Chemotherapie - eine Therapie, die keine
ist?
Chemotherapie ist ein entsetzliches Wort, da es eng assoziiert ist mit der Behandlung von Krebserkrankungen. Und
Krebs ist eine Krankheit, die selbst viel Leid mit sich bringt und lebensgefährlich
ist.
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Aber die Chemotherapie steht der Krankheit, gegen die sie ja eigentlich gerichtet ist, in diesen Punkten kaum
nach. Dafür kommt jetzt die knüppeldicke Nachricht, dass die Standardtherapie bei Krebserkrankungen vielleicht gar
nicht so wirksam ist wie man uns es Jahrzehnte lang hat weiß machen wollen.
Was ist los?
Die neuesten Forschungsergebnisse lassen verlauten, dass möglicherweise die Chemotherapie nicht der Stein der
Weisen bei der Behandlung von Krebserkrankungen ist, da die behandelten Krebszellen sowieso im Begriff sind,
abzusterben.
Hierzu gibt es u.a. eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2011 in der Fachzeitschrift „Science“ vom Dana-Farber
Cancer Institut in Boston (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22033517).
Die Forscher fanden heraus, dass Krebszellen, die kurz vor der Apoptose (der natürliche Zelltod) stehen,
deutlich besser auf Chemotherapeutika ansprechen als solche, die noch weit von diesem Stadium entfernt sind. Daraus
lässt sich ableiten, dass eine Chemotherapie weniger effektiv bzw. sogar wirkungslos ist, wenn Tumorzellen
behandelt werden, die noch weit vom natürlichen Zelltod entfernt sind.
Bestenfalls könnte eine Chemotherapie nur den natürlichen Prozess der Apoptose beschleunigen. Denn die Apoptose
ist ein Schutzmechanismus jeder gesunden Zelle gegen Entartungen, die allerdings bei Krebserkrankungen außer
Gefecht gesetzt worden ist.
Um zu diesen „kühnen“ Behauptungen zu gelangen, benutzten die Forscher eine Technik, die sie
„BH3-Profilierung“ nannten. Denn die Forscher des Dana-Farber Teams hatten zuvor entdeckt, dass es
möglich ist, zu messen, wie nahe eine Zelle an dem Schwellenwert ist, der eine Apoptose auslöst.
Diese Technik benutzt Protein-Untereinheiten, die als BH3-Peptide bekannt sind. Sie gehören zu einer Familie von
Proteinen, die einen entscheidenden Einfluss auf die Auslösung oder Verhinderung der Apoptose haben. Indem man
jetzt Zellstämme mit BH3 in Kontakt gebracht hatte, beobachtete man, wie viel BH3 nötig war, um eine Apoptose
auszulösen. Die Zellen, die die geringsten Mengen an BH3 benötigten, waren Zellen, die für die Apoptose schon
vorgezeichnet waren.
In der zitierten Studie benutzten die Forscher erstmalig diese Technik bei Myelomzellen von Patienten, die sich
auf eine Chemotherapie vorbereiteten.
Ein multiples Myelom, auch als Plasmozytom bekannt, ist eine Krebserkrankung des Knochenmarks, wo vor allem die
Plasmazellen betroffen sind. Die Resultate dieser Arbeit zeigten eine starke Korrelation zwischen den Krebszellen,
die für die Apoptose besonders vorgezeichnet waren, und denen, die für eine Chemotherapie sehr empfänglich waren.
Die Forscher benutzten dann die Profilierungstechnik, um eine Reihe von anderen Tumorarten zu studieren, die von 85
verschiedenen Patienten stammten. Dies waren multiples Myelom, verschiedene Formen der Leukämie und Eierstockkrebs.
In allen Fällen fanden sie den gleichen Zusammenhang: die Chemotherapie war dann besonders wirksam, wenn die
Tumorzellen kurz vor der Apoptose standen bzw. für diese vorgezeichnet waren.
Und was jetzt?
Wie es aussieht, besteht der dringende Verdacht, dass die schulmedizinische Praxis in der Behandlung von
Krebserkrankungen sich einem Umdenkprozess unterziehen muss oder sollte. Denn diese Befunde nagen am
konventionellen Verständnis, wie eine Chemotherapie funktioniert.
Die althergebrachte Ansicht ist, dass die Chemotherapie auf schnell wachsende Zellen Einfluss nimmt, wie die
Krebszellen z.B. Aber die neuen Ergebnisse zeigen, dass die Chemotherapie Krebszellen ins Visier nimmt, die sowieso
bald absterben werden. Bei nicht vorgezeichneten Krebszellen hat sie möglicherweise keine signifikante
Wirksamkeit.
Diese Entdeckung macht es den Therapeuten auch möglich, vorherzusagen, welche Krebspatienten auf eine
Chemotherapie ansprechen und welche nicht. Man würde zwar die Chemotherapie optimieren, indem ihr Einsatz die
Apoptose schneller herbeiführen kann. Allerdings muss man sich gleichzeitig die Frage stellen, ob es sich hier nur
um einen Zeitgewinn handelt oder ob das gesamte Konzept in Frage zu stellen ist. Denn wenn es sich nur um einen
Zeitgewinn handelt, dann stellt sich die Frage, ob die damit verbundenen Nebenwirkungen, die nicht selten
drastischer Natur sind, diesen minimalen Vorteil rechtfertigen.
Wenn der Krebs von alleine verschwindet
Im Moment ist es noch zu früh, um diese Frage definitiv beantworten zu können. Denn immer mehr wissenschaftliche
Arbeiten zeigen, dass Krebs auch spontan ausheilen kann.
Es gibt da eine Studie mit 83 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom, die nicht behandelt worden waren. Die Forscher
der Stanford Universität berichteten, dass 19 (entspricht 23 %) Patienten eine spontane Regression von ihrem Leiden
erfuhren (N Engl J Med, 1984; 311: 1471 C5).
Erst neulich beobachteten die Forscher am Norwegian Institute of Public Health in Oslo zwei Gruppen von Frauen,
die beide ein vergleichbares Gesundheitsprofil hatten und die ersten Zeichen von Brustkrebs.
Eine Gruppe wurde jedes zweite Jahr per Mammographie beobachtet, von 1996 bis 2001. Die andere Gruppe wurde nur
einmal am Ende der Studienzeit untersucht. Nach Ausschluss aller Störfaktoren, wie z.B. die Fälle von duktalem
Karzinom in situ (Veränderungen in den Milchgängen der Brust), der als Krebs angesehen wird, obwohl er keiner ist,
zeigte sich eine Häufigkeit von Brustkrebs in der ersten, regelmäßig untersuchten
Gruppe, die 22 Prozent höher ausfiel als in der Gruppe mit nur einer Abschlussuntersuchung.
Die Forscher schlossen daraus, dass, weil die Inzidenz von Brustkrebs bei nicht regelmäßig untersuchten Frauen
nie an die von regelmäßig untersuchten Frauen reichte, einige der Fälle von Brustkrebs in der regelmäßigen
Untersuchung gesehen werden, aber nach 6 Jahren verschwunden sind und so von einer Einmaluntersuchung nicht erfasst
werden (Arch Intern Med, 2008; 168:2311¨C6).
Wenn man solche Interpretationen ablehnt, dann bliebe als einzige Möglichkeit der Erklärung, dass die
Mammographie selbst zu einer Erhöhung der Inzidenz beiträgt. Aber das ist ein anderes Thema.
Eine andere Studie vermutet, dass das Neuroblastom, eine häufigere Krebsform bei Kindern, die die Nebennieren
befällt, ebenfalls spontan ausheilen kann. Ärzte im Saitama Kinderkrankenhaus in Iwatsuki, Japan, warteten und
beobachteten 11 sechs-Monate-alte Babys mit Neuroblastom im Stadium 1 und 2, dem Frühstadium, und Tumoren mit einem
Durchmesser von weniger als 5 cm. Nach 6 Monaten passiver Beobachtung hatten sich alle Tumore verkleinert, obwohl
in keinem Fall der Tumor vollkommen verschwunden war. Aufgrund dieser Beobachtung resumierten die Forscher, dass
spontane Regressionen nicht so selten sind wie angenommen (J Clin Oncol, 1998; 16:1265¨C9).
Und dies sind nur einige wenige Beispiele für spontane Regressionen von Krebserkrankungen in der medizinischen
Literatur. Bislang weiß niemand, wie diese zustande kommen. Aber das Phänomen wurde im Zusammenhang gesehen mit
fiebererzeugenden Infektionen, wie sie von Viren, Pilzen und Bakterien verursacht werden (Indian J Cancer, 2011;
48: 246¨C51). Dies zeigt zwar, dass der menschliche Organismus in der Lage ist, bis zu einem gewissen Grad
Krebserkrankungen selbst zu bekämpfen, aber niemand weiß, wie oft dies passiert. Ein Grund für dieses Unwissen ist
auch die Tatsache, dass ein einmal entdeckter Krebs sofort therapiert wird.
Die Häufigkeit von spontanen Regressionen wird allgemein auf 1:60.000 geschätzt. Es gibt aber Wissenschaftler,
die davon ausgehen, dass die realistischeren Zahlen sich in einem Bereich von 20 bis sogar 100 mal häufiger
bewegen. Das wäre also 1:3000 bis 1:600 (O’Regan B, Hirshberg C. Spontaneous Remission: An Annotated Bibliography.
Petaluma, CA: Institute of Noetic Sciences, 1993).
Die Chemotherapie zum zweiten
Wenn man sich die Dana-Farber-Arbeit unter diesen Aspekten anschaut, dann könnte man auf den dummen Gedanken
kommen, dass die Schulmedizin sich hier mal wieder mit fremden Federn schmückt.
Man wartet auf den Zeitpunkt, wo die Krebszellen von selbst absterben, schreitet kurz zuvor als Retter und
Erlöser ein und behauptet, man selbst hätte die üble Krankheit in die Knie gezwungen. Das hört sich doch nach einem
bekannten Taschenspielertrick an. Oder soll ich sagen: Quacksalberei? Ich weiß, das ist Provokation pur. Aber nicht
ich habe diese Fragen aufgeworfen.
Dieses Thema kommt vom Dana-Farber-Institut, das nicht unbedingt an Unbekanntheit leidet. Der Fairness halber
muss man aber zugestehen, dass man nicht 100-prozentig ausschließen kann, dass nicht doch Zellen von der
Chemotherapie in den Tod getrieben werden bzw. ohne diese überleben würden. Bei dieser Frage steht die Wissenschaft
noch am Anfang.
Es wird aber auch in einem so frühen Stadium der Erkenntnis und mit noch so großen Wissenslücken schon sehr
deutlich, dass die Chemotherapie bei einer signifikanten Anzahl von Patienten schlicht und ergreifend unwirksam
ist. Diese Patienten dann mit diesen Medikamenten zu traktieren macht nicht nur keinen Sinn, es ist auch vom
ethischen Standpunkt nicht zu vertreten. Oder ist der Eid des Hippopotamus nur Makulatur? Immerhin bietet sich
jetzt die Chance, eine individualisierte Therapie einzuleiten und Nebenwirkungen von denen fernzuhalten, die für
eine Chemotherapie nicht in Frage kommen.
Die X-Files der Schulmedizin
Die Chemotherapie: Geringe Wirkung bei hohen Risiken.
Der Krebsspezialist Dr. Ulrich Abel führte eine Metaanalyse von Studien durch, in der er die Heilungserfolge der
Chemotherapie bei fortgeschrittenem Krebs untersuchte. Er kam zu dem Schluss, dass, von Lungenkrebs und Eierstockkrebs abgesehen, es keinen
direkten Beweis gibt, dass die Chemotherapie in der Lage wäre, die Überlebensrate der Betroffenen zu verlängern
(Biomed Pharmacother, 1992; 46: 439¨C52).
Aber die Schlussfolgerung liegt jetzt bereits 20 Jahre zurück. Unlängst bewerteten australische Forscher den
Nutzen der Chemotherapie bei der Behandlung von häufigen Krebsformen. Sie konnten zeigen, dass der Beitrag der
Chemotherapie für eine verlängerte Überlebenszeit nur schlappe 2 Prozent ausmacht. Nur 13 von 22 Krebsformen
zeigten Verbesserungen der 5-Jahresüberlebensrate. Die Verbesserung von mehr als 10 Prozent war nur bei 3 der 13
Krebsformen gegeben.
“Despite the early claims of chemotherapy as the panacea for curing all cancers, the impact of cytotoxic
chemotherapy is limited to small subgroups of patients and mostly occurs in the less common malignancies,” the
researchers concluded (Clin Oncol [R Coll
Radiol], 2004; 16: 549¨C60).
Übersetzt: Trotz der früheren Behauptungen, dass die Chemotherapie als das Allheilmittel gegen alle Formen von
Krebserkrankungen anzusehen ist, bleibt die durchschlagende Wirksamkeit einer zytotoxischen Chemotherapie begrenzt
auf kleine Untergruppen von Patienten und kann nur bei weniger häufigen Krebsformen beobachtet werden.
Diese Befunde widersprechen allerdings der Auffassung vieler Patienten, die glauben, dass sie eine Behandlung
bekommen, die signifikant ihre Lebenserwartung und die Chance auf eine Heilung erhöht. Bei einer besseren
Orientierung über diesen Sachverhalt würden mit Sicherheit eine ganze Reihe von ihnen es sich noch einmal
überlegen, ob sie einer solchen Therapie den Zuschlag geben würden, die einen schweren Einschnitt in ihre
Lebensqualität haben wird.
Nebenwirkungen sind nicht nur der bekannte Verlust von Haaren und die Übelkeit. Verheerendere Nebenwirkungen, die vielleicht nicht so
bekannt, aber auch nicht selten sind, sind Schmerzen,
toxische Effekte im Gehirn, die zu Desorientierung, Gedächtnisverlust und Sprechproblemen führen.
Zu genau diesem Thema gibt es nun auch eine interessante Studie, die das schon seit geraumer Zeit beobachtete
Phänomen des „Chemo Hirns“ oder „Chemo Nebels“ beschreibt. In dieser Arbeit zeigten die Autoren, dass die
Auswirkungen der Chemotherapeutika auf das Gehirn so tiefgreifend sein können, dass die behandelten Patienten eine
Reihe von Störungen aufweisen:
Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Probleme mit Multi-Tasking Aufgaben, mit der räumlichen Orientierung
(deutlich häufigeres sich Verlaufen), mit der Wahl der Worte usw. Obwohl die Autoren festhalten mussten, dass nicht
alle Patienten gleich stark von diesen Phänomenen betroffen waren, kann niemand niemandem garantieren, dass er zu
der nebenwirkungsfreien Gruppe im Falle einer Chemotherapie gehören wird.
Aber nicht nur das gehört zu den üblen Folgen einer solchen Therapie. Es kann sogar noch schlimmer
kommen: Auch der vorzeitige Tod ist eine dieser Nebenwirkungen (JAMA, 2008; 299: 2494;Acta Oncol, 2011 Aug
18).

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 09.10.2012 aktualisiert
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