Was mir heute Morgen beim Aufwachen noch einfiel zu dem Thema: Was sind eigentlich Depressionen? Doch eigentlich ein Ausdruck dafür, daß mit dem Leben etwas grundsätzlich schief gelaufen ist, oder?
Bei allen die ich kenne, die Depressionen haben, könnte ich auf Anhieb aus dem Bauchgefühl heraus sagen, warum. Das reicht von einen gewählten Umfeld, daß ihnen nicht gut tut, Abhängigkeit von einem Ehemann mit dem sie nur noch streiten, das Geld, an dem es den meißten immer fehlt (wenn es aber da ist, wird es auch rausgepulvert), bis hin zu den Wechseljahren kinderloser Frauen.
Ich verkneife mir lieber solche Aussagen, die mir auf der Zunge liegen, daß eben jeder Mensch seines eigenen Glückes Schmied ist, weil die, die ich kenne, sich in ihrer selbstgewählten Opferrolle wohl fühlen, und auch ohne diese gar nicht mehr zurecht kämen. Die Aufmerksamkeit der behandelnden Ärzte wird hierbei leider anfänglich mit Fürsorge verwechselt, und kann später ins völlige Gegenteil umschlagen. Meine Bekannte beschimpft derzeit sogar die Ärzte und die eigene Familie. Es wird ein Schuldiger gesucht. Vor zwei Jahren noch hatte sie die Medikamente abgesetzt, weil die Nebenwirkungen enorm sind. Alleine schon, daß, wenn sich der eigene Hormonhaushalt in den Wechseljahren umstellt, und die Medikamente angepaßt werden müßten, schreckt mich sehr ab, und die Schilderungen, daß sie sich oft nur noch auf ihre Körperfunktionen reduziert fühlte, teilweise sogar nur noch auf sexuelles aus war, finde ich gruselig.
Daß die Ärzte immernoch glauben, das Hirn, oder irgendetwas anderes im menschlichen, aber auch tierischem Körper, wäre wie ein Gerät, was sie mit Chemikalien nachjustieren könnten, finde ich eine veraltetete Denkweise.
Ich wünsche jedem Menschen, daß er lernt zuerst für sich alleine zu stehen, sich selbst genug zu sein, denn nur so kann der Mensch auch wahrhaftig lieben, ohne sich in Abhängigkeiten zu begeben.
Was Patienten aber immer wieder beschreiben: "Ich bin ein anderer Mensch" -- und zwar im Sinne von: ohne Interessen, kaum noch am Lachen, usw.
Bei diesen ganzen Medikamenten besteht doch eher die Gefahr, daß man keine Chance hat sich selbst zu finden, oder nie wieder zu sich selbst zu finden.
Allerdings halte ich es auch für sehr schwer in einer kranken Gesellschaft wie dieser, geistig gesund zu bleiben. Ein großer Zwiespalt also, den ich für mich mit den kleinen Freuden des Alltags zu überbrücken versuche. Erst gestern war wieder ein grauer Tag mit Nieselsprühregen, und die Sehnsucht nach dem Frühling ist groß, da sehe ich in meinem Wasserglas ein Muferkübchen strampeln. Also hole ich es heraus, damit es nicht ertrinkt, und setze es auf eine Zimmerpflanze.
So Kleinigkeiten sind mir mehr Wert, als tausend Euro.