Systemischer Lupus Erythematodes (SLE): Ursachen, Verlauf, Diagnose Therapie

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) zählt zu den rheumatischen Erkrankungen des Bindegewebes (= Kollagenosen), hauptsächlich mit chronischem Verlauf (länger als drei Monate). Der Organismus reagiert mit der Bildung von Antikörpern, die gegen körpereigenes Bindegewebe gerichtet sind (= Autoimmunerkrankung).

SLE ist eher selten (ca. zehn bis 20 Erkrankungsfälle bei 100.000 Menschen), entsteht meist schon im Schulalter (zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr) und betrifft wesentlich häufiger Mädchen als Jungen (Verhältnis 4 : 1). Ein weiterer Erkrankungsgipfel liegt bei Frauen zwischen dem 20. und dem 35. Lebensjahr. Daneben ist eine kulturelle Abhängigkeit feststellbar (erhöhte Erkrankungsrate bei Afrikanern, Indern und Asiaten).

Die Entstehung von SLE ist noch nicht vollständig geklärt. Man vermutet genetische, hormonelle und infektiöse Einflüsse, die zu der Autoimmunreaktion führen. Auch lässt sich eine familiäre Prädisposition nachweisen.

Begünstigend wirken der vermehrte Aufenthalt in sonnigen Regionen (hohe Strahlenbelastung), die Einnahme oraler Kontrazeptiva (Pille) und bestimmter Medikamente (z.B. Isoniazid) sowie extreme psychische Belastungen.

Der Verlauf des systemischen Lupus erythematodes ist meist schleichend. In seltenen Fällen kommt es (vor allem bei Kindern) zu einem akuten Ausbruch, der neben der klassischen Symptomatik gekennzeichnet ist durch rasch ansteigendes Fieber, körperliche Erschöpfung und Schwäche, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtverlust.

Der Beginn der chronischen SLE führt bei Betroffenen zu Muskel- und Gelenkschmerzen, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, rascher Erschöpfung und häufig auch zu klopfenden Kopfschmerzen.

In über 60 Prozent der Erkrankungsfälle bildet sich im Gesicht ein Schmetterlingserythem aus (Hautrötungen rechts und links der Nase, die einem Schmetterling ähneln und durch Ablagerungen entstehen), weitere Hauterscheinungen zeigen sich an Stirn und Wangen.

Die dem Sonnenlicht ausgesetzten Körperpartien reagieren mit Überempfindlichkeit (Rötung, Exanthem, Schuppung). Vermehrt kommt es zu Alopezie (Haarausfall), Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) sowie dem Raynaud-Phänomen (Durchblutungsstörungen der Finger und Zehen, die bei Kälte zuerst zu einer Weißfärbung, im Verlauf zu blauen Flecken und letztlich zu einer Rötung führen).

In einigen Fällen lässt sich am Gaumen eine ulzeröse, nicht schmerzhafte Wucherung feststellen, auch leichte Einblutungen sind möglich. Neben den sichtbaren Anzeichen können auch Organe betroffen sein. Bei Befall von Lunge (Pleuritis) oder Herz (Perikarditis) zeigen sich anhaltender HustenLuftnot oder ein stechender Thoraxschmerz bei Einatmung. Bei Nierenbeteiligung kommt es unter anderem zu blutigem Urin (Hämaturie) und Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) in den Beinen.

In ca. 30 Prozent der Fälle sind Leber und Milz vergrößert. Schmerzende Gelenke können Hinweise geben auf Arthritiden. Auch Nervenläsionen, Querschnittssymptomatiken, eine Thrombo(zyto)penie (verminderte Thrombozytenzahl, führt zu winzigen Einblutungen in die Haut) sowie Formen der Anämie werden beobachtet.

Ein häufig mit dem systemischen Lupus erythematodes einhergehendes Erkrankungsbild ist das Antiphospholipid-Syndrom. Dieses führt bei den Betroffenen unter anderem zu arteriellen Embolien, venösen Thrombosen und kann einen Apoplex (Schlaganfall) begünstigen. Während einer Schwangerschaft kommt es vermehrt zu Aborten (Fehlgeburten).

Die Erkrankung zeigt sich in vielen Fällen bereits durch das Schmetterlingserythem. Weitere Hinweise liefern ein detailliertes Blutbild (neben den Autoantikörpern und Entzündungsparametern lassen sich vor allem Anämie und Thrombozytopenie feststellen).

Durch Auskultation erfolgt die Untersuchung von Herz und Lunge, Gewebeproben verschiedener Bereiche weisen unter Umständen Veränderungen auf. Mit Hilfe der Sonographie lassen sich vergrößerte Organe darstellen, auch der Urin dient der Auswertung.

Bedingt durch das vielfältige Erscheinungsbild der Erkrankung werden in der Schulmedizin eine Vielzahl unterschiedlicher Therapieansätze gewählt, die vor allem der Linderung von Beschwerden dienen. Eine Heilung ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht möglich. Durch die Gabe von Immunsuppressiva soll die körpereigene Immunreaktion unterdrückt werden.

Sie werden bevorzugt bei schweren Formen eingesetzt. Eine Langzeittherapie mit Kortison zeigt gute Erfolge (besonders bei Organbeteiligung), wirkt sich jedoch auch negativ auf den Magen-Darm-Trakt sowie den Hautzustand (zunehmende Trockenheit, die Haut wird pergamentähnlich) aus.

Zusätzlich werden entzündungshemmende, antirheumatische, schmerzlindernde und abschwellende Präparate verabreicht. Die Plasmapherese ist eine Methode zum Reinigen des Blutes, sie dient der Entfernung aggressiver Autoantikörper (wird wegen vieler Nebenwirkungen nur selten eingesetzt).

Spezielle Hautlotionen und Sonnencremes schützen vor intensiver Bestrahlung. Und auch psychiatrisch geführte Gesprächstherapien können zur Linderung der Symptomatik beitragen.

Je frühzeitiger die Behandlung einsetzt, desto stärker kann die Erkrankung eingedämmt werden. Durch den Befall innerer Organe sowie des Gefäß- und Nervensystems kommt es häufig zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität, unter Umständen auch zu einem vorzeitigen Lebensende (die Letalitätsrate liegt nach zehn Jahren bei ca. zehn Prozent).

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Beitragsbild: pixabay.com – IMGMIDI

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert.