Hydrotherapie - Die Wasserheilkunde[ADSENSE_0000000181]
Die Hydrotherapie bezeichnet die methodische, naturheilkundliche Anwendung von Wasser zur Behandlung
vielfältiger akuter wie chronischer Beschwerden und Erkrankungen.
Weitere Aspekte bilden die Abhärtung, sprich eine grundlegende Stabilisierung von Körperfunktionen sowie
Prävention, Rehabilitation und Regeneration. Die Hydrotherapie bedient sich hier des wassereigenen Temperatur-Reizes; Wasserdruck und –auftrieb sind für die
Therapie weniger von Bedeutung.
Dabei macht man sich Wasser in seinen verschiedenen Aggregatzuständen zu nutze: Ob als Dampf, kaltes, lauwarmes
oder warmes Wasser oder in Form von Eis. Als kalt gelten dabei alle Anwendungen unter 33 Grad, Wassertemperaturen
von mehr als 38 Grad als heiß.
Entsprechend Basis-Formen der Anwendung sind Saunagänge und Dampfbäder, kalte und warme Güsse, Waschungen, Wickel und Kompressen,
sowie Teilbäder und Vollbäder, die durch spezielle Zusätze ergänzt werden
können.
Ein breites Anwendungsspektrum
Die Hydrotherapie-Anwendungen nach Pfarrer Kneipp haben längst die Kureinrichtungen verlassen und ihren Platz in
vielen städtischen Parks und Anlagen gefunden: Kneippsches Wassertreten im bis zum Knie reichenden, kalten Wasser
erfreut sich nach wie vor außerordentlicher Beliebtheit bei allen Generationen.
Auch Kneippsche (Flach-)Güsse, bei denen ein leichter Wasserstrahl Arme, Beine und Rücken, aber auch Gesicht
oder den gesamten Körper erfrischend verwöhnt, aber auch intensive Druckstrahl- und Blitzgüsse mit bis zu drei Bar
gehören zum Anwendungsbereich der Hydrotherapie.
Spezielle Abreibungen arbeiten mit feuchten Tüchern: Sie werden auf die betroffenen Körperstellen aufgelegt und
zur Durchblutungsanregung abgerieben. Größere Packungen, die als feuchte Innentücher mehr als die Hälfte des
Körpers bedecken können, werden mit trockenen Innen- und Außentüchern abgedeckt.
Bewegungsbäder dagegen laden vor allem Patienten mit Wirbelsäulen-Problemen zu aktiver Mitwirkung ein: Unter
Anleitung führen sie wassergymnastische Übungen aus, die von Unterwasser-Druckstrahlmassagen begleitet werden
können.
Teilbäder hingegen widmen sich ausschließlich Armen oder Beinen, die in kaltem oder warmem Wasser stimuliert
werden. Kalte Armbäder lindern nervöse Herzbeschwerden und erzielen bei Hypertonie gute Erfolge; warme bzw. heiße
Armbäder bei Wassertemperaturen um 37 Grad bzw. bis zu 42 Grad helfen bei rheumatischen Erkrankungen und regen
gleichzeitig die Durchblutung an.
Bürstenbäder massieren den Körper, Stangerbäder fördern über leichte Stromreize die Durchblutung und wirken
schmerzlindernd.
Viele Patienten empfinden Sauna-Anwendungen mit heißem (zuweilen mit Kräuterzusätzen veredeltem) Wasserdampf als
sehr angenehm, - und suchen entsprechend häufig das türkisches Dampfbad (Hammam) auf.
Vielfältige Wirkungen der Hydrotherapie
Kaltwasseranwendungen sorgen für eine lokale Vasokonstriktion, ein Zusammenziehen der Gefäße der Haut, auf die
eine Vasodilation, eine Gefäßerweiterung mit reaktiver Erwärmung, folgt. Bei akuten Entzündungsprozessen tritt eine
analgetische (schmerzstillende) wie antiphlogistische (entzündungshemmende) Wirkung ein. Kreislauf und Atemfunktion
werden angeregt.
Warmwasseranwendungen sorgen lediglich für eine Dilatation der Gefäße der Haut und damit zur besseren
Durchblutung der Muskulatur.
