Ölziehen: Über das Ölkauen oder Ölschlürfen...

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Ölziehen oder Ölsaugen (auch Ölkauen oder –schlürfen genannt) hilft entgiften und damit bei der Regulation des Energiehaushaltes des Körpers. Krankheitserreger können auf diese Weise den Organismus schneller verlassen.

Morgens, direkt nach dem Aufstehen, wird etwa ein Esslöffel Öl fünf bis zehn Minuten im Mund hin und her bewegt, gekaut und durch die Zähne gezogen, bis es sich mit dem Speichel zu einer milchigen Lösung vermischt hat.

Das Öl (je nach Ölsorte) enthält antibakterielle Komponenten, hält die Schleimhäute geschmeidig und macht sie unempfindlicher für Verletzungen.

Ölziehen - Ölziehkur

Hat man das Öl ausgespuckt, folgt eine gründliche Mundspülung. Die Zähne werden (nur mit warmem Wasser) geputzt. Das Ganze kann im Laufe des Tages ein bis dreimal (Letzteres bei chronischen Leiden) wiederholt werden.

Alternativ reibt man ein paar Tropfen in die Nasenöffnung und zieht diese einatmend hoch. Wer möchte, kann dem Öl ein paar Tropfen Zitronensaft beimischen.

Der intensive Saugreflex soll dafür sorgen, dass das Blut drei- bis viermal so schnell wie gewohnt die Drüsen durchfließt. Wie eine Art Magnet zieht das Öl gelöste Toxine, Mikroben und Säuren an und schließt sie ein. Umweltgifte wie Quecksilber aus Amalgamfüllungen verlassen den Mundraum, die Zahnsteinneubildung soll verhindert werden.

Nasengänge, Nebenhöhlen und Ohrgänge reinigen sich im Zuge der Prozedur gut selbst, das mechanische Hin- und Herbewegen regt den Stoffwechsel des Rachenlymphgewebes an.

Ölsaugen in der Ayurvedischen Medizin

In der traditionellen indischen Medizin gilt Kokosöl als das beste Pflanzenöl für das Ölziehen. Einer Studie zufolge liegt dies an der Laurinsäure, die in Kokosöl reichlich enthalten ist. Die antibiotische Fettsäure bekämpft Krankheitserreger im Mundraum und verhindert Entzündungen des Zahnfleisches. Parodontose mit darauf folgendem Zahnausfall wird so weitgehend vermieden, wenn das Ölziehen regelmäßig getätigt wird. Die positiven Wirkungen auf den gesamten Magen-Darm-Trakt beeinflussen alle Organe und sollen so bis zu 30 systemische Erkrankungen lindern.  

Auch gereiftes (zuvor auf 110 Grad erhitztes) Sesamöl soll Giftstoffe besonders gut aufnehmen. Nach dem Ayurveda-Prinzip führt eine Ansammlung von „Ama“, allen Arten von Giftstoffen, zum Beispiel aus unverdauter Nahrung, Fäulnisprozessen und Speiseresten im Mundraum zu Bakterien-, Pilz- und Virenbefall sowie Ablagerungen in den Zellen und damit über kurz oder lang zu Erkrankungen.

„Unverdaute“ Emotionen und Erfahrungen vergiften das geistig-körperliche Milieu ebenfalls. Gereinigtes, gereiftes Sesamöl (kein Sonnenblumenöl) wird hier für wenige Minuten angewendet.

Zusätze ätherischer Öle intensivieren die Wirkung des Ölziehens. Die Anwendung erfolgt in einer Dosierung von 3 Tropfen pro Esslöffel. Empfehlenswert sind vor allem die Extrakte aus Zitrone, Orange und Pfefferminze. In neuerer Zeit haben sich auch homöopathische Zubereitungen als Ergänzung der Öle durchgesetzt. Zimt-, Nelken- und Teebaumöl sind Grundlage solcher Präparate.    

Die Ölziehkur nach Karach

In den 1980er Jahren vermittelte der russische Wissenschaftler Fedor Karach im Rahmen eines Vortrags vor der Ukrainischen Wissenschaftlichen Gesellschaft die Vorteile seiner Ölziehkur: Ein gesundes und vor allem langes Leben. Karach war überzeugt, dass Giftstoffe den Körper daran hinderten, auch nur annähernd 100 Jahre alt zu werden, - eine Auffassung, die er mit den die traditionelle russische Volksmedizin praktizierenden sibirischen Schamanen teilt. Zu Beginn der 1990er Jahre erreichte Karachs Heilverfahren schließlich auch Westeuropa.

Auch eine Entdeckung der russischen Volksmedizin, die sich der Entgiftung und Entschlackung über Milchsäurebakterien verschrieben hat: Kwasz, ein aus Kartoffeln oder Brot (Brottrunk) hergestelltes Getränk.

Karach versprach sich neben entgiftenden Effekten auch Linderung bei:

Nicht zuletzt soll eine solche Kur schön machen: Sämtliche Muskeln werden trainiert, das Gewebe hinreichend mit zellerneuernden Stoffen versorgt.

Das hört sich natürlich nach eine Universalheilmittel an -- was es nach meiner Erfahrung aber nicht ist.

Dennoch: Allgemein gelten Ölziehkuren als entgiftend, entsäuernd und die Immunabwehr stärkend - also ein ideales Mittel, um die Selbstheilungskräfte des Organismus neu zu aktivieren und auch die Anfälligkeit für grippale Effekte zu vermindern: Das Hin- und Herbewegen des Öls im Mund regt die Speicheldrüsen zu vermehrter Produktion an, etwa von Lysozym, das die Hülle von Bakterien aufzulösen. Und HNO-Ärzte bestätigen: Eine feuchte Schleimhaut ist für Krankheitskeime weniger anfällig.

Welches Öl?

Verwenden Sie nur kaltgepresstes Sesam-, Kokos- oder Sonnenblumenöl aus kontrolliert biologischer Erzeugung. Kaufen Sie lieber kleinere Portionen Öl in dunklen Glasflaschen: Einmal angebrochen, altert es schnell.

Verschließen Sie das Gefäß gut und lagern Sie es an einem dunklen und kühlen Ort, bevorzugt im Kühlschrank. Neben den genannten Ölen eignen sich auch Oliven-, Schwarzkümmel- und Kernöle, etwa von Trauben, Schwarzer Johannisbeere oder Sanddorn.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 06.09.2017 aktualisiert

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