Keuchhusten: Symptome, Verlauf, Impfung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Ansteckung

Der Keuchhusten oder auch Stickhusten (medizinisch Pertussis) genannt, ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Bordetella pertussis oder das Bakterium parapertussis ausgelöst wird.

Bei den Bordetellen handelt es sich um kokkoide, gramnegative Stäbchenbakterien. Die Unterform Bordetella pertussis ist nur im Menschen zu finden, Bordetella parapertussis wurde dagegen auch bei Schafen nachgewiesen. Eine untergeordnete Rolle spielt die Art Bordetella bronchoseptica, die vor allen bei Tieren verbreitet ist und nur in seltenen Fällen den Menschen befallen und eine entsprechende Erkrankung auslösen kann. Die Erreger gelten als extrem infektiös. 80 bis 100 Prozent aller exponierten empfänglichen Personen bilden in den folgenden Wochen Krankheitssymptome aus, somit erkrankt nahezu jeder Ungeimpfte nach Kontakt mit dem Erreger. Die Bakterien heften sich mittels spezifischer Adhärenzfaktoren an das Flimmerepithel des Respirationstraktes an, was diese hohe Ansteckungsfähigkeit verursacht.

Besonders in Entwicklungsländern ist der Keuchhusten noch weit verbreitet. Dort finden sich 90 Prozent aller Infektionen mit dem Pertussis- Erreger. Der Keuchhusten ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Die jährliche Inzidenz hängt unter anderem stark von der regionalen Durchimpfung der Bevölkerung ab. Saisonale Erkrankungsgipfel liegen typischerweise zum Ende des Winters und im Spätsommer. Bei Erwachsenen sind mehr Frauen betroffen, vermutlich da sie in der Regel engeren Kontakt zu Kindern aufweisen. Bei erkrankten Kindern ist sind keine geschlechtsspezifischen Unterschiede zu beobachten.

Übertragung

Die Übertragung der Bakterien erfolgt über eine Tröpfcheninfektion, also über den Speichel eines Infizierten, welcher zum Beispiel beim Sprechen oder Husten verbreitet werden kann. Ab dem Ende der Inkubationszeit von 7 bis 14 Tagen sind Patienten infektiös (also bereits vor den ersten Symptomen ist eine Übertragung möglich), die höchste Ansteckungsgefahr besteht allerdings in der ersten und zweiten Phase der Krankheit (Stadium catarrhale bzw. convulsivum). Bordetella pertussis gilt als nicht invasiver Erreger, er bleibt lediglich auf der Oberfläche der Schleimhaut haften. Jedoch bilden die Bakterien Toxine, welche die systemischen Komplikationen hervorrufen können.

Symptome

Üblicherweise ähnelt die Krankheit im Anfangsstadium dem Bild eines banalen Infektes der oberen Luftwege. Im Verlauf über mehrere Wochen durchläuft die Infektion drei Phasen, wobei das Allgemeinbefinden des Betroffenen in allen Phasen in der Regel stark eingeschränkt ist. Typischerweise zeigen auch die betroffenen Kinder depressive bis aggressive Verhaltensweisen. In wie weit dies Folge der nervenden Hustenattacken ist oder als eigenständiges Symptom durch die Toxine zu werden ist, ist noch unklar. Für Säuglinge und geschwächte Menschen kann der Keuchhusten lebensgefährliche Auswirkungen haben und ist deswegen nicht als harmlose Kinderkrankheit einzustufen.

Im Stadium catarrhale, welches dem Prodromalstadium entspricht, entwickeln sich üblicherweise grippeähnliche Symptome mit leichtem Fieber, trockenem Reizhusten und Schnupfen. Dieses Stadium dauert in der Regel ein bis zwei Wochen. Obwohl hier die Symptome am unspezifischsten und am wenigsten stark ausgeprägt sind, ist hier die Ansteckungsgefahr am höchsten. Dies ist besonders tückisch, da in der Regel die Diagnose noch nicht gestellt ist und so keine entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden können.
Das folgende Stadium convulsivum (übersetzt auch das Krampfstadium, bezogen auf die Spastik der Bronchien) ist von den typischen starken, anfallsartig auftretenden Hustenattacken gekennzeichnet, die nicht selten einen Würgereiz bis hin zum Erbrechen nach sich ziehen. Der Husten ist eher trocken, jedoch kann es auch zu einem Auswurf von kleinen Mengen glasigen Schleims kommen. Klassischerweise strecken die Patienten beim Husten die Zunge hervor, was die typische Facies pertussis (also das „Pertussis-Gesicht“) ausmacht. Die auf den Husten folgende Einatmung wird oft von einem pfeifenden Geräusch begleitet (dem so genannten inspiratorischen Stridor).

Verlauf

Besonders bei kleinen Kindern sind auch häufig Einziehungen des Brustkorbs zu beobachten, welche durch die Anstrengung beim Atmen verursacht werden. Das Stadium convulsivum kann sich über zwei bis sechs Wochen hinziehen. Besonders bei Säuglingen und (seltener) bei Kleinkindern kommt es oft nicht zu dem typischen schweren Husten, sondern die Anfälle äußern sich in wiederkehrenden Apnoen (dabei handelt es sich um kurze Atemstillstände - Atemnot). Diese Atemaussetzer können leider auch lebensgefährliche Ausmaße annehmen.
In der letzten Phase der Krankheit, im Fachjargon auch Stadium decrementi (also absteigendes Stadium) genannt, nehmen die Hustenanfälle langsam an Häufigkeit, Dauer und Schwere ab. Wird der Keuchhusten nicht antibiotisch therapiert, können bis zur vollständigen Genesung bis zu sechs Wochen vergehen.

Bei allen Erkrankten können sich unabhängig von Alter und Konstitution auch atypische Verläufe etablieren. Jedoch zeigen vor allem Säuglinge und Adulte diese unklassischen Formen. Es wird geschätzt, dass bis zu 80 Prozent der Infektionen symptomlos beziehungsweise symptomarm verlaufen oder mit einer Bronchitis verwechselt werden.

Aber auch schwerwiegende bis tödliche Verläufe sind möglich. Neben den gefürchteten Apnoe-Anfällen der Säuglinge kann es im Rahmen von Komplikationen ebenfalls zu einer Lungenentzündung kommen. Circa 15 bis 20 Prozent aller Erkrankten entwickeln eine solche Pneumonie. Aber auch sekundäre Infektionen in den oberen Luftwegen (meist im Rahmen einer bakteriellen Besiedlung auf der vorgeschädigten Schleimhaut) sind häufig und gefürchtet. Seltener, aber ebenso schwerwiegend, sind generalisierte epileptische Krampfanfälle, zum Beispiel im Rahmen einer Gehirnentzündung (Enzephalitis). Mittelohrentzündungen und Komplikationen durch das Husten selber (Weichteilbrüche, Einblutungen oder Myalgien) sind ebenfalls möglich.

Differentialdiagnostisch muss hier in erster Linie eine banale Infektion der oberen Luftwege bedacht werden. Nicht selten sind beide Erkrankungen kaum zu unterscheiden, daher sollte bei ungeimpften Patienten mit hartnäckigem Husten an eine Pertussis gedacht werden.
Ebenfalls häufig im Kindesalter und leicht mit dem Keuchhusten zu verwechseln ist das Asthma. Vor allem bei kleineren Kindern ist es schwer zu differenzieren, da die erwachsenentypische Behinderung der Ausatmung fehlen kann und lediglich der chronische Husten im Vordergrund steht. Auch kann eine Inhalation bzw. Aspiration von Fremdkörpern ganz ähnlich imponieren, jedoch sind hier die typische Anamnese und die meist kürzere Dauer der Symptome für eine Abgrenzung hilfreich.

Weitere Differentialdiagnosen sind die COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung, welche in der Regel bei älteren Rauchern auftritt), der Krupp (synonym Diphtherie) bzw. der Pseudokrupp (eine teils schwere Atemnot im Rahmen banaler Infekte, welche meist nur nachts in voller Ausprägung auftritt), Tuberkulose, Epiglottitis (eine lebensgefährliche Entzündung des Kehldeckels) und gut- sowie bösartige Tumore.

Diagnose

Die Diagnose wird durch die typische Klinik gestellt, welche in der Regel erst ab dem Stadium convulsivum auftritt. Einen weiteren Hinweis gibt das Umfeld des Patienten. So sind Erkrankungen im nahen Umfeld oder die berufliche Situation (zum Beispiel Tagesmütter, Lehrer oder Erzieher) bei der Diagnosestellung zu berücksichtigen.
Bei Unsicherheit oder bei der Notwendigkeit einer sicheren Diagnose, kann Sputum aus den Luftwegen gewonnen werden. Die Probe wird auf einen Nährboden gegeben und das Bakterium so angezüchtet. Schneller und sicherer ist der Nachweis mittels PCR (polymerase chain reaction), leider ist diese Methode auch deutlich kostenintensiver und gehört daher (noch) nicht zur Routinediagnostik.

Wie bei vielen anderen Infektionskrankheiten ist auch ein Antikörpernachweis möglich. Jedoch liegt hier ein großes diagnostisches Fenster vor, da die Antikörper erst gebildet werden müssen und so zeitlich verzögert nachweisbar sind.
Als unspezifischer Hinweis tritt eine Leukozytose (also eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen) auf. Dies ist jedoch eine allgemeine Reaktion auf eine bakterielle Infektion.

