Entspannungsverfahren
Das Autogene Training nach J. H. Schultz:
Wie wird es angewandt?
Entwickelt wurde das Autogene Training von dem Nervenarzt Johannes Heinrich Schultz. Als Psychiater hatte er in
den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch mit Hypnose gearbeitet. Und beim AT handelt es sich um eine
Art Selbsthypnose besser gesagt, Autosuggestion, die durch das wiederholte gedanklich Vorsagen bestimmter Leitsätze
zur Entspannung führt. Die Übungen waren damals recht kurz gehalten und wurden in der sogenannten
„Droschkenkutscher-Haltung“ mit nach vorn geneigtem Oberkörper durchgeführt.
Die Grundstufe des Autogenen Trainings umfasst sechs Übungen mit den passenden Formeln:
1. Schwere
2. Wärme
3. Sonnengeflecht
4. Atmung
5. Herz
6. Kopf mit Stirnkühle
Dazwischen wird eine Ruheformel eingestreut in der Art von:
„Ruhe umgibt mich, Ruhe durchströmt mich, ich ruhe in mir“.
Alle Leitsätze werden in der Ich-Form gesprochen bzw. gedacht. Zu Anfang kann es die Konzentration erleichtern,
wenn man sich die Formeln tatsächlich leise vorsagt. Begonnen wird beim klassischen Autogenen Training stets mit
der Schwere im rechten Arm. Die Übungen blieben auch nach dem Tod von Schultz weitgehend unverändert.
Die Sätze aber formuliert man heute ausführlicher, wie hier beim Sonnengeflecht:
„Mein Sonnengeflecht wird strömend war, mein Sonnengeflecht wird strömend warm, wohltuende Wärme
durchströmt mein Sonnengeflecht“
Die Leitsätze werden oftmals durch bildhafte Vorstellungen unterstützt. So kann man sich in Gedanken ausmalen,
wie die Sonne auf den Bauch scheint, oder eine Tasse Tee von innen her wärmt. Die Droschkenkutscherhaltung wurde
von einer aufrechten Sitzposition abgelöst. Wer lieber im Liegen üben möchte, sollte das möglichst in Rückenlage
tun. Dabei ist die Reihenfolge der sechs Grundübungen unbedingt einzuhalten. Um wieder ganz wach zu werden, muss
die Tiefenentspannung abschließend stets in der folgenden Weise zurückgenommen werden:
• Arme anwinkeln und wieder ausstrecken
• Fäuste ballen und wieder öffnen
• Beine heranziehen und wieder ausstrecken
Auf dieses ausgiebige Recken und Strecken darf natürlich verzichten, wer direkt nach dem Autogenen Training
einschlafen will. Dann sollte besser auch die Formel zur Stirnkühle weggelassen werden. Leider lässt sich das
Autogene Training nicht so leicht in Eigenregie erlernen, wie die Progressive Muskelentspannung. Es gibt zwar eine
Fülle von Ratgebern, Cassetten, CDs und DVDs. Dennoch fällt der Einstieg in der Gruppe wesentlich leichter. Kurse
werden von Volkshochschulen, Kurkliniken, Rehazentren und physiotherapeutischen Einrichtungen angeboten. Doch erst
durch regelmäßiges Üben zuhause stellt sich der Erfolg ein, der manchmal einige Zeit auf sich warten lassen
kann.
Hat man nach etwa einem halben Jahr jenen Punkt erreicht, wo eine Art „Umschalteffekt“ bereits nach wenigen
Sätzen in tiefe Entspannung führt, kann man sich an die Mittelstufe des Autogenen Trainings heranwagen. Dabei
werden die Formeln direkt auf die individuellen Lebensumstände zugeschnitten. Man kann sie gegen körperliche
Beschwerden einsetzen.
Bei Verdauungsbeschwerden soll ein Klassiker in Versform Linderung bringen:
„Magen und Darm sind entspannt, weich und warm“.
Auch in schwierigen Situationen ist diese Art „Programmierung“ hilfreich.
Bei Prüfungsangst übt man zum Beispiel:
„Gut vorbereitet und gelassen gehe ich in diese Prüfung“.
Wichtig sind kurze, einprägsame Sätze. Diese müssen positiv formuliert sein und realistisch. Ziele dürfen ruhig
hoch gesteckt, müssen jedoch erreichbar sein. Alles andere wäre reines Wunschdenken. Man sollte sich auf ein bis
zwei persönliche Formeln beschränken, die im Anschluss an die Grundübungen zwei bis dreimal wiederholt werden.
Auch die bildhafte Entspannung wird in der Mittelstufe gerne weiter vertieft. Sehr wirkungsvoll ist es, sich
nach Absolvierung der Grundübungen seinen ganz persönlichen „Ort der Ruhe“ auszumalen. Das kann jeder für sich
selbst ausprobieren, der die Grundstufe quasi „im Schlaf“ beherrscht.
Wer dagegen die Oberstufe des Autogenen Trainings erlernen möchte, sollte dies in jedem Fall unter fachkundiger
Anleitung tun. Dieses Verfahren wird oft auch als „Autogene Imagination“ bezeichnet und ähnelt stark dem von
Hanscarl Leuner entwickelten „Katathymen Bilderleben“.
Beide arbeiten mit inneren Bildern, die im Anschluss an die Übung analysiert werden. Sie sind keine
Entspannungstechniken, sondern tiefenpsychologisch orientierte Therapieformen.
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