PSA Wert

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Das prostataspezifische Antigen (PSA, Semenogelase, Kallilkrein-3) ist ein Eiweißstoff (Protein), der von der Prostata (Vorsteherdrüse) des Mannes, in Abhängigkeit von männlichen Sexualhormonen, gebildet wird. PSA dient dem männlichen Samen als eine Art Gleitmittel, es verhindert Verklumpungen durch Lyse und hält Sperma flüssig. 

Auch Frauen verfügen über das PSA, bei ihnen wird es in der Glandula paraurethralis („weibliche Prostata“, Skene-Drüse) produziert. Die Drüsenausführungsgänge münden in den Bereich der unteren Harnröhre und spielen vermutlich eine Rolle beim sexuellen Höhepunkt der Frau (dies ist noch nicht ausreichend erforscht). Die sezernierte Flüssigkeit ähnelt der des Mannes und weist nahezu identische Enzyme auf.

Die Tatsache, dass PSA beim Mann ausschließlich in der Prostata gebildet wird, hat sich die Medizin zu Eigen gemacht, indem sie das spezifische Antigen als Marker bzw. Tumormarker zur urologischen Untersuchung nutzt. Bei einer gesunden Prostata gelangen nur geringe Spuren des PSA in den Blutkreislauf. Der Normwert liegt bei bis zu 4 ng/ml Serum. Bei Schädigung der Prostata kommt es zu einer vermehrten Abgabe des PSA ins Blut, der Wert steigt dann auf über 4 ng/ml.

Eine PSA-Wert-Bestimmung wird immer dann durchgeführt, wenn der Verdacht einer gutartigen oder bösartigen Veränderung der Prostata vorliegt oder auch bei familiärer Disposition (Vorbelastung bzw. Wahrscheinlichkeit durch Erkrankungsfälle in der Familie). Die urologische Untersuchungsmethode der Wahl ist dabei die digital-rektale Palpation, bei der der Arzt über den Darmkanal die Prostata aufsucht, um sie abtasten zu können. Auffälligkeiten im Blutbild können ebenfalls Anlass zu einer PSA-Kontrolle sein.

Eine Erhöhung des PSA im Serum kann auf eine gutartige Vergrößerung (benigne Prostatahyperplasie), eine Entzündung (Prostatitis), einen Prostatainfarkt (sehr selten) oder das Prostatakarzinom hinweisen. Zur gesicherten Diagnose müssen anschließend weitere Untersuchungen erfolgen (z.B. die transrektale, sonographisch gesteuerte Biopsie), der PSA-Wert allein ist nicht aussagekräftig genug.

Generell wird der PSA-Test als „Frühwarnsystem“ für ein Prostatakarzinom gesehen. Dabei ist zu beachten, dass gut ein Drittel aller, durch einen erhöhten PSA-Wert als Karzinom-verdächtig eingestufter Männer gesund ist, der Test somit fehlinterpretiert wurde.

Das Prostatakarzinom kann in seinem Verlauf zu einem Anstieg des PSA-Wertes über 1.000 ng/ml führen. Ist die vollständige Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) unumgänglich, reguliert sich der PSA-Wert normalerweise innerhalb der ersten Wochen nach Operation auf eine kaum mehr messbare Konzentration. Der Wert fällt auf unter 0,2 ng/ml ab, was als Nachweis der vollständigen Tumorentfernung gewertet werden kann. Im Verlauf der Nachsorge wird dieser Wert weiterhin regelmäßig kontrolliert. Kommt es in dieser Zeit zu einem erneuten Anstieg des PSA im Blut, kann das ein Hinweis auf ein Rezidiv sein, der zuvor entfernte Tumor hat möglichweise gestreut. Eine frühzeitige Erhöhung des PSA-Wertes spricht für eine Metastasierung, welche operativ behandelt werden muss. Ein sich erst nach Jahren wieder erhöhender Spiegel deutet eher auf ein Lokalrezidiv in der Region der Prostata hin. Hier ist das Mittel der Wahl die Bestrahlung, mit der bereits ab Werten um 0,5 ng/ml begonnen werden sollte. Eine erneute Operation wird nicht angestrebt.

Der PSA-Wert ist abhängig von mehreren Faktoren. Das Antigen liegt im Blut sowohl in gebundener als auch in freier Form vor. Dabei beträgt die Halbwertszeit des gebundenen PSA bis zu 72 Stunden, während die freie Form eine Halbwertszeit von zwei bis drei Stunden aufweist. Durch rektale Manipulation, Fahrradfahren oder Reiten z.B. kann es zu kurzfristig erhöhten Werten kommen. Daneben spielen das Alter und auch das Gewicht eine Rolle. So zeigt sich bei einigen stark übergewichtigen Personen ein eher erniedrigter PSA-Wert verglichen mit Menschen mit normalem BMI (Body Mass Index). Eine Erhöhung des Wertes lässt sich u.a. bei Männern im höheren Alter feststellen. Und auch einige Medikamente (zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung) beeinflussen das PSA. All diese Faktoren sprechen dafür, dass der PSA-Wert nicht als alleiniges bzw. gesichertes Kriterium zur Erkennung von Prostataerkrankungen genutzt werden kann.

Mediziner raten zu einer regelmäßigen Kontrolle des PSA-Wertes im Rahmen der urologischen Untersuchung ab dem 50. Lebensjahr. Mehr als 40 Prozent der über 50-jährigen und gut 60 Prozent der über 80-jährigen erkranken an einem Prostatakarzinom. Bei gemessenen Konzentrationen um 1ng/ml erachten Mediziner einen Drei-Jahres-Rhythmus zur Kontrolle als ausreichend. Bei höheren Konzentrationen im Blut verkürzt sich der Kontroll-Rhythmus entsprechend. Und auch bei familiärer Disposition wird die regelmäßige, engmaschige Kontrolle empfohlen.

Bedingt durch die vielen Faktoren, die den PSA-Wert beeinflussen können, hat die Medizin sich mittlerweile, neben dem Normwertbereich, auf eine Art Grauzone verständigt. Hierbei handelt es sich um PSA-Werte, die einen Anhaltspunkt (eher eine Vermutung) auf eine Veränderung der Prostata geben können. Diese Werte liegen zwischen 4 und 10 ng/ml Serum.
Sowohl die digital-rektale Palpation als auch die Bestimmung des PSA-Wertes führen zusammen zu einer Erkennungsquote von ca. sechs Prozent aller Erkrankungsfälle. Zusätzliche Untersuchungsmethoden, wie die Biopsie z.B., erhöhen die Trefferquote deutlich.

Die Bestimmung des PSA-Wertes ist in den letzten Jahren in die Kritik gekommen. Die Tatsache, dass es mittlerweile mehr als einhundert verschiedene Testverfahren auf dem Markt gibt, die jeweils auch unterschiedliche Normwerte besitzen, scheint viele Männer verunsichert zu haben.

Etliche Faktoren können das Testergebnis beeinflussen und somit eventuell verfälschen. So zeigen sich bei an einem Prostatakarzinom erkrankten Menschen in bis zu 30 Prozent der Fälle durchaus gute PSA-Werte, die keinen Anlass zu weiteren Untersuchungen geben. Bedenkt man dabei, dass eine Vergrößerung der Prostata auch für einen versierten Arzt erst ab ca. sieben Millimeter tastbar ist, kann dies weitreichende Folgen für den Erkrankten haben. Im Gegenzug dazu gibt es viele diagnostizierte Fälle, die eigentlich keiner weiteren Behandlung bedürfen, die jedoch anhand eines veränderten PSA-Wertes zu ausgeweiteten Therapien geführt haben (was auch Einschnitte im weiteren Leben bedeuten kann, besonders in Hinblick auf ein eventuell nicht mehr mögliches Sexualleben oder eine mögliche Inkontinenz).

Eine in Schweden durchgeführte Studie konnte belegen, dass es mit und ohne PSA-Wert-Bestimmung keine signifikanten Unterschiede bei der Früherkennung von Prostataveränderungen gibt. Es wurden weder mehr noch weniger Erkrankungen diagnostiziert. Zudem hat das Testergebnis keinerlei Einfluss auf eine eventuell prognostizierte höhere Lebenserwartung, was, insgesamt betrachtet, den Wert und die Aussagekraft des doch weiterhin propagierten Tests in Frage stellt.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 17.03.2015 aktualisiert