lao Tse zurück, der die natürlichen Dinge und Gegebenheiten in Yin und Yang unterteilt hat. Als Yin definierte Lao Tse u. a. den Mond und die Nacht und bringt mit diesem Yin verschiedene Qualitäten, wie z. B. Dunkelheit, Ruhe und Weiblichkeit, in Verbindung. Als Yang definierte der Philosoph u. a. den Tag und das Feuer und brachte mit ihm z. B. die Qualitäten der Hitze, Männlichkeit und Bewegung in Zusammenhang. Durch diese Bestimmungen erhielt alles und jeder seinen Platz und seine Funktion im Kosmos. In jedem Yin befindet sich nach Auffassung dieser Theorien ein kleines Stückchen Yang, während sich in jedem Yang auch ein kleines Stückchen Yin wiederfindet. Dies bedeutet, dass in jedem Licht auch ein wenig Schatten, in jeder Weiblichkeit ein wenig Männlichkeit, in jeder Nacht ein wenig Tag und in jeder Kälte auch ein wenig Hitze zu finden ist. Nach diesem Prinzip funktionieren auch die einzelnen Heilmethoden der TCM. Wer sich z. B. hauptsächlich durch die Ernährungstherapie der TCM heilen will, nimmt ein Nahrungsmittel zu sich und gleichzeitig eine darin enthaltene Qualität, man nimmt also ein Yin zu sich und gleichzeitig ein Yang und schafft im Körper einen Ausgleich des Yin-Yang-Verhältnisses, um seine Qi-Blockaden zu lösen und zu beseitigen. Ebenso funktionieren die Bewegungsmethoden, die die TCM vorsehen, wie z. B. das Qigong oder Tai Chi. Mit langsamen Bewegungen werden Körperbereiche, die dem Yin zugeordnet werden, mit Körperteilen, die dem Yang zugeordnet werden, zusammengeführt. Dadurch entsteht ein bestimmter Rhythmus im Körper, durch den das Yin-Yang-Verhältnis ausgeglichen wird. Dies muss geschehen, um Disharmonie zu vermeiden, da diese innere Unruhe und Rastlosigkeit zur Folge hat. Qigong und Tai Chi verhindern diese innere Unruhe.

Lao Tse ging davon aus, dass Dinge nicht geschaffen werden, sondern dass sie sich aus ihrer Selbst heraus durch das gleichmäßige Wirken von Yin und Yang erschaffen. Er und seine Anhänger waren nicht darum bemüht, herauszufinden, wie Dinge und Ereignisse geschehen oder aufgebaut sind, sondern versuchte diese Dinge und Ereignisse in ein Ganzes einzuordnen und als Teil dieses Ganzen zu verstehen und möglichst dezidiert wahrzunehmen.

Die Schulmedizin zweifelt die Wirksamkeit der TCM an, da die Methoden mehrheitlich nicht wissenschaftlich zu erfassen sind und nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen fußen. Aus diesem Grund unterstellen sie dieser Form der Medizin im Falle der Wirksamkeit lediglich einen Placeboeffekt. Die Heilung eines kranken Körpers durch die TCM geht im Wesentlichen also auf den Glauben an diese Zurück und auf die Gefühle der Kranken, die sich die Heilmethoden aneignen. Dennoch kann sie in vielen Fällen sehr wirksam sein und ist in einigen Fällen eine überlegenswerte Variante zur klassischen Schulmedizin.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 24.07.2012 aktualisiert