Impotenz: Symptome, Ursachen
und Therapien
Im Volksmund wird die erektile Dysfunktion (ED) meist mit den Begriffen Impotenz oder
Potenzstörung bezeichnet.
Hiermit wird das Unvermögen des Mannes beschrieben, eine Erektion zu erlangen oder diese halten zu können, um
den Beischlaf vollziehen zu können, wobei auch die Ejakulation gestört sein kann. Generell verbindet man den
Begriff Impotenz mit dem Mann. Er wird jedoch auch für das sexuelle Unvermögen der Frau verwendet (gestörte
Erregbarkeit, Unfruchtbarkeit).
Störungen sexueller Funktionen sind alltäglich und können jeden Menschen (Mann und Frau) betreffen. In den
meisten Fällen handelt es sich dabei um ein einmaliges Erlebnis. Die erektile Dysfunktion betrifft Männer
unterschiedlicher Altersstufen, die Stärke der Ausprägung variiert dabei und verursacht unter anderem ein Gefühl,
versagt zu haben. Das auftretende Problem besteht dabei über einen längeren Zeitraum (Monate bis Jahre) oder ist
ein irreversibler Dauerzustand.
Den meisten Männern ist es peinlich, über dieses Thema zu sprechen. Nur selten sind sie in der Lage, offen mit
diesem Problem umzugehen und es medizinisch abklären zu lassen. Dabei sind viele der für das Leiden
verantwortlichen Ursachen behandelbar oder können mittels gezielter Therapie gelindert werden.
Genauere Zahlen über die Häufigkeit der Impotenz bei Männern liegen nicht vor. In verschiedenen Studien und
Befragungen versuchen Mediziner aktuell, detailliertere Erkenntnisse zu gewinnen. In jüngeren Lebensjahren ist die
Zahl der Betroffenen eher gering. Die meisten Potenzstörungen lassen sich ab dem 50. Lebensjahr verzeichnen, wo
etwa jeder zweite Mann unter den verschiedenen Symptomen leidet. Mit zunehmendem Alter
steigt diese Rate weiter an.
Arten der Impotenz und deren Symptome
Man unterscheidet generell zwei Formen der Impotenz, die Impotentia coeundi und die
Impotentia generandi.
Bei der Impotentia coeundi ist der Mann in der Lage, eine Erektion aufzubauen, diese jedoch
nicht über den Zeitraum des Geschlechtsverkehrs aufrecht zu halten. Dabei kann es zu einer vorzeitigen oder
verzögerten Ejakulation kommen, in seltenen Fällen bleibt diese auch aus.
Die Impotentia generandi ist gleichbedeutend mit einer Zeugungsunfähigkeit. Zwar kann auch
hierbei eine Erektion erzeugt werden, der ejakulierte Samen beinhaltet jedoch keine Spermien. Die normale Erektion
wird über Reize ausgelöst. Diese führen zu einer Verarbeitung im Gehirn und eine Impulssendung über den
Parasympathikus zum männlichen Glied. Über die Ausschüttung von Botenstoffen erschlafft die Muskulatur der
Schwellkörper und sorgt hierdurch für eine Zunahme der Blutfüllung. Durch Komprimierung der ableitenden Venen wird
das Blut gestaut und führt zu einer anhaltenden Erektion.
Durch verschiedene Ursachen (organbedingt, psychisch oder medikamentös bedingt) ist diese Physiologie bei der
Impotenz gestört. Zu den Organstörungen (die über 70 Prozent aller Ursachen ausmachen) zählen besonders Störungen
und Erkrankungen, die die Blutzirkulation betreffen (verantwortlich für über 30 Prozent aller erektilen
Dysfunktionen). Dies sind z.B. die arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), arteriosklerotische
Veränderungen der Gefäße, die Hyperlipidämie sowie Verletzungen oder Operationen im Bereich des Unterbauches,
des Beckens oder der Wirbelsäule. Auch gestörte Nervenreizleitungen verursachen eine Impotenz.
Diese zeigen sich z.B. bei einem Querschnitt, Bandscheibenvorfall, Wirbel
-Frakturen, Läsionen im
Gehirn, der Multiplen Sklerose
und Morbus Parkinson. Weitere,
organbedingte Ursachen sind der Diabetes
mellitus, Schilddrüsenüberfunktion
und Schilddrüsenunterfunktion,
die zu Hormonstörungen führen, Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen, Prostata, Darmerkrankungen und starkes Übergewicht (Adipositas).
Der Genuss verschiedener Noxen (Nikotin, Alkohol, Drogen) kann sich ebenfalls auf die Potenzfähigkeit auswirken.
Der Einfluss der Psyche auf die sexuelle Erregbarkeit ist nicht gering. Besonders in jüngeren Jahren können der
Alltagsstress (körperliche Tätigkeiten, Leistungsdruck) und persönliche Konflikte (z.B. Partner-schaftsprobleme,
Single-Leben, neue Partnerschaft) zu starken Funktionsbeeinträchtigungen führen. Auch Mobbing, Finanzprobleme,
fehlende sexuelle Orientierung, Depressionen, Ängste oder traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit sind
mögliche Auslöser. Medikamente, die der Behandlung von Kreislaufstörungen, Herzproblemen (siehe auch: Herzkrankheiten), Blutdruck-schwankungen und erhöhten
Cholesterinwerten dienen, können sich auch auf die Sexualfunktion auswirken. Auch kommen Präparate in Frage, die in
den Hormonhaushalt eingreifen, der Entwässerung oder Beruhigung des Magens und Darms dienen, Entzündungen lindern
sowie die Psyche beeinflussen (Beruhigungsmittel, Psychophar-maka).
Anamnese oder Diagnose
Durch die Anamnese versucht der Arzt in taktvoller Weise, auch in den intimen, sehr persönlichen Bereich des
Betroffenen vorzudringen. Nur durch die detaillierte Angabe aller Probleme, möglicher Erkrankungen und
einzunehmender Medikamente kann dieser eine gezielte Therapie erstellen und die Prognose einer Heilung wagen.
Daneben erfolgen die körperliche Untersuchung (auch mit digitaler Austastung), die Auswertung der Vitalzeichen
sowie des Blutbildes, die Nutzung verschiedener Apparate zur Darstellung innerer Organe und Gefäße (Röntgen,
Sonographie, CT, Szintigraphie) sowie die Reizmessung (neuronale Verschaltung). Die Funktionsfähigkeit der
Schwellkörper des Penis wird durch eine Tumeszenzmessung (Tumeszenz = Schwellung, hierbei wird von außen ein
Sexualhormon injiziert, um die Schwellkörper zu füllen und zu messen, wie lange die Schwellung anhält)
ermittelt.

Therapie
Die Behandlung der Erektionsstörung ist von der Ursache abhängig und sollte immer durch einen versierten
Mediziner erfolgen. Angebote im Internet oder illegale Präparaten aus dem Ausland sind absolut vertrauensunwürdig
und können lebensbedrohliche Nebenwirkungen besitzen. Nicht immer deckt sich der Erfolg einer Therapie mit den
Wünschen und Hoffnungen der Betroffenen, es können jedoch Wege und Mittel aufgezeigt werden, die das Leben mit
einer erektilen Dysfunktion erträglicher gestalten.
Vielfach kann durch psychotherapeutische Ansätze die Symptomatik gemildert oder vollständig therapiert werden.
Hierbei dient auch das Erlernen von Entspannungsübungen und Strategien zur Stress-vermeidung bzw.
Stressbewältigung.
Organstörungen lassen sich zum Teil medikamentös oder operativ (z.B. bei Gefäßveränderungen) beheben. Eine
ausgewogene Ernährung, die Reduzierung des Gewichts, Bewegung sowie die Meidung
von Noxen wirken sich positiv auf die Behandlung aus.
Temporäre Hilfen sind z.B. lokal injizierbare Substanzen, die die Schwellung aufrecht erhalten, die Vakuum-Pumpe
(zur Bildung einer Erektion) oder auch die Einnahme verschreibungspflichtiger Präparate (z.B. Viagra®). Ein
Hormonmangel, z.B. von Testosteron, kann durch die Gabe von außen (oral, als Injektion oder in Pflasterform)
ausgeglichen werden.
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