Kehlkopfkrebs: Symptome, Therapie und Heilungschancen

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Der Kehlkopfkrebs (medizinisch Larynxkarzinom) ist eine bösartige Neubildung im Halsbereich und auch der häufigste Tumor im Kopf- und Halsbereich.

Ursache

Am häufigsten sind Männer im mittleren Lebensabschnitt betroffen, doch die Krankheitsfälle bei den Frauen nehmen kontinuierlich zu. Begründen lässt sich dies mit den Risikofaktoren, vor allem Rauchen (dabei insbesondere das Pfeiferauchen, da die Schadstoffeinwirkung am Kehlkopf und im Mundbereich höher ist als beim inhalativen Rauchen mit kurzer Kontaktzeit unmittelbar am Kehlkopf) und Alkoholkonsum (besonders hochprozentige Getränke).

Virale Infektionen durch Papillomaviren, Asbestose, Nickelstaub, Benzin oder andere Umweltfaktoren spielen eine untergeordnete Rolle. Die Einwirkung der schädigenden Einflüsse sorgt für einen chronischen Entzündungsreiz, welcher nach länger dauernder Exposition in eine Präkanzerose (Krebsvorstufe) übergehen kann.

Würde man diese Krebsvorstufe unter dem Mikroskop untersuchen, zeigt sich zu erst eine Veränderung der Zellen (Dysplasie) und im fortgeschritteneren Stadium erscheinen bereits Krebszellen, welche aber noch nicht infiltrieren oder streuen können (Carcinoma in situ).

In der Regel treten bei den Krebsvorstufen leider noch keinerlei Symptome auf. Erst wenn der Tumor in Nachbargewebe einwächst, die Funktion im Halsbereich einschränkt oder streut kommt es zu ersten Beschwerden. Diese variieren ja nach betroffenem Bereich in ihrer Ausprägung.

Symptome

Die Tumoren der Stimmlippe sind am häufigsten und fallen meist frühzeitig auf, da sie ein rechtmäßiges Schwingen der Stimmbänder behindern. So kommt es zu lang anhaltender Heiserkeit und selten zu Atemnot. Aus Angst vor einem Kehlkopfkrebs sollte jede Heiserkeit untersucht werden, welche länger als sechs Wochen besteht. Die Prognose ist insgesamt sehr günstig, da die Tumore eben früh entdeckt werden und dann meist noch nicht gestreut haben.

Kehlkopfkrebs, welcher oberhalb der Stimmlippen wächst (supraglottisch), hat eine sehr ungünstige Prognose, da Symptome meist sehr spät auftreten und dann sehr uncharakteristisch sind.

Schluckbeschwerden, Heiserkeit und Druckgefühl sind dabei typisch. Nicht selten führen erst verdickte, befallene Lymphknoten im Halsbereich zur Diagnose. Andere Kehlkopf-Bereiche sind selten betroffen. Der Verdacht wird durch eine Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) erhärtet. Sind dort Veränderungen sichtbar, sollte eine Biopsie mit feingeweblicher Untersuchung durchgeführt werden.

Diagnose

Um die Ausdehnung und Metastasierung zu beurteilen, werden bildgebende Verfahren angeschlossen. Steht die Heiserkeit im Vordergrund, kann alternativ auch z.B. ein lang anhaltender Infekt, eine Medikamenten-Nebenwirkung (vor allem ACE-Hemmer) oder eine strukturelle Schädigung möglich sein.

Differentialdiagnostisch sollte bei sichtbaren Veränderungen der Stimmlippen an so genannte harmlose Sängerknötchen gedacht werden. Diese entstehen bei hoher Stimmbelastung (z.B. Erzieher, Sänger), allerdings treten diese meist symmetrisch an beiden Stimmlippen auf und sind scharf abzugrenzen. Auch Granulome können einen Kehlkopfkrebs imitieren. Diese treten nach mechanischer Reizung auf, typisches Beispiel ist die Notfall-Intubation ("Intubationsgranulom").

Virusinfekte können auf dem Kehlkopf tumeröse, warzenähnliche Papillome bilden. Diese sollten wegen der Gefahr der Entartung bei Erwachsenen entfernt werden. Fällt die Abgrenzung zu einer bösartigen Neubildung schwer, ist eine Biopsie zu empfehlen. Da bei dem supraglottischen Kehlkopfkrebs das Fremdkörpergefühl und die Schluckbeschwerden die Hauptsymptome sind, sollte als Differentialdiagnose an eine massive Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) gedacht werden. Aber auch andere bösartige Tumoren kommen in diesem Bereich vor.

Bei bereits eingetretener Lymphknoten-Metastasierung sollte ein primärer Lymphknotenkrebs (Hodgkin oder Non-Hodgkin-Lymphom) abgegrenzt werden. Entzündliche Veränderungen der Lymphknoten gehen - im Gegensatz zu den tumorösen - meist mit einer schmerzhaften Vergrößerung einher.

Therapie

Therapeutisch steht beim Kehlkopfkrebs die Operation im Vordergrund. Häufig muss der ganze Kehlkopf entfernt werden, in frühen Stadien kann eine Teilentfernung oder eine isolierte Stimmband-Operation ausreichen. Eine Bestrahlung und/oder Chemotherapie kann ergänzend zum Einsatz kommen, um eine Metastasierung oder eine Rezidiv (erneutes Auftreten der Erkrankung) zu verhindern.

Bei ganz kleinen Tumoren kann in einigen Fällen auf eine Operation verzichtet werde und eine Kombination aus Radio- und Chemotherapie ausreichend sein. Ist es bereits zu einer Metastasierung in die Halslymphknoten gekommen, kann eine radikale Entfernung dieser betroffenen Stationen ("Neck-Dissection") heilend sein. Bei Absiedlungen in andere Organe oder bei sehr ausgedehntem Befall ist die Therapie in der Regel palliativ, d.h. Ziel ist eine Erhöhung der Lebensqualität (z.B. führt eine Reduktion der Tumormasse durch Bestrahlung oder Chemotherapie zu einer Schmerzlinderung) und nicht die Heilung.

Musste der Kehlkopf entfernt werden, ist ein konsequentes Stimmtraining nötig. Da die normale Stimmbildung nicht mehr möglich ist, werden Stimmersatzverfahren geübt (z.B. mit kontrolliertem Aufstoßen über die Speiseröhre oder über Sprechkanülen bzw. elektronische Sprechhilfen).

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert