Augenentzündungen - Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Entzündungen am Auge sind ein sehr häufiges medizinisches Problem und in Ursache, Auswirkung und Lokalisation extrem vielfältig. So können z.B. Bakterien, Viren oder bei Autoimmunkrankheiten der Körper selbst die Entzündung auslösen. Daher ist nicht verwunderlich, dass Menschen mit einer herabgesetzten oder fehlgeleiteten Immunabwehr (z.B. im Rahmen eines Diabetes mellitus) deutlich häufiger unter Augenentzündungen leiden.

Verschiedene Arten von Augenentzündungen

Entzündungen am Augenlid:

Am häufigsten sind hier die Entzündungen der Liddrüsen, z.B. das Gesternkorn (Hordeolum).

Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektion der Zeis- oder Molldrüsen, meist durch Stäbchenbakterien (Staphylokokken) ausgelöst. Typisch ist eine Rötung und Schwellung an der Lidkante, ggf. mit Eiterpfropf. Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl kommen nicht selten dazu. Therapeutisch werden trockene Wärme, lokale Antibiotika oder eine chirurgische Behandlung eingesetzt. Das Hagelkorn (Chalazion) dagegen ist eine abakterielle, granulomatöse Entzündung durch einen gestörten Talgabfluss. Diese Erkrankung ist in der Regel völlig schmerzfrei, meist ist eine operative Therapie unumgänglich. Vorsicht ist bei einem Befall mit dem Herpes-Zoster-Virus geboten (Zoster ophthalmicus). Dieser zeigt sich durch massive Schmerzen unter oder über dem Auge (je nach befallenem Nervenast), Bläschen und Krusten. Als Komplikation kann es zu einem Befall z.B. der Hornhaut oder der Netzhaut kommen, es besteht dann akute Erblindungsgefahr.

Eine Therapie erfolgt mit Virustatika (z.B. Aciclovir). Auch sollte nach einer zu Grunde liegenden Immunschwäche gefahndet werden. Seltener sind z.B. Lidphlegmone, Liderysipel oder Lidabszess (meist im Rahmen einer Komplikation). Mulluscum contagiosum (zeigt sich durch Knötchen mit zentraler Delle, welche durch Pockenviren verursacht werden) oder allergisch bedingte Lidentzündungen sind ebenfall selten.

Entzündungen der Tränenorgane:

Ist die Tränendrüse entzündet (Dakryoadenitis), kommt es zu einer Rötung und Schwellung am äußeren oberen Auge, was zu der charakteristischen Paragraphenform des Augenlides führt. Meist sind systemische (Kinder-)Krankheiten auslösend, z.B. Masern, Mumps, Pfeiferisches Drüsenfieber oder Röteln. Behandelt wird mit lokaler Wärme und Antibiotika.

Bei der chronischen Form sind die Symptome etwas schwächer ausgeprägt, meist liegen systemische Erkrankungen wie z.B. Tuberkulose, Sarkoidose oder Leukämien zu Grunde. Eine Infektion des Tränensacks (Dakryozystitis) hat meist mechanische Ursachen, in der Regel ist der Tränengang verschlossen (so genannte Dakryostenose, oft bei Säuglingen im ersten Lebensjahr). Die Therapie ist ähnlich der Dakryoadenitis. Insgesamt ist häufiger eine chirurgische Intervention nötig, vor allem wenn eine chronische Entzündung mit mechanischer Ursache vorliegt.

Entzündungen der Bindehaut:

Die Bindehautentzündung (Konjunktivitis) wird häufig umgangssprachlich mit der Augenentzündung gleichgesetzt. Die Betroffenen klagen über ein Fremdkörpergefühl, Juckreiz bis hin zu brennenden Schmerzen. Die Augenlider sind geschwollen, die Gefäßzeichnung der Bindhaut verstärkt ("Kaninchenaugen") und es kommt zu übermäßigem Tränenträufeln (Epiphora). Je nach Infektion kommen wässrig-blutige oder eitrige Sekretionen vor. Die Lichtempfindlichkeit ist stark erhöht, teilweise kommt es sogar zu einem reflektorischen Lidkrampf, um das Licht abzuschirmen (Blepharospasmus). Am häufigsten ist die Keratokonjunctivitis epidemica, ausgelöst durch Adenoviren. Meist kommt es nach Infektion des einen Auges um wenige Tage versetzt zu einer Entzündung des anderen. Neben den allgemeinen Symptomen kommt es zu einer starken eitrigen Sekretion mit morgendlich verklebten Lidern.

Wichtig ist die strenge Einhaltung von Hygiene, da diese Form der Bindehautentzündung extrem ansteckend ist.

Nach durchgemachter Krankheit besteht allerdings lebenslange Immunität. Die Therapie ist rein symptomatisch, lediglich bei bakterieller Superinfektion kommen Antibiotika zum Einsatz. Aber auch mechanische Manipulationen, allergische Reaktionen, trockene Augen, Staub, Rauch oder Luftzug lösen nicht selten eine Konjunktivitis aus. Seltenere Ursachen sind klassische bakterielle Bindehautentzündungen durch Stäbchen- oder Kettenkokken, die Gonokokkenkonjunktivitis, das Trachom (Infektion durch Chlamydien. Ein Trachom ist in Deutschland selten, weltweit ist es jedoch die häufigste Erblindungsursache.), Pilzinfektionen oder Reizung durch Raupenhaare.

Entzündungen der Hornhaut:

Eine Hornhautentzündung (Keratitis) ist meist sehr schmerzhaft, es kommt zur Lichtscheu, ggf. auch mit Blepharospasmus. Durch Wassereinlagerungen oder Trübungen kommt es nicht selten zu einer Sehverschlechterung.

Häufigste Ursache ist eine Infektion mit Herpes-Viren. Bei der Herpes-Simplex-Infektion (gleicher Erreger wie bei dem Lippen-herpes) und auch der Herpes Zoster-Infektion am Auge sollten Virustatika eingesetzt werden, da ein Überschreiten auf die Iris mit Ausbildung von Verklebungen droht. Folge ist dann nicht selten ein sekundärer grüner Star (Glaukom). Der Herpes Zoster geht auch in einigen Fällen mit bleibenden Schmerzzuständen einher. Zum Schutz vor einer bakteriellen Superinfektion sind meist zusätzlich Antibiotika nötig.

Auch ein trockenes Auge kann zu einer abakterielle Hornhaut-entzündung führen (Keratitis sicca). Typische Ursachen dafür sind unter anderem eine Lähmung des Nervus facialis (denn dann kann das Lid nicht mehr geschlossen werden und das Auge trocknet aus) oder ein Schaden am Nervus trigeminus (dadurch wird die Sensibilität der Hornhaut herabgesetzt oder ausgeschaltet, so dass bei Reizung der schützende, reflektorische Lidschluss fehlt). Doch meist ist ein trockenes Auge idiopathisch (d.h. ohne direkt erkennbare Ursache) oder im Rahmen von anderen Grunderkrankungen (z.B. Rheuma).

Seltenere Ursachen sind bakterielle Infektionen (dann meist durch Streptokokken mit Gefahr der Geschwürbildung), Pilzbefall (meist Candida albicans), allergische Keratitis und Verblitzung (so genannte Keratitis photoelectrica).

Entzündungen der Lederhaut:

Diese Form der Augenentzündung ist selten und in der Regel nur im Rahmen von systemischen Erkrankungen (z.B. bei Allergien, rheumatoider Arthritis, Kollagenosen, Lues und Tuberkulose) anzutreffen. Häufiger liegt die so genannte Episkleritis vor. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Lederhaut-Oberfläche. Diese ist typischerweise sehr schmerzhaft und zeigt sich durch eine umschriebene Rötung mit buckelförmiger Vorwölbung auf dem Augenweiß. Zusätzlich ist die Gefäßzeichnung deutlich vermehrt.

Die eigentliche Lederhautentzündung (Skleritis) ist ein chronischer Reizzustand mit typischerweise bläulich-roten Verfärbungen. Diese Art der Lederhautentzündung ist ebenfalls extrem schmerzhaft. Beide Formen werden mit lokalen, selten mit systemischen Glukocorticoiden behandelt.

Entzündungen der Gefäßhaut:

Die häufigste Entzündung der Gefäßhaut (Uveitis) ist die Iritis (wenn nur die Regenbogenhaut (Iris) betroffen ist) bzw. die Iridozyklitis (wenn zusätzlich der Zilliarkörper involviert ist).

In der Regel handelt es sich bei der Gefäßhautentzündung ebenfalls um eine Begleiterscheinung im Rahmen einer systemischen Infektion (z.B. Allergien, Viruserkrankungen, diverse rheumatologische Erkrankungen, Gicht). Eine exogene Uveitis (z.B. nach perforierendem Trauma oder Hornhautgeschwür) ist seltener.

Die Gefäßhautentzündung geht meist mit einem stechenden Schmerz, Lichtempfindlichkeit bis hin zum Blepharospasmus und Tränenträufeln einher. Die Sehschärfe ist nicht selten herabgesetzt. Diagnostisch sind eine vermehrte Gefäßzeichnung, eine verengte Pupille (Reizmiosis) und Eiweißablagerungen in der Vorderkammer (Tyndall-Zeichen) wegweisend.

Die Therapie besteht in Cortisongabe, trockener Wärme (z.B. Rotlicht) und pupillenerweiternden Medikamenten. Letztere werden zum Schutz vor Verwachsungen eingesetzt, welche den Kammerwasserabfluss stören könnten und somit die Gefahr eines grünes Stars erhöhen würden.

Entzündungen der Aderhaut:

Die so genannte Choroiditis geht meist mit einer Beteiligung der Netzhaut (Retina) einher, dies wird dann unter dem Begriff Chorioretinitis zusammengefasst. Am häufigsten liegt die diffuse Form vor (Chorioretinitis disseminata).

Typisch sind mehrer grau-gelbe Herde auf dem Augenhintergrund, welche der Arzt mittels Augenspiegelung darstellen kann. Ursächlich sind in der Regel Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Syphilis.

Die Chorioretinitis centralis hat lediglich einen Herd, welcher aber zentral in der Nähe der Makula (Zentrum des schärfsten Sehens) vorkommt. Zu Grunde liegen rheumatische Erkrankungen oder granulomatöse Infektionen, z.B. Sarkoidose. Die Chorioretinitis Jensen ist sehr selten, aber die wohl bekannteste aller Aderhautentzündungen.

Diese Herde nahe der Papille entstehen nur durch eine Toxoplasmose. Betroffen sind entweder Neugeborenen (durch eine Erstinfektionen der Mutter in der Schwangerschaft werden die Erreger über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen) oder Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr (z.B. bei AIDS).

Die Therapie der Chorioretinitis erfolgt mit Cortison, ggf. je nach Grundkrankheit mit Antibiotika.

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Entzündung des Sehnervs:

Eine Sehnerventzündung (Neuritis nervi optici) ist in circa 50 Prozent der Fälle eine Vorbote bzw. eine Begleiterscheinung einer multiplen Sklerose (MS). Charakteristischerweise treten Seh- und Farbsinnstörungen auf, der klinische Untersuchungsbefund ist dabei aber völlig unauffällig ("der Patient sieht nichts und der Arzt sieht nichts").

Nachweisen lässt sich die Erkrankung nur mittels Nervenleitge-schwindigkeitsmessung, welche bei einer Sehnerventzündung deutlich reduziert ist.

Therapeutisch kommt Cortison zum Einsatz, eine Multiple Sklerose sollte mittels Liquorpunktion ausgeschlossen werden.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 06.06.2012 aktualisiert