Demenz: Ursachen, Verlauf, Diagnose
Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Nahezu eine Million Menschen in der Bundesrepublik leiden unter einer Form von Demenz. Die
Erkrankung kennzeichnet den langsamen geistigen Verfall, der zu Gedächtnisstörungen, Persönlichkeitsveränderungen
und zum Abbau des Intellekts führt. Die dabei am häufigsten in Erscheinung tretende Form ist Morbus Alzheimer, die sich bei nahezu 70 Prozent der Erkrankungsfälle nachweisen lässt.
An Demenz erkranken vorwiegend ältere Menschen. Zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr sind etwa zwei Prozent der
Weltbevölkerung betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl von ungefähr 16 Prozent bei über 80-jährigen auf
fast 30 Prozent bei Menschen über 90. Die Demenz ist mit der häufigste Grund für eine Pflegebedürftigkeit alter
Menschen.
Die Erkrankung entwickelt sich durch Veränderungen im Gehirn. Diese können unterschiedliche Ursachen haben, von
denen die wenigsten bisher genau erforscht sind.
Ursachen für Demenz
Die häufigste Form ist Morbus Alzheimer. Bei der Alzheimer Erkrankung werden immer
noch die sogenannten Amyloid-Plaques (bestimmte Eiweißbausteine) als Ursache verantwortlich gemacht. Das
Krankheitsbild ist vielfältig, was aber vor allem durch den Verlust von früheren Erkenntnissen und
Erfahrungen sowie einer zunehmenden Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit geprägt ist. Im Endstadium vergessen
Betroffene unter anderem die Nahrungsaufnahme, werden inkontinent, erkennen selbst nahe Verwandte nicht mehr und
sind vollständig pflegebedürftig.
Eine gestörte Durchblutung (sog. vaskuläre Demenz) im Gehirn führt durch die Mangelversorgung bestimmter
Hirnregionen zu dementen Erscheinungsformen (bei ca. zehn bis 15 Prozent aller Demenzen).
Neben Morbus Alzheimer und der vaskulären Demenz tritt vermehrt auch die Demenz mit
Lewykörperchen in Erscheinung. Zusätzlich führen auch Stoffwechselstörungen (Diabetes
mellitus, Vitamin-B-12-Mangel), anhaltende Alkoholexzesse (Wernicke-Korsakoff), Tumoren des Gehirns sowie spezielle Infektionen (Creutzfeldt-Jacob)
zu einer Demenz. Eine weitere häufig übersehene Ursache ist der sog. "Altershirndruck", der bei bis zu 10% aller
Demenzkranken gefunden werden kann. Beim Altershirndruck kommt es typischerweise zu einer
Demenz, Gangstörungen und auch einer Inkontinenz.
Eine genetische Vererbung der Demenzerkrankungen gilt als eher unwahrscheinlich.
Verlauf von Demenzerkrankungen
Die Demenz ist durch ihren langsamen und stetig an Intensität zunehmenden Verlauf gekennzeichnet. Dabei kommt es
zuerst zu Konzentrationsstörungen, aktuelle Erfahrungen und Erkenntnisse können nicht behalten werden (Störung des
Kurzzeitgedächtnisses), länger zurückliegende Ereignisse sind dagegen präsent. Im Verlauf verstärken sich
Lernschwächen, Gedächtnisfähigkeit und Denkprozesse. Zusätzlich zeigen sich Sprachstörungen (abgehackte, sinnlose
Sätze oder plötzlich fehlender Wortschatz). In der Anfangsphase sind Betroffene noch in der Lage, ihre plötzlichen
Störungen bewusst wahrzunehmen. Daraus resultiert eine Hilflosigkeit, es droht der Rückzug aus dem aktiven Leben,
der häufig in einer Depression endet.
Mit Zunahme der Symptomatik verändert sich auch die Bewusstseinslage. Erkrankte bemerken ihren langsamen Verfall
nicht, vergessen alltägliche Handlungsabläufe (z.B. wie man Kaffee kocht, dass man sich ernähren muss oder sogar
den Gang zur Toilette). Es zeigt sich eine Persönlichkeitsveränderung mit zum Teil aggressivem oder euphorischem
Verhalten, nahe Verwandte werden nicht mehr erkannt (sie lösen zum Teil auch Angstzustände beim Betroffenen aus),
eintretende Halluzinationen lassen Erkrankte für Außenstehende sinnlos wirkende Dinge tun (z.B. Dinge vom Boden
aufheben, wo gar keine sind). Demenzkranke wirken häufig müde, antriebslos und weisen eine geringe Mimik auf. Das
Spätstadium führt zu einer vollständigen zeitlichen und örtlichen Desorientiertheit, sämtliche Fähigkeiten gehen
verloren, so dass Betroffene rund um die Uhr betreut werden müssen. Nicht selten endet die Erkrankung in einer
Bettlägerigkeit.
Durch neuropsychologische Tests (Überprüfung der Lern- und Denkfähigkeit, Logiktests) in Kombination mit einer
ausführlichen Anamnese (hier bedarf es der Unterstützung durch Angehörige) kann die Diagnose häufig schnell
gestellt werden. Die Symptomatik ist sehr ausgeprägt und zeigt sich in Teilen auch bei einer Vielzahl anderer
Erkrankungen. Zusätzlich können CT und MRT genutzt werden, um Abbauprozesse im Gehirn darzustellen. Das EEG misst
Hirnströme und dient als Nachweis der Gehirnaktivität.
Schulmedizinische Therapie
Die schulmedizinische Therapie richtet sich nach der vorliegenden Demenzform. Vaskuläre Störungen erfordern eine
Normalisierung der Durchblutung. Bei frühzeitiger Diagnose können diese Störungen beseitigt werden. In den meisten
Fällen ist eine Umkehr der Störung im Gehirn aber nicht möglich, zugrunde gegangene Hirnareale können nicht neu
gebildet werden. Hier zielt die Therapie auf das Aufhalten bzw. Verlangsamen der Erkrankung ab.
Morbus Alzheimer wird vor allem medikamentös behandelt. Zusätzlich unterstützen
regelmäßiges Gedächtnistraining und Physiotherapie (Sport, Bewegung).
Der Altershirndruck kann gesenkt werden durch eine Punktion des Rückenmarks und einer Entnahme von Hirnwasser.
Das müsste dann aber alle paar Wochen wiederholt werden. Als Alternative werden Operationen angeboten, wobei ein
sog. ventrikuloperitonealer Shunt eingesetzt wird. Heute wird auch ein sog. Gravitationsventil ins
Hirn eingesetzt. Anders als frühere Ventile, passen sich die Gravitationsventile der Lage des Patienten
an (Liegen, Sitzen, Stehen).
Die stark fortgeschrittene Demenz führt zu einer vollständigen Abhängigkeit von helfenden Personen, die unter
anderem darauf achten müssen, dass der Betroffene ausreichend Nahrung und Flüssigkeit zu sich nimmt, dass er zur
Toilette geht und dass er sich selbst nicht schadet (z.B. durch einen angelassenen Herd).
Durch den Verlust aller lebensnotwendigen Fähigkeiten führen die meisten Demenzen in ihrem langwierigen Verlauf
über Jahre zum Tod.

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