Heilpflanzen in der modernen Medizin
War der Glaube an die Heilwirkung von Pflanzen in früheren Zeiten ausschließlich eine Erfahrungstatsache, so ist
der Einsatz von pflanzlichen Heilmitteln heute durch speziell ausgebildete Forscher, die Pharmakologen,
wissenschaftlich begründet.
Einige der bekannten Wirkstoffe von Heilpflanzen können auf isoliert und deren Effekt in
Versuchsreihen nachgewiesen werden. Klassische Beispiele sind die Wirkstoffe des Fingerhuts
(Digitalisglykoside), die in hoher Dosierung als starkes Gift wirken und in niedrigerer Konzentration
zur Therapie der "Herzschwäche" eingesetzt werden. Bekannt ist auch das Pfeilgift südamerikanischer
Indianerstämme, dessen Wirkstoff Curare zur Muskelerschlaffung bei einer Narkose verwendet wird.
Und so finden sich in jedem Pharmakologiebuch unzählige Präparate, die auf einer Heilpflanzen Wirkung beruhen.
Interessant ist in diesem Zu¬sammenhang auch, dass vom Gesetzgeber pflanzliche und "synthetisch" hergestellte
Medikamente gleichgestellt sind. Der Unterschied besteht darin, dass synthetische Präparate nur einen Wirkstoff,
pflanzliche dagegen ein Gemisch mehrerer Wirkstoffe enthalten. Es wird angenommen, dass diese Begleitstoffe nicht
unwichtig sind, sondern zur Wirkung der Hauptsubstanz wesentlich beitragen.
Heilpflanzen Wirkung - Welche Inhaltsstoffe wirken?
Der Wirkstoffgehalt ein und derselben Pflanzenart ist nicht immer gleich. Er hängt von natürlichen Gegebenheiten
wie Bodenbeschaffenheit, Klima und Einwirkungsdauer des Tageslichtes ab. Ernte, Lagerung aber auch Trocknung der
Pflanzen spielen gleichfalls eine Rolle.
Ätherische Öle
Die Duftstoffe der Pflanzen hemmen Entzündungen, lösen Verschleimungen bei Erkältungen, wirken krampflösend auf
die Bronchial- und die Magen-Darm-Muskulatur, sie regen die Nierentätigkeit an und fördern damit die
Harnausscheidung, außer-dem wirken sie appetitsteigernd. Auch sagt man ihnen eine allgemein stärkende Funktion
nach.
Bitterstoffe
Die so genannten Amara regen die Sekretion der Speichel- und Magen¬drüsen an. Auf diese Weise regulieren sie die
Verdauung und fördern den Appetit.
Flavonoide
Sie sind in zahlreichen Pflanzen zu finden, sie stärken die Gefäßwände, beeinflussen die Blutgerinnung, das Herz
und den Kreislauf, oder sie wirken harntreibend.
Gerbstoffe
Diese Substanzen haben eine adstringierende, das heißt zusammenzie¬hende und bindende Wirkung. Sie helfen
deswegen bei Verletzungen der Haut und der Schleimhäute. Da-durch erhöhen sie die Widerstandsfähigkeit der äußeren
Körperhülle gegen Krankheitserreger.
Kieselsäure
Kieselsäure ist für Haut, Bindegewebe, Haare und Nägel ein wichtiger Bestandteil. Einige Heilpflanzen nehmen
Kieselsäure aus dem Boden auf. In entsprechender Menge verab¬reicht, können sie beim Menschen einen
ernährungsbedingten Mangel an dieser Substanz ausgleichen.
Saponine
Saponine verflüssigen den Schleim und erleichtern so das Abhusten bei Erkältungen. Manche dieser Inhaltsstoffe
wirken bei erhöhter Flüssigkeitsansammlung im Körpergewebe (Ödeme) wassertreibend. Saponine helfen außerdem gegen
Unreinheiten der Haut, bei rheumatischen Beschwerden und bei Entzündungen.
Schleimstoffe
Schleimstoffe sind in zahlreichen Heilpflanzen zu finden, doch nur in wenigen sind sie in so großen Mengen
vorhanden, dass eine deutliche Wirkung eintreten kann. Die aus Kohlenhydraten bestehenden Stoffe bilden zusammen
mit Wasser eine zähflüssige Lösung, die sich bei entsprechender Anwendung wie ein Schutzfilm über die Schleimhäute
legt und dadurch reizmildernd wirkt.
Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente
Diesen Wirkstoffen kommt eine insgesamt unterstützende Funktion beim Heilungsprozess zu. Sie ermöglichen den
ungestörten Ablauf vieler chemischer Reaktionen im Körper und sind wichtige Bestandteile der Gewebe. Gezielt
eingesetzt, können sie entsprechende Mangelzustände beheben. So wird z.B. bei Vitamin-C¬Mangelzuständen der stark
Vitamin-C-haltige Sanddorn eingesetzt.
Wurzeln, Blätter oder Blüten?
Nicht in allen Pflanzenteilen finden sich die Wirksubstanzen in gleich hoher Konzentration. So stecken die
heilkräftigen Stoffe bei Ingwer in den Wurzeln, bei der Artischocke in den Blättern, bei Kamille in den Blüten und
bei Anis in den Früchten. Manchmal werden für Heilzwecke die Samen genutzt, z.B. bei der Rosskastanie, oder gar die
Rinde, wie bei Eiche und Weide. Auch das gesamte oberirdische Kraut einschließlich der Blüten kann Verwendung
finden.
Kräuterladen oder Apotheke?
Beim Kauf getrockneter Heilpflanzen stellt sich die Frage, ob die Apotheke dem Kräuterladen vorzuziehen ist oder
umgekehrt. Fest steht, dass Heilpflanzen in der Apotheke strengeren Auflagen und Kontrollen bezüglich Reinheit,
Inhaltsstoffen und Schadstoffbelastung unterliegen. So genannte Chargennummern - wie es sie bei chemischen
Medikamenten auch gibt - gewähren ein gewisses Maß an Garantie.
Für Kräuterläden wiederum spricht die Tatsache, dass sie oftmals einen größeren Umsatz an Trockendrogen haben
als Apotheken, was frischere Ware erwarten lässt. Es empfiehlt sich, entweder eine auf Heilpflanzen spezialisierte
Apotheke zu wählen oder im Kräuterladen nachzufragen, welchen Kontrollen die Heilpflanzen unterliegen.
Einkaufshilfe können auch Farbe und Geruch von getrockneten Heilpflanzen sein, denn diese sind umso intensiver, je
frischer die Heilpflanzen sind.
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