Ernährungslehre nach TCM
Die Ernährungslehre nach TCM basiert grundlegend auf den zuvor beschriebenen Konzepten und dem daraus resultierenden Verständnis von Gleichgewicht/Harmonie (= Gesundheit) bzw. dem Erkennen von Disharmonien und deren Ausgleich.
Über die zuvor erwähnten diagnostischen Methoden (Zungen-/Puls-/Antlitzdiagnose und ausführliches Gespräch) können Disharmonien festgestellt werden. Diese Disharmonien können einen Funktionskreis betreffen (oder meist mehre) und/oder grundlegende Bereiche wie Yin und Yang, Qi, Blut/Säfte.
Wie zuvor schon bei Yin und Yang erwähnt, kann es auch Qi-Mangel, Blut-Mangel und Säfte-Mangel geben. Weiters gibt es noch Stagnationen (wenn etwas gestaut ist statt frei zu fließen) und Problematiken mit Hitze, Kälte, Wind, Feuchtigkeit – alles das in verschiedensten Kombinationen wie z.B. FeuchteKälte, FeuchteHitze u.v.m.
Nachdem im ausführlichen Patientengespräch Symptome und viele, viele Details u.a. über die Ernährungsgewohnheiten gesammelt und gestützt auf die diagnostischen Methoden die Disharmonien festgestellt wurden, wird ein individuelles therapeutisches Konzept inkl. Ernährungskonzept erstellt.
Das therapeutische Konzept bezieht sich dabei nicht ausschließlich auf Ernährung, sondern berücksichtigt auch psychosoziale Faktoren, woraus auch Vorschläge in anderen Lebensbereichen resultieren wie Stress-/Zeit-Management, Ärger-Management, Bewegung/Sport u.v.m.
Es ist wichtig, dem Klienten sehr gut zuzuhören und sich ein umfassendes Bild seiner Lebenssituation aber auch seiner Gewohnheiten (über Ernährungsgewohnheiten hinaus) zu machen. So wird man einem Klient mit einer ausgeprägten Feuchtigkeitsproblematik, der seinen Urlaub am liebsten in der Therme verbringt, u.a. dringend ans Herz legen, Dampfbad tunlichst zu vermeiden und stattdessen besser in die Sauna zu gehen.
Wenn man die Grundlagen der Disharmonien und den Zusammenhang zwischen den Funktionskreisen und deren Interaktionszyklen einmal wirklich verstanden hat, sind das Konzept der Ernährungslehre nach TCM und die Möglichkeiten zur Behebung von Disharmonien im Grunde extrem logisch und nachvollziehbar. Es gibt allerdings extrem viele Disharmonien: 5 Elemente mit je 2 Zang-Fu-Organen/Funktionskreisen, die die verschiedensten Disharmonien wie o.a. Hitze/Kälte/Stagnationen etc. haben können, das ergibt schon mal zig Disharmonien. Dazu kommt, dass es kaum jemanden gibt, der nur eine einzige Disharmonie hat – es gibt also noch unzählige Kombinationen, bei denen man die grundlegende Ursache finden/wissen muss, um das richtige Konzept zu erstellen, ohne andere vorhandene Disharmonien zu verschlechtern.
Es ist also wichtig, einen gut ausgebildeten TCM-Therapeuten zu wählen.
Zumindest in Österreich dauert die Ausbildung in TCM-Ernährungslehre 2 Jahre und umfasst neben TCM-Ernährungslehre selbst auch Zungen-/Puls-/Antlitzdiagnose, wie es auch ein TCM-Arzt lernt, und Kräuterkunde. Im Gegensatz zu TCM-Ärzten dürfen TCM-Ernährungsberater aber nicht Akupunktur anbieten.
Grundsätzlich empfiehlt es sich – bei nicht-akuten! – Beschwerden, zuerst nach TCM-Ernährungslehre gegenzusteuern und wenn nötig mit Kräutern, die ebenfalls der TCM-Ernährungsberater zusammenstellen/empfehlen kann. Damit lassen sich nämlich überraschend viele Disharmonien beheben – oft sogar Krankheiten, bei denen die westliche Medizin wenig oder gar nichts ausrichten kann oder Chemiekeulen einsetzt, die der Klient nicht nehmen möchte.
In manchen Fällen ist zusätzlich das Hinzuziehen eines TCM-Arztes sinnvoll, der manche Disharmonien noch schneller ausgleichen kann als man es mit einer Ernährungsumstellung kann. In den meisten Fällen ist es aber zielführend, den Klienten zuerst die Erfahrung machen zu lassen, wieviel er selbst zur Verbesserung seiner Symptome beitragen kann (durch Ernährung und ggf. Änderung gewisser Gewohnheiten), dass er also seine Gesundheit selbst in der Hand hat.
Das ist in meinen Augen der wesentliche Vorteil von Ernährung nach TCM-Ernährungslehre: Man kann dadurch Problematiken erkennen – oft deutlich früher und umfassender als mit Methoden der westlichen Medizin – und lernt, seinem Körper das Passende zuzuführen und seine Gesundheit auch proaktiv in die eigene Hand zu nehmen.
Ist nicht jedermanns Sache, es gibt aber erfreulicherweise immer mehr Menschen, die genau das wollen.