Wenn ich schon "Freihandeszone Mercosur" höre! Da gibt es keinen freien Handel! Denn es ist kein Markt von Gleichen. Argentina und Brazil sind die Länder, die bestimmen, wo es langgeht. Paraguay ist klein und machtlos. Die diktieren sogar, was sie für den Strom der Wasserkraftwerke bezahlen wollen. Muckt Paraguay auf, dann kommt z.B. Argentina mit einer Flußmaut um die Ecke. Das Binnenland Paraguay muss alle Zoll- und Mautkröten der großen Länder schlucken.
Es ist jedenfalls interessant von einem Anwohner zu hören, was das Abkommen für wirtschaftlich schwache kleine Länder bedeutet.
Wobei Paraguay insgesamt mehr als 50 Länder beliefern soll und auch wenn nicht hauptsächlich, auch teilweise die EU.
Aber ich selbst glaube mittlerweile, dass die Bauernproteste den Fokus auf dieses Abkommen bei uns in der EU etwas weg von den dahinterstehenden Zielen verlagert haben. Weg von dem, was unserer Industrie wichtig ist.
Jede Wirtschaft treibt Handel mit anderen Ländern, um wichtige Waren einzukaufen und ihre Waren zu verkaufen. Denn auch die EU befindet sich in verschiedenen Anhängigkeiten. Dabei darf man nicht vergessen, dass unser Hauptexportland die USA sind.
Jedes Wirtschaftsabkommen hilft dabei, die EU etwas weniger abhängig von den USA und China zu machen.
Der Handel mit den Mercosur-Ländern läuft auch ohne das Abkommen. Nur zu ungünstigeren Bedingungen.
Weniger wird z.B. darüber geschrieben, dass wir aus diesen Ländern auch anteilig diverse seltene Erden wie Lithium, Aluminium, Grafit, Tantal und Niob, sowie Bioenergie-Rohstoffe geliefert bekommen und dass de EU-Länder im gleichen Umfang ihre Waren in die Mercosur-Länder verkaufen.
Deutschland selbst hatte 2023 z.B. einen Exportüberschuss in diese Länder, überwiegend nach Brasilien, von gut 11 Milliarden Euro.
Deutsche Exporte: Ca. 26,2 Mrd. Euro
Importe aus Mercosur: Ca. 15,2 Mrd. Euro
Der Außenhandel mit Mercosur machte damit etwa 1 % der deutschen Gesamtexporte aus.
Deutschland exportiert vor allem: Maschinen und Fahrzeuge, Chemie- und Pharmaprodukte, 2023 für 238 Mio. US-Dollar Lebensmittel und Getränke (z. B. Bier, Schokolade, Spezialitäten wie „Lübecker Marzipan“)
Es scheint eher, dass die Bauern der EU angesichts der geopolitischen Turbulenzen nun durch weitere Diversifikation der Lieferketten durch die verbesserten Exportmöglichkeiten des Abkommens gleichzeitig möglicherweise weitere Nachteile erleiden werden, auch wenn dieser Handel insgesamt auf einem vergleichsweise niedrigem Niveau liegt.
Gerade für Deutschland geht es dabei offensichtlich viel stärker um den Export der eigenen Waren, als um den Import.
tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/mercosur-eugh-verzoegerung-wie-weiter-100.html

