Trigeminusneuralgie: Ursachen, Verlauf, Diagnose
Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Die Trigeminusneuralgie beschreibt eine Störung des fünften Hirnnerven (Nervus Trigeminus,
Drillingsnerv), hervorgerufen durch Erkrankung oder Zerstörung, die zu einer schmerzhaften Symptomatik führt.
Neuralgien sind durch Nervenreize ausgelöste Schmerzempfindungen.
Der Nerv entspringt im Winkel zwischen Kleinhirn und Pons (Brücke). Während seines Verlaufs entlang der
Hirnbasis teilt sich der Nerv in drei Äste auf, die für unterschiedliche Leistungen (Empfindungen) des Körpers
verantwortlich sind. Der erste Nervenast versorgt Stirn, Stirnhöhle und Auge. Ein weiteres Bündel ist für die
Sensorik von Wange, Oberkiefer und Zähnen verantwortlich, der dritte Ast leitet Impulse aus dem Unterkiefer zum
Gehirn.
Die Trigeminusneuralgie ist relativ selten und entwickelt sich kaum vor dem 40. Lebensjahr. In
der Bundesrepublik liegt die Inzidenz bei fünf Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Dabei leiden vermehrt Frauen
unter der Schmerzsymptomatik als Männer.
Trigeminusneuralgien lassen sich in klassisch und symptomatisch unterteilen. Die häufiger in Erscheinung
tretende klassische Form ist gekennzeichnet durch sich mit schmerzfreien Intervallen abwechselnde Schmerzattacken. Der Schmerz entwickelt sich durch Druck oder
Quetschung des Nerven, z.B. durch benachbarte Blutgefäße, die sich bei bestimmten Erkrankungen (z.B. Arteriosklerose)
verdicken. Die symptomatische Trigeminusneuralgie führt beim Betroffenen zu stetigen Beschwerden, die während einer
Attacke an Intensität zunehmen. Hier liegt eine Nervenreizung oder –entzündung vor, wie sie unter anderem beim
Neurinom (gutartiger Nerventumor des Gehirns) oder auch bei Multipler Sklerose
entstehen kann.
Die Beschwerden gelten mit als die stärksten Schmerzen, die der Organismus erfahren kann. Bedingt durch die
verschiedenen Nervenausläufer kommt es (hauptsächlich durch Berührung von Stirn, Wange, Lippe, Mund oder Kiefer)
zur ausgeprägten Symptomatik. Hierbei entstehen sehr kurz andauernde (zwischen wenigen Sekunden bis hin zu zwei
Minuten), heftige, stromstoßähnliche, klopfende Schmerzen im Bereich des Schädels. Bei schweren Entzündungsformen
ziehen diese Anzeichen über den gesamten Kopf.
Begleiterscheinungen der Erkrankung sind tränende Augen, Tic-ähnliche Erscheinungen der Gesichtsmuskulatur,
Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit bis hin zum Gewichtsverlust und Flüssigkeitsmangel (bereits das
Öffnen des Mundes kann zu Schmerzen führen). Durch Mangelerscheinungen und Elektrolytverschiebungen des
Körperhaushalts drohen weitreichende Störungen des Organismus.
Die allgemeinen, uncharakteristischen Anzeichen verstärken sich besonders bei der symptomatischen Form. Hier zeigen
sich häufig zusätzlich auch psychische Verstimmungen wie z.B. Depressionen oder Suizidgedanken.
Die Diagnostik ist weit gefächert. Es erfolgt der Ausschluss anderer Erkrankungen (z.B. Zahnentzündungen, Tumoren, Stirnhöhlenvereiterung). Hierzu dienen apparative
Hilfsmittel wie z.B. MRT und CT (die auch der weiteren Diagnostik dienen) sowie die zusätzliche Untersuchung durch
einen HNO- und Zahnarzt, einen Orthopäden (Verspannungsschmerz) und Neurologen. Auch Angiographie, Blut und Liquorpunktat können weitere Erkenntnisse liefern.
Eine gezielte medikamentöse Therapie kann in den meisten Fällen sehr gute Resultate bewirken. Durch
Antiepileptika können neben einer Schmerzreduktion auch die schmerzfreien Intervalle (z.B. auf sechs Monate bis hin
zu einem Jahr) verlängert werden. Bei durch Tumoren oder Erkrankungen wie z.B. der Multiplen Sklerose verursachten Trigeminusneuralgien erfolgt die Therapie hierfür
spezifisch.
Können medikamentös keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt werden und zeigen sich weiterhin Beschwerden, die
die Lebensqualität des Betroffenen stark beeinträchtigen, greift man auf unterschiedliche operative Methoden
zurück. Ziel ist immer die Schmerzausschaltung mit gleichzeitiger Besserung des Allgemeinzustandes. Bei der
mikrovaskulären Dekompression wird ein Polster zwischen Nerv und auslösendem Faktor (z.B. Blutgefäß) platziert,
wodurch der Druck genommen wird.
Gezielte Injektionen (perkutane Thermokoagulation, Alkoholinjektion) können betroffene Nervenfasern zerstören, hier
besteht jedoch die Gefahr, nicht beteiligte Strukturen in Mitleidenschaft zu ziehen.
Die Gamma-Knife-Methode ist ein radiochirurgisches Verfahren, bei dem der betroffene Nerv einmalig
mit einer hohen Strahlendosis behandelt wird.
Die meisten Therapieansätze lindern die Beschwerden, eine vollständige Schmerzausschaltung kann aber nicht
garantiert werden. Gerade die Gefahren der invasiven Methoden können zu einer Verlagerung der Beschwerden
führen.

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