Schröpfen: auch eine Art Reflexzonen- Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Schröpf-Therapie dient der Durchblutungsförderung und der Ableitung schädlicher Flüssigkeiten. Diese Grund-Effekte lindern Schmerzen und lösen Verspannungen, sollen aber auch Entzündungen bekämpfen und innere Organe aktivieren können.

Die Schröpf-Technik ist mindestens 4.000 Jahre alt und erstmalig für das antike Mesopotamien belegt. Von dort aus fand die Therapie Einzug in die Traditionelle Chinesischen Medizin (TCM) und die alte griechisch-römische Heilkunde. Auch im Mittelalter war das Schröpfen eine gängige Behandlung.

Beim Schröpfen appliziert der Therapeut einen Unterdruck auf ausgewählte Haut-Areale, die im Schröpf-Gefäß angesaugt werden. Traditionelle Schröpfgefäße sind kugelige Gläser, in denen der Unterdruck erzeugt wird. Dazu erwärmt der Behandler die Luft, indem er einige Tropfen Spiritus oder einen Wattebausch im Schröpfglas entzündet. Die erhitzte Luft dehnt sich aus und das Gefäß wird mit der offenen Seite auf die Haut gestülpt.

Beim Abkühlen verringert sich das Luft-Volumen wieder und erzeugt einen Unterdruck, der die Haut ansaugt. Alternativ zur thermischen Unterdruckerzeugung gibt es heute Schröpfgläser mit Luftabsaugpumpen, die aus einem Gummibalg bestehen und manchmal auch elektrisch betrieben werden können.

Bei der traditionellen Methode sucht der Therapeut durch Abtasten die Stellen am Rücken oder an den Gelenken, die punktuell behandelt werden sollen. Dabei entdeckt er Myogelosen, die als Muskelverhärtungen Blockaden verursachen. Die Schröpfung wirkt hier am Ort der Anwendung durch Anregung der Mikrozirkulation und der Sauerstoffversorgung. Dabei strömt auch Gewebsflüssigkeit aus dem Bindegewebe heraus und rote Blutkörperchen entweichen aus den Unterhautkapillaren. Dadurch werden lokale Zusammenballungen der roten Blutkörperchen („Sludge“) aufgelöst. Die aus den Gefäßen ausgetretenen Erythrozyten bilden ein kreisrundes Hämatom, das nach wenigen Tagen verschwindet.

Die Auswahl der behandelten Stellen folgt nicht nur dem Prinzip der lokalen Wirkung. Denn jedes topografische Hautareal („Dermatom“) spiegelt ein bestimmtes inneres Organ wider. Diese Annahme von Reflex-Zonen kennen wir auch aus der Akupunktur. Die moderne Medizin spricht von „Head-Zonen“ die über nervöse Verknüpfungen auf bestimmte Organe wirken. Dies kommt wahrscheinlich dadurch zustande, dass Wahrnehmungen aus der Haut in denselben Spinal-Nerven zum Gehirn geleitet werden wie die Sinnesreize innerer Organe. Die zerebrale Verarbeitung scheint dadurch Rückwirkungen vom Dermatom (Head-Zone) zu einem bestimmten Organ auszuüben.

Beim Schröpfen nutzen Therapeuten diese Head-Zonen um heilsame Wirkungen auf Organe zu erzielen. Eine etwas abgewandelte Methode ist die Schröpf-Massage. Dabei streicht der Therapeut mit dem aufgesetzten Schröpfkopf über die eingefettete Haut des Rückens. Der Effekt ist intensiver als bei „normalen“ Massagen. Eine moderne Entwicklung ist das elektromechanisch generierte pulsierende Schröpfen. Hier wird der Unterdruck in Stoßwellen mit einer Frequenz von 200/Minute appliziert.  

Eine andere Sonderform der Therapie ist das blutige Schröpfen. Hier wird die Haut vor der Behandlung mit einer Einmal-Lanzette mehrfach leicht eingeritzt. Die geschröpfte Flüssigkeit ist dann mehr oder weniger blutig. Diese Variante dient ausschließlich der Behandlung hochakuter Schmerzzustände und der Lösung lokaler Verhärtungen, die mit Füllezuständen verbunden sind. Diese Technik beruht vor allem auf der entschlackenden Wirkung. Das blutige Schröpfen wird manchmal mit der Blutegel-Behandlung verglichen. Die Ektoparasiten bewirken freilich noch etwas mehr: Sie injizieren ein Gemisch aus Polypeptiden, die als Antikoagulantien die Blutgerinnung hemmen.

Die Wirkung der etwa 10 bis 15 Minuten dauernden Schröpf-Therapie ist wissenschaftlich untersucht. So konnte in Studie gezeigt werden, dass die Behandlung Schmerzen bei orthopädischen und neurologischen Krankheiten deutlich senken konnte (Medical-Tribune). Eine andere Untersuchung belegt die Wirksamkeit des blutigen Schröpfens auch für Motilitäts-Einschränkungen (Carstens-Stiftung).     

Bei diesen Beschwerden empfiehlt sich das Schröpfen:

  • Chronische Schwächezustände
  • Narben
  • Chronische und akute Wirbelsäulen- und andere
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelverspannungen
  • Bechterew-Krankheit
  • Karpaltunnel-Syndrom
  • Niedriger und zu hoher Blutdruck
  • Durchblutungsstörungen
  • Oberbaucherkrankungen
  • Funktionelle Herzbeschwerden
  • Bronchialinfekte
  • Verdauungsschwäche
  • Depressionen

Das Schröpfen ist auch ein hervorragender Einstieg in eine tiefgehende Regulationstherapie wie z. B. die Akupunktur und die Homöopathie. Diese wirken wesentlich besser, wenn „Schlacken-Deponien“ und dadurch bedingte energetische Blockaden vorher aufgelöst wurden. Es gibt Hinweise darauf, dass eine Schröpfkur auch die Bildung von Zytokinen fördert. Diese Polypeptide sind Hormone, die von den Leukozyten gebildet werden und für die Immun-Reaktion Bedeutung haben.

Darauf wird der entzündungshemmende Effekt der Therapie zurückgeführt. Verletzte, entzündete und frisch bestrahlte (auch Sonnenbrand) Hautareale dürfen nicht geschröpft werden. Patienten, die Gerinnungshemmer nehmen, sollten die Behandlung ebenfalls nicht durchführen lassen, weil erhebliche Einblutungen ins Gewebe zu erwarten wären. Zu berücksichtigen ist auch, dass sich eventuell bestehende infektiöse Dermatosen weiter verbreiten könnten. Durch das Schröpfen kann es zu einem Blutdruckabfall kommen. Sie sollten daher nach der Behandlung ca. 10 Minuten ruhen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 15.08.2016 aktualisiert