Eierstockzyste (auch: Ovarialzyste): Ursachen, Diagnose und
Therapie
Die weiblichen Eierstöcke (Ovarien) dienen der Heranreifung der Eizellen (im Follikel, Eibläschen) sowie der
Produktion wichtiger Hormone (Östrogen, Gestagen) und gehören den primären Geschlechtsorganen an. Sie liegen rechts
und links der Gebärmutter im kleinen Becken in unmittelbarer Nachbarschaft zum Harnleiter und zur Appendix
(Wurmfortsatz) des Darms und lassen sich leicht durch Scheide und Bauchwand ertasten.
Ovarialzysten sind gutartige, flüssigkeitsgefüllte Geschwülste, die sich hauptsächlich in der Zeit der
Geschlechtsreife der Frau bilden. Ca. sieben Prozent aller Frauen entwickeln in ihrem Leben verschiedene Formen von
Eierstockzysten. Es lassen sich funktionelle und organische Zysten unterscheiden. Ovarialzysten können winzig klein
(Größe einer Erbse) sein oder auch Größen einer geballten Faust bis hin zu einer kleinen Melone entwickeln.
In der Regel finden sich funktionelle Zysten, die vor allem in der Pubertät und zur Menopause hin gebildet
werden. Hier lassen sich unterschiedliche Formen differenzieren.
Unterschiedliche Zystenformen
Die sich am häufigsten entwickelnde Zyste ist die Follikelzyste. Beim regelgerechten,
monatlichen Eisprung reißt die Follikelmembran und treibt das Ei zur Einnistung und Befruchtung in der Gebärmutter
aus. Bleibt die Membran jedoch erhalten neigt sie zur Füllung, eine Zyste entsteht. In den meisten Fällen bilden
sich diese Bläschen nach wenigen Zyklen wieder eigenständig zurück.
Die Gelbkörperzyste (Corpus luteum-Zyste) entsteht durch Einblutungen in den Gelbkörper. Dieser
entwickelt sich nach dem Eisprung und dient unter physiologischen Bedingungen der Bildung von Östrogen und
Progesteron, zur Unterstützung der Befruchtung. Erfolgt diese nicht, geht der Gelbkörper zugrunde. Meist entwickeln
sich Gelbkörperzysten während einer Schwangerschaft. Hauptsächlich bilden sich diese Zysten spontan zurück.
Luteinzysten entwickeln sich durch eine erhöhte HCG-Produktion (humanes Choriongonadotropin),
die im Rahmen einer Schwangerschaft entstehen kann oder Nebenwirkung einer Therapie zur Förderung der Fruchtbarkeit
ist. Durch Senkung des HCG bilden sich die Zysten meist zurück.
Das polyzystische Ovariarsyndrom (PCO) ist eine Erkrankung, die zu Störungen der
Hormonproduktion führt. Hierbei kommt es langsam zu einer Vermännlichung der Frau (durch Erhöhung der Androgene)
und damit verbunden zu Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit. Beim PCO entwickelt sich eine Vielzahl an Zysten im
Bereich beider Eierstöcke. Bedingt durch das komplexe Symptombild der Erkrankung ist hier eine weitreichende
Therapie notwendig.
Organische Zysten (Retentionszysten) entwickeln sich unabhängig von der Funktion der Ovarien
und können daher in jedem Lebensalter entstehen. Auch hier bildet sich ein Hohlraum, der jedoch, abhängig von der
jeweiligen Störung, verschieden angefüllt ist. Die Schokoladenzyste, die im Rahmen einer
Endometriose entsteht, führt zu einer Füllung mit Blutbestandteilen. Dermoidzysten beinhalten
Haare, Zähne und weitere Körpergewebe und neigen in seltenen Fällen auch zur malignen Entartung. Daneben finden
sich auch serös gefüllte Zysten, die sich aus Funktionsstörungen sekretorischer Düsen
entwickeln.
Symptome
Nur selten kommt es zu Symptomen. Die Diagnose wird häufig als Zufallsbefund im Rahmen einer gynäkologischen
Untersuchung gestellt. Durch Größenzunahmen können aber auch Beschwerden auftreten, die nicht immer eindeutig
zuzuordnen sind. Hierzu zählen Zyklusstörungen, Schmerzen während der Regelblutung, Zwischenblutungen (auch in der
Menopause), Druck oder ziehende Schmerzen im Unterleib, Rückenschmerzen, gestörte Ausscheidungen (vermehrtes
Harnlassen, Verstopfungen), Zunahme von Gewicht und Leibesumfang sowie bei Druck auf den Darm Schmerzen, die einer
Blinddarmreizung ähneln.
Komplikationen drohen, wenn sich gestielte Zysten verdrehen. Dies führt zu stichartigen
Schmerzen im Unterleib. Durch Drehen kann zudem die Blutversorgung des Ovars beeinträchtigt werden, es kann
absterben. Einrisse (Rupturen, durch ruckartige Bewegungen) der gedrehten Zyste führen zudem zu Blutungen in den
Bauchraum. Das sich daraus entwickelnde akute Abdomen stellt eine Lebensbedrohung für die Frau dar und ist eine
Indikation zur sofortigen Operation.
Diagnose
Die Diagnose gestaltet sich meist einfach. Nach dem ausführlichen Gespräch erfolgt die Palpation des
Ovarialraums. Im Blutbild lassen sich die verschiedenen Hormonaktivitäten nachweisen, Tumormarker dienen dem
Ausschluss einer Entartung. Durch Sonographie des Bauchraums und über die Vagina lassen sich die meisten
Entartungen gut darstellen. Daneben können auch eine CT oder eine MRT genutzt werden. Die Laparoskopie stellt eine
minimalinvasive Methode zur Begutachtung dar und kann daneben auch zur Entfernung von Zysten genutzt werden.
Da sich die meisten Zysten spontan zurückbilden, reicht in fast 98 Prozent aller Fälle die regelmäßige Kontrolle
durch Inspektion. Daneben unterdrücken hormonelle Verhütungsmittel (Pille, Spirale) die Entstehung oder führen zu
einer Rückbildung. Operative Entfernungen werden immer dann notwendig, wenn die Zysten derart an Volumen zunehmen,
dass sie Organfunktionen beeinträchtigen oder wenn eine Entartung droht. Hier bieten sich die Laparoskopie oder
auch die Laparotomie an.
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