Prostatitis: Ursachen, Verlauf, Diagnose und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Prostata (Vorsteherdrüse) zählt zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes und befindet sich zwischen Harnblase und Beckenboden.

Sie umhüllt den Harnröhrenansatz, ist ungefähr kastaniengroß, hat ein Gewicht von ca. 20 Gramm, und setzt sich aus vielen kleinen Drüsenkörperchen zusammen, die verantwortlich sind für die hormonell gesteuerte Produktion eines milchig-trüben Sekretes. Dieses unterstützt die Beweglichkeit der Spermien und wird zusammen mit der Flüssigkeit der Samendrüsen sowie den Spermien selbst bei einem Samenerguss über die Harnröhre ausgeschieden.

Die Prostata wird durch Ausläufer des Sympathikus und Parasympathikus innerviert und weist ein, in enger Verbindung zur Harnblase stehendes, Blut- und Lymphsystem auf.

Die Prostata ist relativ anfällig für Entzündungen (= Prostatitis). Dies liegt unter anderem an der guten Durchblutung, den vielen Drüsenkörperchen sowie dem Schwellprozess beim Urinieren, der Defäkation oder dem Geschlechtsverkehr. Die Verbindung über die Harnröhre nach außen bietet Keimen und Bakterien eine gute Eintrittspforte. Eine Verengung im Bereich der Harnröhre oder am Harnblasenausgang begünstigt zudem die Entstehung einer Infektion. Ungefähr zehn Prozent der männlichen Bevölkerung erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer Prostatitis, die damit in Verbindung gebrachten Symptome sind bei nahezu der Hälfte aller Männer diagnostizierbar.

Die Prostataentzündung wird unterteilt in eine akute Prostatitis, in eine chronische Prostatitis mit bakteriell und abakteriell verursachten Formen sowie in eine asymptomatische entzündliche Prostatitis.

Die akute Prostatitis scheint wohl immer bakteriell verursacht zu sein, hauptsächlich durch Staphylokokken und gramnegative Bakterien, wie zum Beispiel Escherichia coli (gramnegativ = Färbemethode zur Kennzeichnung von Bakterienstämmen, wobei, vereinfacht erläutert, bei gramnegativen Bakterien die verwendete Farbe nicht haften bleibt). Daneben gelten auch verschiedene Erreger von Geschlechtskrankheiten (zum Beispiel Gonokokken, Chlamydien) als Auslöser bakterieller Entzündungen. Die Infektion erfolgt vorwiegend von außen über die Harnröhre, in seltenen Fällen auch über den Blut- oder Lymphweg sowie durch Metastasen.

Die chronische Prostatitis ist meist Folge einer unzureichend oder nicht behandelten akuten Entzündung, häufig verursacht durch Bakterien wie zum Beispiel Mykoplasmen oder Chlamydien. Daneben können zum Beispiel Steine in der Prostata (Korpora amylacea, verkalkte Ablagerungen des Prostatasekretes) eine chronische Entzündung hervorrufen. Die abakterielle Prostatitis wird auch als chronisches Beckenschmerzsyndrom bezeichnet. Hierbei lassen sich zwei Formen unterteilen, eine mit Entzündungszeichen (abakterielle entzündliche Prostatitis) und eine ohne Entzündungszeichen (abakterielle nicht-entzündliche Prostatitis).

Mit dem Begriff der asymptomatischen entzündlichen Prostatitis werden alle die Entzündungen gekennzeichnet, die ohne sicht- und fühlbare Symptome verlaufen. Eine Diagnose erfolgt meist durch Entzündungszeichen im Sekret oder im Sperma sowie durch eine feingewebliche Untersuchung (Biopsie). Diese Form der Prostatitis bedarf keiner Therapie.

Die abakterielle Prostatitis gilt mit gut 90 Prozent aller Fälle als häufigste Entzündungsform der Prostata. Häufige und typische Symptome einer Prostatitis sind die Algurie (Schmerzen beim Wasserlassen), die Dysurie (erschwertes, meist schmerzhaftes Wasserlassen), Brennen beim Urinieren sowie die Pollakisurie (häufiges Wasserlassen mit nur geringer Ausscheidungsmenge). Es kommt zu Schmerzen in der Leistenregion und am Sakrum (Kreuzbein), einem Druck- oder Spannungsgefühl im Bereich des Afters sowie zu Schmerzen bei der Defäkation und beim Samenerguss. Zusätzlich kann der Urin Blutauflagen aufweisen (Hämaturie). Die akute Prostatitis geht daneben häufig einher mit Fieber, Schüttelfrost, einem allgemeinen Krankheitsgefühl sowie unter Umständen auch einem akuten Harnverhalt (Ischurie).

Bei einer chronischen Prostatitis kann es zusätzlich zu Schmerzen in den Hoden, Blut im Sperma, diffusen Unterbauchbeschwerden, Blasenschmerzen nach dem Urinieren, einem Kältegefühl in der Glans penis (Peniseichel), Erektionsstörungen sowie zum Verlust der Libido kommen. Mit Fortschreiten der Erkrankung können depressive Verstimmungen auftreten. Als Spätkomplikationen gelten die Sekreteindickung, die Konkrementbildung (Festkörper, gebildet durch Ausfällung von in Körperflüssigkeiten gelöste Substanzen = Steine) sowie die Blasenhalsobstruktion (Verengung oder Verschließung).

Der Gang zum Arzt erfolgt meist durch die akuten, zum Teil die Lebensqualität deutlich einschränkenden, Schmerzen und Beschwerden. Neben der Anamnese (Krankengeschichte) und der Inspektion (äußerliche Begutachtung des Körpers) erfolgt vor allem die Palpation (Abtasten) der Prostata über den Enddarm (= digitale rektale Untersuchung). Bei einer akuten Entzündung ist diese teigig weich und reagiert bereits auf leichten Druck mit Schmerzen. Im Urin lassen sich zudem typische Entzündungszeichen (Bakterien, Leukozyten) nachweisen. Zur Abklärung eines möglichen Abszesses kann eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung über den Enddarm zur Prostata) durchgeführt werden, mit der sich neben Eiteransammlungen auch Vergrößerungen darstellen lassen. Dem mikrobiologischen Nachweis dient ein Harnröhrenabstrich. Durch eine Uroflowmetrie kann die Restharnmenge bestimmt werden, die Aufschluss gibt über mögliche anatomische oder funktionelle Störungen.

Die Diagnose der chronischen Prostatitis stellt sich bisweilen als schwierig dar. Nicht immer ist die Prostata bei Palpation druckdolent (schmerzempfindlich bei Druck). Mittels Sonographie können z.B. Kalkansammlungen aufgezeigt werden, die Hinweis geben auf eine Steinbildung. Zum Teil lassen sich Leukozyten in Sperma oder Prostataflüssigkeit nachweisen, daneben erfolgt auch die Auswertung des Blutbildes. Bei negativem Befund folgen weitere Untersuchungen angrenzender Organe und Strukturen. So können u.a. Hämorrhoiden verantwortlich sein für die Beschwerden der Prostata.

Differentialdiagnostisch auszuschließen sind Erkrankungen, die mit einer ähnlichen Symptomatik einhergehen. Hierzu zählen die Prostatodynie (nicht entzündliches, abakterielles, chronisches Schmerzsyndrom des männlichen Beckens), eine Fehlsteuerung des lokalen Nervensystems (u.a. verursacht durch zurückliegende Traumen), die psychogene chronische Verspannung der Beckenbodenmuskulatur, Erkrankungen im Enddarmbereich sowie Tumoren der Harnblase oder der Prostata.

Die Behandlung der Prostatitis richtet sich nach dem jeweiligen Ursprung der Erkrankung. Mittel der Wahl bei einer akuten bakteriellen Form ist die Gabe eines geeigneten Antibiotikums (oral oder i.v.), welches anhand des Antibiogramms ermittelt wird. Daneben werden krampflösende, entzündungshemmende, durchblutungsfördernde und schmerzstillende Präparate verordnet. Zusätzlich unterstützen Bettruhe, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, der Verzicht auf Noxen (Alkohol, Nikotin) sowie die sexuelle Abstinenz für einige Wochen den Heilungsprozess.
Ist die bakteriell verursachte Entzündung bereits fortgeschritten (chronisch), erfordert dies eine über einen längeren Zeitraum (mehrere Monate) andauernde Einnahme von Antibiotika. Bei hoher Rezidivneigung (Entzündung kehrt immer wieder) erfolgt die operative Entfernung des entzündeten Gewebes.

Auch die abakterielle chronische Prostatitis wird medikamentös behandelt. Neben den schmerzstillenden und krampflösenden Mitteln kommen hier vor allem Alpha-1-Blocker (u.a. Wirkstoff zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung und der sexuellen Dysfunktion, verbessert zudem den Urinfluss) und Quercetin (Radikalfänger, antioxidative Wirkung) zum Einsatz.

Als lindernde Maßnahmen bei einer chronischen Prostatitis haben sich u.a. warme Sitzbäder, eine ausreichend warme Kleidung, Muskelentspannungstherapien, leichtes Joggen sowie autogenes Training bewährt. Arzneien auf pflanzlicher Basis (Roggenpollenextrakt, Kürbiskerne) können den Heilungsprozess fördern. Nicht wissenschaftlich belegt ist die Aussage, dass eine regelmäßige Ejakulation sowie die Massage der Prostata dazu beitragen können, den entzündeten Bereich durch die hierdurch u.a. ausgelöste „Spülung“ besser zu reinigen. Die Prostatamassage ist bei der bakteriellen Prostatitis kontraindiziert. Die Gefahr der Bakterienübertragung auf benachbarte Strukturen ist hierbei sehr groß.

Diagnostiziert der behandelnde Arzt einen Abszess, so muss dieser u.U. transurethral (über die Harnröhre) eröffnet bzw. punktiert werden. Sind Prostatasteine verantwortlich für die entzündlichen Prozesse, kann ggf. eine transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) erfolgen.

Präventive Maßnahmen sind u.a. eine gute Hygiene des Intimbereiches, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (um Harnblase und ableitende Harnwege zu spülen), der Schutz des Beckenbodens vor Auskühlung sowie die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr.

Eine akute Prostatitis heilt in den meisten Fällen, unter geeigneter Therapie, vollständig aus. Die Entzündung klingt bereits nach zwei bis drei Wochen ab. Die chronische Form kann sich als sehr hartnäckig und therapieresistent zeigen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 02.02.2016 aktualisiert