Heilpflanzen in der modernen Medizin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

War der Glaube an die Heilwirkung von Pflanzen in früheren Zeiten ausschließlich eine Erfahrungstatsache, so ist der Einsatz von pflanzlichen Heilmitteln heute durch speziell ausgebildete Forscher, die Pharmakologen, wissenschaftlich begründet.

Einige der bekannten Wirkstoffe von Heilpflanzen können auf isoliert und deren Effekt in Versuchsreihen nachgewiesen werden. Klassische Beispiele sind die Wirkstoffe des Fingerhuts (Digitalisglykoside), die in hoher Dosierung als starkes Gift wirken und in niedrigerer Konzentration zur Therapie der "Herzschwäche" eingesetzt werden. Bekannt ist auch das Pfeilgift südamerikanischer Indianerstämme, dessen Wirkstoff Curare zur Muskelerschlaffung bei einer Narkose verwendet wird.

Und so finden sich in jedem Pharmakologiebuch unzählige Präparate, die auf einer Heilpflanzen Wirkung beruhen. Interessant ist in diesem Zu¬sammenhang auch, dass vom Gesetzgeber pflanzliche und "synthetisch" hergestellte Medikamente gleichgestellt sind. Der Unterschied besteht darin, dass synthetische Präparate nur einen Wirkstoff, pflanzliche dagegen ein Gemisch mehrerer Wirkstoffe enthalten. Es wird angenommen, dass diese Begleitstoffe nicht unwichtig sind, sondern zur Wirkung der Hauptsubstanz wesentlich beitragen.

Heilpflanzen Wirkung - Welche Inhaltsstoffe wirken?

Der Wirkstoffgehalt ein und derselben Pflanzenart ist nicht immer gleich. Er hängt von natürlichen Gegebenheiten wie Bodenbeschaffenheit, Klima und Einwirkungsdauer des Tageslichtes ab. Ernte, Lagerung aber auch Trocknung der Pflanzen spielen gleichfalls eine Rolle.

Ätherische Öle

Die Duftstoffe der Pflanzen hemmen Entzündungen, lösen Verschleimungen bei Erkältungen, wirken krampflösend auf die Bronchial- und die Magen-Darm-Muskulatur, sie regen die Nierentätigkeit an und fördern damit die Harnausscheidung, außer-dem wirken sie appetitsteigernd. Auch sagt man ihnen eine allgemein stärkende Funktion nach.

Bitterstoffe

Die so genannten Amara regen die Sekretion der Speichel- und Magen¬drüsen an. Auf diese Weise regulieren sie die Verdauung und fördern den Appetit.

Flavonoide

Sie sind in zahlreichen Pflanzen zu finden, sie stärken die Gefäßwände, beeinflussen die Blutgerinnung, das Herz und den Kreislauf, oder sie wirken harntreibend.

Gerbstoffe

Diese Substanzen haben eine adstringierende, das heißt zusammenzie¬hende und bindende Wirkung. Sie helfen deswegen bei Verletzungen der Haut und der Schleimhäute. Da-durch erhöhen sie die Widerstandsfähigkeit der äußeren Körperhülle gegen Krankheitserreger.

Kieselsäure

Kieselsäure ist für Haut, Bindegewebe, Haare und Nägel ein wichtiger Bestandteil. Einige Heilpflanzen nehmen Kieselsäure aus dem Boden auf. In entsprechender Menge verab¬reicht, können sie beim Menschen einen ernährungsbedingten Mangel an dieser Substanz ausgleichen.

Saponine

Saponine verflüssigen den Schleim und erleichtern so das Abhusten bei Erkältungen. Manche dieser Inhaltsstoffe wirken bei erhöhter Flüssigkeitsansammlung im Körpergewebe (Ödeme) wassertreibend. Saponine helfen außerdem gegen Unreinheiten der Haut, bei rheumatischen Beschwerden und bei Entzündungen.

Schleimstoffe

Schleimstoffe sind in zahlreichen Heilpflanzen zu finden, doch nur in wenigen sind sie in so großen Mengen vorhanden, dass eine deutliche Wirkung eintreten kann. Die aus Kohlenhydraten bestehenden Stoffe bilden zusammen mit Wasser eine zähflüssige Lösung, die sich bei entsprechender Anwendung wie ein Schutzfilm über die Schleimhäute legt und dadurch reizmildernd wirkt.

Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente

Diesen Wirkstoffen kommt eine insgesamt unterstützende Funktion beim Heilungsprozess zu. Sie ermöglichen den ungestörten Ablauf vieler chemischer Reaktionen im Körper und sind wichtige Bestandteile der Gewebe. Gezielt eingesetzt, können sie entsprechende Mangelzustände beheben. So wird z.B. bei Vitamin-C¬Mangelzuständen der stark Vitamin-C-haltige Sanddorn eingesetzt.

Wurzeln, Blätter oder Blüten?

Nicht in allen Pflanzenteilen finden sich die Wirksubstanzen in gleich hoher Konzentration. So stecken die heilkräftigen Stoffe bei Ingwer in den Wurzeln, bei der Artischocke in den Blättern, bei Kamille in den Blüten und bei Anis in den Früchten. Manchmal werden für Heilzwecke die Samen genutzt, z.B. bei der Rosskastanie, oder gar die Rinde, wie bei Eiche und Weide. Auch das gesamte oberirdische Kraut einschließlich der Blüten kann Verwendung finden.

Kräuterladen oder Apotheke?

Beim Kauf getrockneter Heilpflanzen stellt sich die Frage, ob die Apotheke dem Kräuterladen vorzuziehen ist oder umgekehrt. Fest steht, dass Heilpflanzen in der Apotheke strengeren Auflagen und Kontrollen bezüglich Reinheit, Inhaltsstoffen und Schadstoffbelastung unterliegen. So genannte Chargennummern - wie es sie bei chemischen Medikamenten auch gibt - gewähren ein gewisses Maß an Garantie.

Für Kräuterläden wiederum spricht die Tatsache, dass sie oftmals einen größeren Umsatz an Trockendrogen haben als Apotheken, was frischere Ware erwarten lässt. Es empfiehlt sich, entweder eine auf Heilpflanzen spezialisierte Apotheke zu wählen oder im Kräuterladen nachzufragen, welchen Kontrollen die Heilpflanzen unterliegen. Einkaufshilfe können auch Farbe und Geruch von getrockneten Heilpflanzen sein, denn diese sind umso intensiver, je frischer die Heilpflanzen sind.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert