Waschmittel und Weichspüler: Die Probleme sind alles andere als "weich"...

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Waschmittel und Weichspüler finden sich in jedem Haushalt. Gerade auf Waschmittel kann man nicht verzichten. Ein guter Grund die Angebote sorgfältig zu vergleichen und eine wohlüberlegte Kaufentscheidung zu treffen.

In den letzten Jahren wurden bereits viele Anstrengungen unternommen, Waschmittel wie Weichspüler zu verbessern. Dabei lag das Augenmerk lange vor allem auf der Umweltverträglichkeit.

Phosphate gelten als problematisch, da sie das Wasser belasten und schwer abbaubar sind. Daher wurden immer weniger Phosphate in Waschmitteln verwendet.

Auch die in jedem Vollwaschmittel vorhandenen optischen Aufheller sind eine Belastung für Umwelt und Mensch. Sie sorgen für strahlend weiße Wäsche, doch nur durch eine Art optischer Täuschung.

Sauberer wird die Wäsche dadurch nicht. Die optischen Helfer können nur schwer biologisch abgebaut werden. Neben der Umweltbelastung können sie aber auch eine Gesundheitsgefahr darstellen. Bei modernen, wassersparenden Spülgängen der Maschinen können Rückstände der Waschmittel auf Kleidung oder Haut entstehen. Doch ein Aufheller kann bei Sonneneinstrahlung allergische Hautreaktionen hervorrufen. Color- oder Feinwaschmittel kommt ohne Weißmacher aus.

Duftstoffe im Waschmittel

Ein weiteres Problem bei Waschmitteln und Weichspülern sind die vielfach vorhandenen Duftstoffe. Besonders gefährlich sind dabei Moschus-Verbindungen, die immer noch in manchen Produkten zu finden sind und im Verdacht stehen, Krebs auszulösen.

Parfum und Duftstoffe sind auch für die Umwelt eine starke Belastung, da sie schwer abzubauen sind. Ätherische Öle aus Zitrusfrüchten werden als ökologisch angepriesen, doch vergiften sie Wasserorganismen und sind daher keine Alternative.

Duftstoffe, wie zum Beispiel Cinnamylalkohol, können bei Menschen zudem häufig Allergien auslösen. Dennoch wird in den meisten Mitteln nicht auf Parfum verzichtet. Dabei muss nicht jeder Duftstoff auf der Packung deklariert werden und auch hinter der simplen Bezeichnung „Parfum“ kann sich allerhand Ungesundes verbergen.(1)

Besonders bedenklich sind spezielle Zusatz-Parfums, die separat erhältlich sind wie Lenors „Unstoppables“. Die kleinen Kügelchen ähneln Mini-Bonbons und dürfen laut Warnhinweisen des Herstellers nicht in Kinderhände gelangen. Der Giftcocktail aller Varianten des Frische-Surrogats enthält unter anderem das Toxin Trimethylpenten. Die Chemikalie darf niemals in die Umwelt ausgebracht werden, weil sie für Wasser-Organismen hochgiftig ist (2).

Einerseits weist Procter & Gamble darauf hin, dass die Plastik-Dose als Sondermüll entsorgt werden muss. Andererseits betont der Produzent die Sicherheit des überflüssigen Artikels. Riskante Inhaltsstoffe sind auch Aldehyde und Salicylate.             

Als unbedenklich haben sich waschaktive Enzyme in Waschmitteln erwiesen.(2)

Phosphate, optische Aufheller sowie Duftstoffe gehören dagegen laut Bundesumweltamt zu den problematischen Inhaltsstoffen in Waschmitteln.

Doch es kommt noch schlimmer: 

Eine aktuelle Untersuchung in den USA brachte ans Tageslicht, dass Waschmittel und Weichspüler nicht nur das Wasser, sondern auch die Luft erheblich verschmutzen können.

Dieser Aspekt der Produkte war lange gar nicht beachtet worden und daher ebenso wenig Gegenstand von Diskussionen oder Nachbesserungen. Dabei können sogar krebserregende Stoffe in die Atemluft freigesetzt werden und die Art der Luftverschmutzung ist mit der durch Autoabgase vergleichbar. Um festzustellen, wie die Waschmittel- und Weichspülerzusätze die Luft belasten, wurde die Trockner-Abluft zweier Haushaltstrockner auf Rückstände untersucht.

Dabei wurde Wäsche in drei Versuchen getrocknet:

ohne Mittel, mit Waschmitteln mit Duftstoffen gewaschene Wäsche, sowie mit diesen Waschmitteln gewaschene Wäsche und zusätzlich Trocknertücher mit Duftmitteln. In der Abluft fanden die Wissenschaftler 25 verschiedene, flüchtige organische Substanzen, darunter sieben, die als gesundheitsgefährdend gelten, sowie zwei, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Dies waren Acetaldehyd, das gleichzeitig zu den drei am stärksten vorhandenen Substanzen zählte, sowie Benzol.(3)

Die Ergebnisse der Untersuchung sind als vorläufig zu sehen, da es an wissenschaftlichen Standards fehlt und die Datenmenge noch gering ist. So schaffte es der Bericht auch nur in ein international eher wenig beachtetes Journal für Spezialisten. Doch die Ergebnisse sind besorgniserregend.

Acetaldehyd gilt seit langem als potentieller Auslöser von Krebs und ist dennoch in Deutschland nicht nur gängiger Bestandteil von Duftstoffen, sondern sogar als Konservierungs- oder Aromastoff in Lebensmitteln zugelassen. Zudem ist er in Alkohol und Tabakrauch vorhanden und wird für die krebsfördernde Wirkung von Alkohol verantwortlich gemacht (4), wobei schon geringe Mengen reichen. (5) 

Auch für die Symptome übermäßigen Alkoholkonsums, den Kater, ist Acetaldehyd verantwortlich.(6) Nachweislich begünstigt der Stoff Krebs im Verdauungsapparat wie zum Beispiel Magenkrebs und wurde daher 2011 als humankarzinogener Stoff der Gruppe 1 eingeordnet.(7)
 
Dennoch ist er weiterhin in Lebensmitteln und Duftstoffen zu finden und es ist nicht zu erwarten, dass sich dies ändern wird. Allenfalls für Nahrungsmittel könnte in Zukunft ein Grenzwert festgelegt werden.
Der zweite in den Emissionen gefundene krebsauslösende Stoff ist Benzol, dessen krebsförderndes Potential seit langem bekannt und wissenschaftlich gut belegt ist.(8) Es kann bei wiederholter Exposition so unterschiedliche Krebsarten wie Brustkrebs (9) oder Leukämie (10) auslösen, zu Nervenkrankheiten führen (11) und in Knochenmarkszellen Mutationen hervorrufen.(12)

Benzol wird unter anderem für die Synthese waschaktiver Substanzen verwendet, doch darf es in Deutschland pur nur zu einer Konzentration von 0.1% Prozent vorhanden sein; in Treibstoffen ist bis zu einem Prozent erlaubt.

Zu den alarmierenden Ergebnissen der Abluft-Untersuchung passt, dass über 10 % der Amerikaner sich unwohl fühlen, wenn sie Wäscheabluft einatmen. Betrachtet man Asthmakranke und Allergiker liegt der Anteil noch höher.(13)

Eine Studie von Prof. Dr. Anne Steinemann zeigt die ganze Dimension des Problems.  Die Hydrologin von der Stanford University fand in verschiedenen Waschmitteln insgesamt rund 100 toxische Substanzen(15).    

Einige der US-Waschmittel sind auch bei uns mit teilweise anderer Markenbezeichnung im Handel, darunter:

  • Perwoll (Henkel)
  • Persil (Henkel)
  • Tide (Procter&Gamble, in der EU Ariel)
  • Ajax (Colgate-Palmolive, Dynamo, Fab, Softlan, Suavitel)
  • Woolite (Reckitt Benckiser, in der Schweiz)
  • Downy (Procter&Gamble, in Deutschland als Lenor im Handel)
  • Snuggle (Unilever, jetzt Sun, in Deutschland Kuschelweich)

Eine sichere Wahl sind daher parfumfreie Produkte, die durchaus erhältlich sind, denn Duftstoffe sind überflüssig und zudem eine Gefahr für Gesundheit und Umwelt.

Die Drogeriemarktkette dm bietet Kunden Vollwaschmittel, Colorwaschmittel sowie einen Weichspüler ohne Duftstoffe an. Die Waschmittel können ab 30°C verwendet werden. (Denk mit, Ultra Sensitive)

Der Drogeriemarkt Rossmann bietet ebenfalls günstige, parfumfreie Waschmittel der Eigenmarke an. (Domol Color Flüssigwaschmittel sowie Vollwaschmittel Ultra Sensitiv)

Diese werden vom Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. empfohlen und tragen zudem das Ecolabel der EU.

Mit dem Babywaschmittel von Freddy Leck kann man sogar ein Waschmittel ohne Parfum und ohne optische Aufheller finden. Doch Vorsicht, es lauert hier auch Nepp. So vertreibt Procter&Gamble mit Persil Sensitive ein Waschmittel, das auf den ersten Blick frei von Parfum erscheint. Doch hier wird nur auf die 26 Duftstoffe verzichtet, die in Deutschland auf der Packung deklariert werden müssen.

Eine Variante völlig ohne Duftstoffe hätte auf dem Markt keine Kunden angelockt. Eine Inhaltsangabe seiner Waschmittel wollte das Unternehmen auf Anfrage von Ökotest nicht zur Verfügung stellen.(14)

Auch mit ungesetzlichen Preisabsprachen über Vollwaschmittel in der EU war Procter&Gamble schon negativ aufgefallen. Dafür kassierte der Hersteller die Strafe von 211 Millionen Euro.(15)

Unbedenkliche Produkte können auch am Eco-Label erkannt werden. Problematische Stoffe sind in solchen Produkten verboten. Die Inhaltsstoffe müssen zudem leicht biologisch abbaubar oder nur in sehr geringer Konzentration vorhanden sein. Erst wenige Produkte tragen das Siegel, doch sollen es in Zukunft mehr werden.

In Deutschland tragen bislang allein Rei Grüne Kraft Waschmittel sowie Natürlich Dalli das Label. Auf der Homepage von Eco-Label können alle weiteren Produkte gefunden werden, die das Siegel tragen! http://www.eu-ecolabel.de

Um Waschmittelrückstände aus der Wäsche zu entfernen, kann empfindlichen Menschen ein weiterer Spülgang helfen. Zudem sollten alle Mittel sparsam dosiert werden. Im Test der Zeitschrift Ökotest hatte sich ergeben, dass die Anbieter häufig zu großzügige Angaben bei der Dosierung, vor allem für stark verschmutzte Wäsche, machen.

Wer Flecken vorbehandelt und den Waschvorgang der Maschine etwa durch Drücken der Flecken-Taste verlängert, kommt mit weniger Waschmittel aus und erhält dennoch saubere Wäsche. Statt Weichspüler leisten auch natürliche Mittel wie Essig oder Waschnüsse gute Dienste und sind gesundheitlich und ökologisch unbedenklich.

Auf den Einsatz von Ablufttrocknern sollte man lieber ganz verzichten. Sie verschmutzen nicht nur die Luft, sondern sind wahre Stromfresser.

Die sicherste Alternative sind alte Hausmittel

Es gibt zwei erstaunlich einfache und kostengünstige Mittel fürs Wäsche waschen: Weißer Essig und Kochsalz. Die Mischung erspart die Sorge um die Gesundheit und der Umwelt ökologische Belastungen. Und wirksam sind das Mineral und die organische Säure allemal. Die Kombination bekämpft unangenehme Gerüche ursächlich durch ihre Lösungseigenschaften. Synthetische Duftstoffe übertünchen lediglich den nach der Wäsche verbliebenen Schweiß- oder Teergestank von Zigarettenqualm und ähnlichen Emissionen.

Auch Flecken werden mit weißem Essig und Salz in der Waschmaschine beseitigt. Starke Verschmutzungen empfiehlt es sich vorher mit der konzentrierten Lösung kalt einzuweichen.
Weißer Essig und Salz haben den industriellen Waschmitteln sogar eins voraus: Sie wirken antibakteriell und sind damit in puncto Hygiene den teuren Detergenzien überlegen. Das erspart den Energie-intensiven Kochwaschgang oder die 60-Grad-Wäsche.  Die alten Haushaltsmittel ersetzen sogar die Weichspüler und lösen Kalkreste aus der Wäsche gründlicher als die Chelate der „modernen“ Waschpulver.

Allergien, Krebsgefahr, chemische Umweltverseuchung und die Verschmutzung der Ozeane durch Plastik-Granulat (Schmirgelmittel) wären also ganz einfach zu vermeiden! 


1) Ökotest Jahrbuch für 2011, Testberichte; Waschmittel, Vollwaschmittel, Niedrigtemperatur, Kein Wunder oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=96280;bernr=01;co

2) http://www.gifte.de/Chemikalien/2,4,4-trimethyl-1-penten.htm

3) Steinemann et al., Chemical emissions from residential dryer vents during use of fragranced laundry products, Air Quality, Atmosphere and Health, 2011, http://www.springerlink.com/content/a520ttu523333552/

4) Seitz & Stickel, Molecular mechanisms of alcohol-mediated carcinogenesis, Nature Review Cancer, 2007 Aug;7(8):599-612, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17646865

5) Theruvatu et al., Polyamines stimulate the formation of mutagenic 1,N2-propanodeoxyguanosine adducts from acetaldehyde, Nucleic Acids Research, 2005, nar.oxfordjournals.org/content/33/11/3513.abstract

6) Schöbi, Was Kater und Krebs gemeinsam haben, http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/256149.html

7) Salaspuro, Acetaldehyde and gastric cancer, Journal of Digestive Desease, Volume 12, Issue 2, pages 51–59, April 2011, DOI: 10.1111/j.1751-2980.2011.00480.x

8) Rushton et al., How much does benzene contribute to the overall burden of cancer due to occupation?, Chemico Biological Interactions, 2010 Mar 19;184(1-2):290-2, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19914225

9) Costantini et al., Exposure to benzene and risk of breast cancer among shoe factory workers in Italy, Tumori, 2009 Jan-Feb;95(1):8-12, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19366049

10) Sorahan et al., Cancer risks in a historical UK cohort of benzene exposed workers, Occupational and Environmental Medicine, 2005 Apr;62(4):231-6, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15778255

11) Zahid et al., Benzene and dopamine catechol quinones could initiate cancer or neurogenic disease, Free Radical Biology & Medicine

12) Rothman et al., An epidemiologic study of early biologic effects of benzene in Chinese workers, Environmental Health Perspectives, 1996 Dec;104 Suppl 6:1365-70, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9118921

13) Caress & Steinemann, Prevalence of fragrance sensitivity in the American population, Journal of Environmental Health, 2009 Mar;71(7):46-50, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19326669

14) Volatile Emmissions from Common Consumer Products by Steinemann, Air Quality, Atmosphere & Health, March         
       2015 http://www.drsteinemann.com/Articles/Steinemann%202015.pdf 


15) Spiegel online, Procter, Unilever und Co.: Wettbewerbshüter strafen Waschmittel-Kartell ab; 13.04.2011 spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,756818,00.html

16) http://www.eu-ecolabel.de/produkte-anbieter.html?&no_cache=1

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 30.03.2017 aktualisiert