Heiserkeit - Symptome, Ursachen und Behandlung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Heiserkeit ist definiert durch eine Beeinträchtigung der Stimme, bei welcher sich der Klang und die Lautstärke verändert. Dies kann bis zur Stimmlosigkeit führen, so dass nur noch ein Flüstern möglich ist.

Um die Ursachen zu verstehen, muss man sich erst einmal klar machen, wie Stimme eigentlich entsteht.

Diese wird im Kehlkopf gebildet, genauer an den so genannten Stimmlippen mit den Stimmbändern. Beim Sprechen spannen sich bestimmte Kehlkopfmuskeln an und straffen die Stimmlippen. Vorbeiströmende Luft bringt diese dann zum Schwingen, dadurch entstehen dann die Töne.

Heiserkeit ist eines der häufigsten Symptome in der Medizin, jeder leidet in seinem Leben mehrmals darunter. Meist heilt die Stimmstörung innerhalb weniger Tage ab, sollte sie länger als vier bis sechs Wochen bestehen oder tritt zusätzlich Atemnot auf, muss ein Arzt aufgesucht werden, da zum Teil bedrohliche Erkrankungen dahinter stecken können.

Ursache

Die mit Abstand häufigste Ursache für Heiserkeit ist ein Infekt der oberen Luftwege (banale Erkältung), in der Regel handelt es sich dabei um virale Infektionen. Ist der Kehlkopf mit betroffen (Laryngitis), können die Stimmbänder durch die Entzündung und der daraus resultierenden Schwellung nicht mehr frei schwingen und es kommt zu dem typischen Stimmverlust.

Meist liegen gleichzeitig ein rauer, kratziger und trockener Hals mit entsprechenden Räusperzwang, Husten und Schnupfen vor. Diese Heiserkeit ist meist harmlos und verschwindet in aller Regel ohne weitere Therapie. Bei Kindern kann es als Komplikation zum Pseudokrupp (Laryngitis subglottica) kommen, scharfe Atemgeräusche (Stridor) und bellender Husten sind wegweisend.

Ähnlich entsteht die Heiserkeit durch akute Überbeanspruchung der Stimme, z.B. nach einem Konzert oder Fußballspiel. Ebenso führt das Einatmen von Tabakrauch, sehr kalter oder trockener Luft zu gleichen Symptomen. Auch dabei kommt es zu einer Entzündungsreaktion mit den gleichen Folgen wie bei einer Erkältung.

Bei Rauchern ist das zusätzliche Anschwellen in der Nähe der Stimmbänder ("Reincke-Ödem") typisch. Dauert die Belastung der Stimme an, vor allem bei den sprechenden Berufen wie z.B. Lehrer, Erzieher oder Sänger, kann die Heiserkeit über lange Zeit hinweg bestehen. In einigen Fällen versuchen sich die Stimmbänder der Belastung anzupassen und bilden reaktiv so genannte Sänger- oder Schreiknötchen aus. Diese sind absolut gutartig und verschwinden oft unter konsequenter Stimmschonung.

Als endogene Faktoren führen eine Schilddrüsenunterfunktion (durch das so genannten Myxödem), eine Schilddrüsen-Struma (durch mechanische Verdrängung) oder physiologische Vorgänge im Alter (die Spannung der Stimmbänder lässt nach, „Greisenstimme“) zur Heiserkeit. Sehr gefährlich ist die Heiserkeit durch Allergien. Dabei schwillt der Rachenraum zu, was nicht selten zu teilweise lebensgefährlicher Luftnot führen kann. Es handelt sich um einen absoluten medizinischen Notfall. Davon abzugrenzen ist die Pseudoallergie durch Medikamente.

Häufiges Beispiel ist Heiserkeit und Reizhusten durch die Einnahme von ACE-Hemmern (z.B. Ramipril). Diese Nebenwirkung tritt bei ca. 20 Prozent der Patienten unter Therapie auf und wird leider oft im klinischen Alltag übersehen. Bei einem Wechsel der Wirkstoffklasse verschwinden die Symptome vollständig.

Bei langandauernder Heiserkeit, vor allem bei älteren Männern mit Risikofaktoren wie Nikotin- und Alkoholkonsum, muss auch an einen Kehlkopfkrebs gedacht werden. Betrifft dieser die Stimmlippen, kommt es schon sehr früh zur Heiserkeit. Durch die frühe Symptomatik ist die Prognose entsprechend gut.

Rachen-Malignome ohne Stimmbandbeteiligung werden nicht selten erst nach Metastasierung in die Halslymphknoten entdeckt, die Prognose ist ungünstig. Nach Operationen im Halsbereich, vor allem nach Schilddrüsen-Operationen, muss auch an eine Lähmung der Kehlkopfmuskeln (Recurrensparese) gedacht werden. Dies führt zu einer Störung der Stimmlippenbeweglichkeit und somit zur Stimmschwäche und Heiserkeit. Bei einer beidseitigen Recurrensparese kommt es zusätzlich zu starker Atemnot.

Zentrale Lähmungen des Kehlkopfs treten nach Schlaganfall, Gehirnblutungen oder Vagus-Störungen auf. Neben Heiserkeit und Stimmschwäche sind Schluckbeschwerden typisch. Seltene Ursachen sind mechanische Belastung (Unfällen, Verätzungen, Verbrühungen oder Fremdkörperaspiration), Intubations-Granulome (nach Langzeitbeatmung, Notintubation), eine Tuberkulose oder Sarkoidose im Halsbereich, hereditäres Angioödem (durch C1-Esterase-Mangel), berufliche Belastung mit reizenden Arbeitsstoffen (Berufskrankheit), Polypen (z.B. durch Infektionen mit Papillomaviren), Diphtherie (Krupp) und Epiglottitis (durch Impfungen gegen Diphtherie und Haemophilus influenza als Auslöser der Epiglottitis in Deutschland nahezu verschwunden).

Konnte trotz intensiver und vollständiger Diagnostik keine Ursache für die Heiserkeit gefunden werden, muss als Ausschlussdiagnose auch an eine psychogene Entstehung gedacht werden.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert