Lebererkrankungen

Leberzirrhose - Entstehung, Verlauf, Therapie

Die Leberzirrhose beschreibt Umwandlungsprozesse der Leber, die zu Narbenbildungen und letztendlich zu einer Schrumpfung des Organs mit weitreichenden Folgen führen.

von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

Die gesunde Leber übernimmt im Organismus eine Vielzahl an Aufgaben. Sie unterstützt den Stoffwechsel und den Blutkreislauf, dient als Kohlenhydratspeicher, hilft bei der Verdauung, reinigt das Blut und produziert die für die Fettverdauung notwendige Gallenflüssigkeit. Sind diese Funktionen gestört oder reduziert, wirkt sich dies auf alle Körperfunktionen aus. Die erkrankte Leber versagt ihren Dienst, das dadurch verursachte Leberkoma ist gefürchtet und verläuft tödlich.

In der Bundesrepublik leiden nahezu 400.000 Menschen an einer Leberzirrhose, die Inzidenz liegt bei ca. 250 pro 100.000 Einwohner. Dabei ist der Hauptanteil (über 50 Prozent) auf einen Alkoholmissbrauch zurückzuführen. Die Erkrankung zeigt sich wesentlich häufiger bei Männern, wobei in den letzten Jahren aber auch bei Frauen einer deutliche Zunahme der Erkrankungsfälle zu verzeichnen ist.

Neben Alkohol, der v.a. zu einer Fettleber führt, verursachen auch Hepatitis B und Hepatitis C (zweithäufigste Ursache, ca. 30 Prozent) eine Leberzirrhose. Daneben können auch Stoffwechselerkrankungen (z.B. Wilson-Krankheit), Gallenstörungen (z.B. sklerosierende Cholangitis), Autoimmunerkrankungen, Eisen-Kupfer- und Fettstoffwechselstörungen, Tropenkrankheiten (z.B. Cholera), Vergiftungen (z.B. mit Arsen) und bestimmte Medikamente als Ursache genannt werden.

Symptome einer Leberzirrhose

Die Klinik der Leberzirrhose weist unterschiedliche Symptombilder auf. Bei ca. 25 Prozent der Betroffenen zeigen sich kaum oder gar keine Anzeichen (= latente Zirrhose). Hier wird die Erkrankung erst im weit fortgeschrittenen Verlauf bemerkt. Die manifeste (symptomatische) Leberzirrhose durchläuft zwei Stadien. Das Frühstadium zeigt unspezifische Symptome wie z.B. Appetitlosigkeit, Übelkeit, Leistungsabfall, Müdigkeit, erhöhte Temperatur, unklaren Gewichtsverlust und u.U. Schmerzen in der Leberregion.

Das Spätstadium weist charakteristische Anzeichen auf. Die Haut und die Skleren der Augen (weißer Bereich) verfärben sich gelb (Ikterus), es entwickelt sich ein starker Juckreiz. Die Kleinfingerballen und Handinnenflächen sind rot gefärbt (Palmarerythem), die Fingernägel dagegen weiß. Die feinen Äderchen dicht unter der Haut werden deutlich sichtbar (Spider naevi), schon leichte Stöße oder Druck auf die Haut verursachen Hämatome (blaue Flecken). Die Lippen sind geschwollen und hochrot glänzend. Die Milz ist stark vergrößert und lässt sich unter dem linken Rippenbogen tasten. Der gesamte Hormonhaushalt ist gestört, dies führt u.a. beim Mann zu Potenzproblemen und Bildung einer weiblichen Brust (vermehrter Östrogeneinfluss). Bei der Frau kann die Regel ausbleiben oder häufiger bzw. vermehrt auftreten - Menstruationsstörungen.

Das fortgeschrittene Spätstadium führt zu weiteren Störungen, die sich auch bei der latenten Form zeigen. U.a. entwickeln sich Ösophagusvarizen (Krampfadern in der Speiseröhre), die durch die andauernde Reizung und den erhöhten Druck in den Gefäßen leicht platzen können und so zu unkontrollierten, lebensbedrohlichen Blutungen führen. Die Nierenfunktion ist reduziert, u.U. versagt das Organ vollständig. Hierdurch sammelt sich Gewebewasser im freien Bauchraum (Aszites), wodurch der Unterleib meist stark auftreibt und zu weiteren Problemen führt.

Eine besonders große Gefahr geht von der Entstehung der hepatischen Enzephalopathie (HE) aus, die durch Gifteinschwemmung zu einer Schädigung bestimmter Gehirnzellen und somit zu einer Wesens- und Motorikveränderung des Betroffenen führt. Unbehandelt ist die HE tödlich.

Versagt die Leberfunktion vollständig, kommt es zu einer Ansammlung von Giften im Organismus, der Kreislauf bricht zusammen, das folgende Leberkoma ist (wie bereits oben erwähnt) tödlich.

Diagnose einer Leberzirrhose

Neben der Anamnese und der eingehenden Inspektion erfolgen zur gesicherten Diagnose die Blutuntersuchung (u.a. Leberenzyme, Antikörpernachweis bei Hepatitis) sowie der Einsatz bildgebender Verfahren (z.B. Sonographie). Zum Nachweis einer Gewebeveränderung der Leber wird die Stanzbiopsie genutzt. Eher selten sind der Einsatz von CT oder MRT.

Bei frühzeitiger Diagnose kann bereits die Umstellung der Lebensgewohnheiten eine weitere Schädigung verhindern. Einmal geschädigtes Gewebe kann sich zwar nicht regenerieren, der noch intakte Leberbereich kann dennoch eine ausreichende Funktionalität behalten.
Auslösende Faktoren (z.B. eine Hepatitis) werden mit geeigneten Methoden therapiert.

Auftretende Komplikationen müssen vorrangig behandelt werden. Der erhöhte Druck im Gefäßsystem kann durch blutdrucksenkende Mittel normalisiert werden. Dies verringert die Gefahr von platzenden Gefäßen, v.a. in der Speiseröhre. Das angesammelte Bauchwasser wird abpunktiert, zusätzlich sorgen diuretische Mittel für eine vermehrte Harnaustreibung. Die hepatische Enzephalopathie muss intensivmedizinisch behandelt werden. Eine vernarbte Leber kann leicht entarten (Leberzellkarzinom). Hier richtet sich die Therapie nach vorliegendem Stadium. Bereits fortgeschritten erfolgt eine palliative Behandlung.

Bei besonders schweren Fällen wird die Leber operativ entfernt und durch ein Spenderorgan ersetzt.

Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto höher sind die Überlebenschancen (Fünf-Jahres-Regel). Bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose liegen diese noch bei ca. 50 Prozent, dabei gelten das Leberzellkarzinom (Leberkrebs), Ösophagusvarizen und das akute Leberversagen als häufigste Todesursache.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert

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