Therapie mit Tradition
Wasseranwendungen und Badekuren sind keine Erfindung der Neuzeit; bereits in der Antike suchte man öffentliche
Bäder auf, um zusammen zu kommen und zu entspannen. Der Römer Antonius Musa soll im Jahre 23 v. Chr. sogar Kaiser
Augustus mit kalten Güssen und Bädern behandelt haben.
Als einer der deutschen Begründer der Hydrotherapie gilt der schlesische Mediziner Siegmund Hahn (1664-1742). Viele
spätere Erkenntnisse von Sebastian
Kneipp (1821-1897) gründen auf Hahns Behandlungserfahrungen im Rahmen der Wassertherapie.
Kneipp erprobte seine Kaltwasserbehandlungen im Selbstversuch, indem er seine eigene Tuberkulose-Erkrankung mit
Bädern in der Donau therapierte. Entsprechend behandelte Kneipp etliche an der Lunge erkrankte Patienten mit
Obergüssen und Brustgüssen zur Schleimlösung und Kräftigung der körpereigenen Immunabwehr. Hydrotherapeutische
Behandlungen werden bei Kneipp durch den Einsatz ausgewählter Heilpflanzen begleitet.
Auch der Erfolg der so genannten Wasserdoktoren wie Wilhelm Petri, Bad Laubach, des Mecklenburger August
Friedrich Erfurth sowie des Josef Schindler aus Böhmen sprach sich schnell herum: Allen gemeinsam war
die Annahme, dass körperliche Untätigkeit und Verweichlichung früher oder später zu Erkrankungen führen müsse:
Rechtzeitige Abhärtung sollte dem prophylaktisch oder heilend entgegenwirken.
Karl Friedrich Ferdinand Runge (1835-1882) begründete zu diesem Zweck eine eigene Wasserheilanstalt in
Nassau, Lahn, während der österreichische Kurarzt Wilhelm Winternitz 1899 den ersten Lehrstuhl für Hydrotherapie an
der Universität Wien bekleidete.
Mehr als eine Empfehlung - Moderne Badekuren
Badekuren müssen über den Arzt bei der Krankenkasse beantragt werden. Sie gehören zu den meist verordneten
Kuren. Die mechanischen, thermischen und chemischen Eigenschaften und Wirkungen von Heilwässern sind allgemein
anerkannt. Je ungesünder die Lebensweise, desto länger benötigt der Körper, um sich zu regenerieren: Weniger als
drei Wochen sollte eine Badekur daher nicht dauern.
Je nach Körperverfassung werden etwa dreimal wöchentlich Bäder angeordnet. Eine Badekur nimmt sehr positiven
Einfluss auf Blutzirkulation, Wärmehaushalt, Stoffwechsel und Atmung. Zusätzlich entlastet der Wasserauftrieb
Beingelenke und Wirbelsäule. Außerhalb des Wassers nicht machbare Bewegungen werden im Wasser möglich.
Unterwassergymnastik gegen den Wasserwiderstand kräftigt die Muskulatur. Inhaltsstoffe des Heilwassers wie
Kohlensäure, Jod, Schwefel, Moor und Radon helfen nicht nur bei Rheuma und Bechterewscher Krankheit, sondern
entfalten zudem bei Frauenleiden und vielen chronischen Erkrankungen ihre heilende Wirkung.
Kureinrichtungen wie Schwefel-Thermalbäder sind zwar auch Freizeiteinrichtungen, - dennoch sollten Sie die
vorgegebene Badezeit von etwa fünfzehn Minuten nicht deutlich überschreiten. Auch ganz wichtig: Gönnen Sie Ihrem
Körper ein wenig Ruhe, bevor Sie das Bad wieder verlassen.
Und vergessen Sie nicht: Jeder Kurerfolg hängt zuletzt von der inneren Einstellung ab. Nicht
nur die Anwendungen selbst, auch Erfahrungen wie Abstand zur Alltagsroutine und ein Überdenken der eigenen
Lebensweise und Situation tragen entscheidend zum Gelingen Ihres Kuraufenthalts bei.
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