Pulsatilla: Das homöopathische Arzneimittelbild

Mittelherkunft und arzneiliche Wirkung von Pulsatilla

Bei Pulsatilla pratensis bzw. Anemone pratensis (von anemos, Wind und pulsare, bewegen) handelt es sich um eine heimische Pflanze mit der deutschen Bezeichnung Wiesenküchenschelle oder auch Wiesenkuhschelle aus der Familie der Ranunculacea.

von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

Alle Teile der frischen, während der Blütezeit gesammelten ganzen Pflanze werden verwendet.

Hahnemann prüfte Pulsatilla an Männern und Frauen (darunter seine eigene Frau) und führt 1153 Symptome auf.

Kern des Mittels in der Homöopathie

Verhalten und Erscheinungsbild dieser Pflanze bilden die charakteristischen wie äußerst vielfältigen Symptome nahezu bildhaft ab: Bewegt durch jeden Windhauch, ändert sie ständig ihre Position. Ähnlich verhält es sich mit den Symptomen der Substanz.

Schmerzen verschwinden an einer Körperstelle, um an einer anderen wieder aufzutauchen, mal äußerst intensiv, dann wieder unerwartet mild. Mal rötet sich die Haut, kurz darauf wirkt sie auffällig blass. Durchfälle und Verstopfung wechseln sich ab. Insgesamt alles Zustände, die miteinander in krassem Widerspruch stehen, denn: Pulsatilla ist launisch.

Ursachen für entsprechende Beschwerden sind u. a. in Durchnässung und Auskühlung, falscher Ernährung sowie (unterdrückten) Belastungen und Sorgen zu suchen.

Pulsatilla und seine Funktionskreise

Pulsatilla ist angezeigt bei Problemen der weiblichen Geschlechtsorgane während Pubertät und Menstruation, Menopause und Schwangerschaft sowie bei Beschwerden der männlichen Geschlechtsorgane mit Prostata und Nebenhoden.

Neben Gefäß- und Venenproblematiken sind die Schleimhäute (Magen, Nase, Hals und Bronchien, Ausscheidungsorgane) ein großes Thema: Starke gelblich-grüne Absonderungen prägen das Bild. Leber und Galle wiederum kämpfen mit dyspeptischen Verdauungsstörungen.

Mögliche auftretende Symptome und Beschwerden:

  • Schwindel, besonders morgens und beim Bücken, mit Übelkeit,
  • schwerer Kopf und klopfender Kopfschmerz, verursacht durch Überanstrengung oder Verdrängung von Bedürfnissen,
  • juckende Kopfhaut,
  • trockene Augen und geschwollene Lider, morgens verklebt,
  • Entzündungen des Tränenkanals, (Augenkrankheiten)
  • Ohrgeräusche, entzündeter Gehörgang und Juckreiz am Ohr, HNO
  • chronischer Schnupfen mit Wechsel von laufender und verstopfter Nase,
  • Nasenbluten,
  • rissige Lippen,
  • einseitige Gesichtsneuralgien, oft mit Tränenfluss,
  • bitterer Geschmack (vor allem von Brot) mit Brechreiz,
  • allgemein starker Durst, jedoch nicht bei Fieber,
  • kommende und gehende, trockene Heiserkeit,
  • Engegefühl in der Brust beim Atmen,
  • häufiges Erbrechen, quälendes Völlegefühl und Blähungen,
  • kalte Füße führen schnell zu Blasenschwäche,
  • Schwellungen des Hodens,
  • unregelmäßige, verspätete und schwache Monatsblutung.

Symptome verschlimmern sich

  • durch Wärme (warme Räume, Kleidung und Sonnenwärme),
  • am Anfang von Bewegungen,
  • durch Schlafen und Liegen auf der (vor allem) linken Seite,
  • durch nasse Füße,
  • nach dem Verzehr von Fettem, Eiern und Butter,
  • nach heißen Speisen und Getränken,
  • durch Tabak,
  • bei Gewitter und in der Dämmerung,
  • vor der Menstruation (PMS),
  • während Pubertät, Schwangerschaft und Klimakterium.

Verbesserungen ergeben sich

  • draußen im Freien und an frischer Luft,
  • durch kalte Speisen und Getränke,
  • durch Kälte (trotz genereller Frostigkeit dieses Typs),
  • bei sanftem Ausdauersport,
  • durch Druck und Massage,
  • über Aufrichten, Lageänderung und Hochlagern des Kopfes,
  • durch Trost und menschlichen Zuspruch.

Psychische Symptome von Pulsatilla

Pulsatilla ist prädestiniert für intensive Stimmungsschwankungen. Gerade noch himmelhoch jauchzend, zeigen sich diese Menschen in der nächsten Sekunde zu Tode betrübt: Man könnte auch sagen, sie nutzen jede Gelegenheit, um zu lachen oder zu weinen. Auch typische Hypochonder sind hier zu Hause.

Die Pulsatilla-Typen sich unsicher und schüchtern bis zur Weinerlichkeit, verfügen über wenig Durchsetzungskraft. Da sie nah am Wasser gebaut sind, brauchen sie die permanente Versicherung durch andere, dass alles in Ordnung ist und sie nicht abgelehnt werden.

Im Gegensatz zum Natrium mutiaticum Typ, der als Kind mit Trotz auf Tröstungsversuche reagiert, erwecken Pulsatilla-Kinder den Eindruck, sie weinten absichtlich, um ein bisschen Extra-Zuwendung zu bekommen. Auf Angriffe wird mit Schmollen und ängstlicher Reizbarkeit reagiert.

Diese Kinder teilen oft ungern und haben ein neidisches und misstrauisches Auge auf andere, die in ihren Augen vorgezogen werden. Ängste sind von Hitze und starkem Herzklopfen begleitet. Sie fürchten sich vor Dunkelheit und Alleinsein: Hier finden sich die Kinder, die in jeder Zimmerecke Gespenster vermuten und damit jene Eltern, deren Zubettgehritual darin besteht, vor jeder Nachtruhe unter Bett und Schränken nach möglichen Geistern zu suchen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 24.07.2012 aktualisiert

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