Traditionelle Chinesische Medizin: Allgemeinses,
Anwendungen und Wirkung
Allgemeines
Die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM, ist eine Form der Heilkunde,
die vor über 2000 Jahren in China entwickelt wurde und sich bis in die Gegenwart in einem Prozess der
Weiterentwicklung befindet. Sie geht auf den Philosophen Lao Tse zurück, der vermutlich im 6. Jahrhundert v. Chr.
lebte. Dieser befasste sich mit den Naturgesetzen und stellte die Theorie auf, dass diejenigen, die den
Naturgesetzen folgten, auf dem 'richtigen Weg' seien und durch diesen richtigen Weg 'Harmonie' erlangen
könnten.
Ursprünglich war die Traditionelle Chinesische Medizin nur in Ostasien verbreitet, neben China also u. a. in
Vietnam und Korea, aber auch in Deutschland ist sie heute eine von vielen Menschen der klassischen Medizin
vorgezogene Heilmethode für verschiedene Krankheiten und Beschwerden. In den anderen asiatischen Ländern, in denen
die TCM ebenfalls verbreitet war, entwickelten sich unterschiedliche Varianten zum chinesischen Original, die
weniger bekannt, aber ähnlich wirkungsvoll sind.
Anwendungen
Die TCM bedient sich verschiedener Methoden zur Heilung von Krankheiten, nämlich der Therapie durch
Arzneimittel, der Akupunktur und der Erwärmung von
Akupunkturpunkten, die so genannte Moxibustion. Weiterhin heilt sie durch verschiedene Massagetechniken, wie z. B.
der in Deutschland bekannten Shiatsu-Massage, und verschiedener Bewegungsformen, wie u. a. das Tai Chi (Taijiquan).
Ergänzt werden diese Methoden durch eine gesunde und heilsame Ernährung. Die Einnahme von traditionellen
Arzneimitteln, Akupunktur, Massagen, Bewegungstechniken und traditionelle Ernährungsformen nach dem
Grundverständnis der TCM werden oftmals auch als das System der 'fünf Säulen' der chinesischen Medizin
bezeichnet.
Die Anhänger der TCM orientieren sich am Gleichgewicht von Yin und Yang. Stehen diese nicht im Einklang bzw. im
Gleichgewicht miteinander, hat dies Blockaden des Qi zur Folge. Der Begriff 'Qi' stammt aus dem Chinesischen und
kann mit den Begriffen 'Hauch' oder 'Atem' übersetzt werden. Es ist zu verstehen wie der 'Animus' des Menschen, er
ist also ein unsichtbarer Hauch, der dem Menschen aus dem Kosmos bei der Geburt mitgegeben wird. Für Anhänger der
TCM sind Blockaden des Qis verantwortlich für den Ausbruch verschiedener Krankheiten. Ist das Qi blockiert,
existiert entweder ein Überschuss an Yin, also gleichbedeutend mit einer Yang-Schwäche, oder ein Überschuss an
Yang, was gleichbedeutend mit einer Yin-Schwäche ist. Erkrankungen, die mit einer Yang-Schwäche in Zusammenhang
gebracht werden, sind u. a. Blässe und kalte Glieder; Beschwerden, die mit einer Yin-Schwäche in Verbindung
gebracht werden, sind u. a. ein rasender Puls und Rast- und Ruhelosigkeit.
Auch die Yin-Yang-Theorie geht auf den Philosophen Lao Tse zurück, der die natürlichen Dinge und Gegebenheiten
in Yin und Yang unterteilt hat. Als Yin definierte Lao Tse u. a. den Mond und die Nacht und bringt mit diesem Yin
verschiedene Qualitäten, wie z. B. Dunkelheit, Ruhe und Weiblichkeit, in Verbindung. Als Yang definierte der
Philosoph u. a. den Tag und das Feuer und brachte mit ihm z. B. die Qualitäten der Hitze, Männlichkeit und Bewegung
in Zusammenhang. Durch diese Bestimmungen erhielt alles und jeder seinen Platz und seine Funktion im Kosmos. In
jedem Yin befindet sich nach Auffassung dieser Theorien ein kleines Stückchen Yang, während sich in jedem Yang auch
ein kleines Stückchen Yin wiederfindet. Dies bedeutet, dass in jedem Licht auch ein wenig Schatten, in jeder
Weiblichkeit ein wenig Männlichkeit, in jeder Nacht ein wenig Tag und in jeder Kälte auch ein wenig Hitze zu finden
ist. Nach diesem Prinzip funktionieren auch die einzelnen Heilmethoden der TCM. Wer sich z. B. hauptsächlich durch
die Ernährungstherapie der TCM heilen will, nimmt ein Nahrungsmittel zu sich und gleichzeitig eine darin enthaltene
Qualität, man nimmt also ein Yin zu sich und gleichzeitig ein Yang und schafft im Körper einen Ausgleich des
Yin-Yang-Verhältnisses, um seine Qi-Blockaden zu lösen und zu beseitigen. Ebenso funktionieren die
Bewegungsmethoden, die die TCM vorsehen, wie z. B. das Qigong oder Tai Chi. Mit langsamen Bewegungen werden
Körperbereiche, die dem Yin zugeordnet werden, mit Körperteilen, die dem Yang zugeordnet werden, zusammengeführt.
Dadurch entsteht ein bestimmter Rhythmus im Körper, durch den das Yin-Yang-Verhältnis ausgeglichen wird. Dies muss
geschehen, um Disharmonie zu vermeiden, da diese innere Unruhe und Rastlosigkeit zur Folge hat. Qigong und Tai Chi
verhindern diese innere Unruhe.
Lao Tse ging davon aus, dass Dinge nicht geschaffen werden, sondern dass sie sich aus ihrer Selbst heraus durch das
gleichmäßige Wirken von Yin und Yang erschaffen. Er und seine Anhänger waren nicht darum bemüht, herauszufinden,
wie Dinge und Ereignisse geschehen oder aufgebaut sind, sondern versuchte diese Dinge und Ereignisse in ein Ganzes
einzuordnen und als Teil dieses Ganzen zu verstehen und möglichst dezidiert wahrzunehmen.
Die Schulmedizin zweifelt die Wirksamkeit der TCM an, da die Methoden mehrheitlich nicht wissenschaftlich zu
erfassen sind und nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen fußen. Aus diesem Grund unterstellen sie dieser Form der
Medizin im Falle der Wirksamkeit lediglich einen Placeboeffekt. Die Heilung eines kranken Körpers durch die TCM
geht im Wesentlichen also auf den Glauben an diese Zurück und auf die Gefühle der Kranken, die sich die
Heilmethoden aneignen. Dennoch kann sie in vielen Fällen sehr wirksam sein und ist in einigen Fällen eine
überlegenswerte Variante zur klassischen Schulmedizin.
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