Therapie

Therapeutisch kommen neben der antimikrobiellen Therapie supportive Maßnahmen zum Einsatz. Antibiotika sollten vor allem bei früher Diagnosestellung (spätestens frühes Stadium convulsivum) eingesetzt werden, da sie dann den Krankheitsverlauf mildern und teilweise auch verkürzen können. Ein späterer Antibiotikaeinsatz kann den Krankheitsverlauf nicht mehr positiv beeinflussen, denn die Symptome werden durch ein Toxin verursacht, wo Antibiotika nicht greifen. Ist das Toxin also bereits im Blut, macht eine entsprechende Therapie mit dem Ziel der Symptomminderung keinen Sinn mehr. Bei frühem Einsatz kann jedoch die Anzahl der toxinbildenden Bakterien reduziert werden.
In späteren Stadien kann jedoch eine Antibiotikatherapie die Ansteckungsgefahr für andere Kinder mindern (durch Reduktion der Gesamtanzahl an Bakterien, die über Tröpfcheninfektion übertragen werden könnten). Für den bereits Erkrankten ist jedoch kein Benefit mehr zu erwarten. Typische Antibiotika für dieses Einsatzgebiet sind Erythromycin oder andere Produkte aus der gleichen Wirkstoffgruppe (die so genannten Makrolide). Weiterhin kann eine Antibiotikatherapie mit anderen Substanzen bei sekundärer Superinfektion notwendig werden.

Auch eine Chemoprophylaxe bei sehr engem Kontakt mit Erkrankten ist sinnvoll, um das Erkrankungsrisiko zu reduzieren. Die Chemoprophylaxe entspricht dabei der antimikrobiellen Therapie bei manifester Erkrankung.

Supportiv helfen Inhalationen mit Kochsalz und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Der quälende Hustenreiz kann durch Steroide, Sympathomimetika (diese erweitern durch Eingriff in das autonome Nervensystem die Bronchien) oder durch opioidhaltige Tropfen (z.B. Codein) gemildert werden. Hilfreich ist es auch, eine für die Lunge und Bronchien reizarme Umgebung zu schaffen, z.B. in Anwesenheit des Erkrankten nicht zu rauchen wäre eine sinnvolle Maßnahme.

Das erkrankte Kind sollte zusätzlich von Ungeimpften ferngehalten werden (im Sinne einer Isolierung). Auch dürfen keine Gemeinschaftseinrichtungen (zum Beispiel der Kindergarten oder die Schule) besucht werden, solange bis die Ansteckungsgefahr nicht mehr gegeben ist. Die offiziellen Empfehlungen besagen, dass die Ansteckungsgefahr sieben Tage nach der ersten Antibiotikagabe ausreichend gering ist, dass eine entsprechende Isolation aufgehoben werden kann und ein Besuch in den entsprechenden Einrichtungen wieder möglich ist. Ohne Therapie ist eine Ansteckung von ungeimpften Kontaktpersonen bis weit in das Stadium convulsivum möglich und entsprechende Schutzvorkehrungen sind unbedingt einzuhalten.

Impfungen

Zum Glück ist die Pertussis durch konsequente Impfprogramme der STIKO zumindest in Deutschland auf dem Rückzug. Der heute verwendete Impfstoff ist sehr gut verträglich und weist eine hohe Schutzrate auf. Daher wird empfohlen, jedes Kleinkind im Rahmen der Impfprogramme mit einer Grundimmunisierung zu versorgen.

Regelmäßige Auffrischimpfungen sind nach Vorgabe der STIKO notwendig. Heute gehen die Empfehlungen soweit, dass auch Erwachsene wieder zusammen mit der Tetanus- und Diphtherieimpfung die Vakzine gegen Keuchhusten erhalten sollten. Ein Einzelimpfstoff ist zurzeit noch nicht auf dem Markt erhältlich.

Durch diese neue Maßnahme werden die Erwachsenen selber geschützt (es wurde zum Beispiel vor der neuen Empfehlung eine Zunahme der Erkrankung in der älteren Gesellschaft beobachtet, der so genannte „Oma-Keuchhusten“), aber auch das „Erregerreservoir Mensch“ wird ausgeschaltet bzw. deutlich reduziert. Auch ist eine Impfung im Erwachsenenalter insbesondere für Frauen mit Kinderwunsch sinnvoll.

So kann bei einer eventuellen Schwangerschaft die Ansteckungsgefahr des Säuglings nach der Geburt reduzieren werden. Dies ist so relevant, da vor allem in dieser Altersgruppe der Keuchhusten ein lebensbedrohliches Krankheitsbild darstellt.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert