Endometriose: Ursachen, Symptome, Diagnose Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Gebärmutter der Frau ist mit Schleimhaut (Endometrium) ausgekleidet. Bei der monatlichen Regelblutung (Eumenorrhoe) kommt es unter hormoneller Steuerung und ohne Befruchtung der eingenisteten Eizelle zu einer Abstoßung und somit zu einer Erneuerung. Dies begründet zum Teil die Beschwerden bei der Menstruation.

Bei einer Endometriose findet sich die Schleimhaut auch außerhalb der Gebärmutter (= Endometriosis externa uteri) bzw. in der Gebärmutter (Endometriosis interna uteri) an ungewöhnlicher Position. Es handelt sich um gutartige Gewebewucherungen, die sich z.B. an der äußeren Gebärmutterwand, der inneren Gebärmuttermuskulatur oder auch an den Eierstöcken nachweisen lassen. In sehr seltenen Fällen findet sich Endometrium auch am Darm oder an der Harnblase.

Die fehlgebildete Schleimhaut unterliegt den gleichen hormonellen Prozessen wie das physiologische Endometrium. Auch hier kommt es zu einer regelhaften Erneuerung mit identischer Symptomatik. Daher ist der Nachweis eher schwierig, viele Frauen deuten die monatlichen Beschwerden als normale Erscheinungen der Menstruation. Zahlen zur Häufigkeit einer Endometriose bei Frauen sind nur vage. Hier greift man auf Erfahrungswerte bei gynäkologischen Eingriffen zurück, die bei ca. acht Prozent aller Operationen zu einem Nachweis der falsch platzierten Schleimhaut führen. Schätzungen sprechen von ungefähr 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einer Endometriose, mit Einsetzen der Menopause sinkt diese wieder (bedingt durch den Östrogenspiegel).

Der genaue Entstehungsmechanismus ist noch nicht geklärt. Man vermutet eine Fehlleitung des Immunsystems in Abhängigkeit vom Hormonhaushalt. Auch Metaplasien (Umwandlung von Gewebe) werden in Betracht gezogen. Eine weitere Möglichkeit ist der Transport von Schleimhautzellen über den Blutweg oder durch Operationen an der Gebärmutter, wodurch sich diese an anderer Stelle anlagern können.

Seit Langem vermuten Experten, dass auch bestimmte Toxine eine Endometriose hervorrufen können. Forscher aus den USA haben nun erstmals eine Substanz ausgemacht, die möglicherweise stark in die Entstehung der Endometriose involviert ist: Benzophenon, eine organische aromatische Verbindung, wird unter anderem zum UV-Schutz in Sonnencremes verwendet. Aber auch in Parfüms, Seifen und Kunststoffverpackungen wird der Stoff eingesetzt, um die Produkte vor einer UV-Zerstörung zu schützen.

In einer Studie untersuchten die Wissenschaftler die Konzentrationen von Benzophenon im Blut von mehr als 600 Probandinnen. Gleichzeitig kontrollierten sie das Auftreten von Endometriose. Dabei stellte sich heraus, dass die Frauen mit einer hohen Konzentration der Substanz auch ein übermäßiges Endometrioserisiko aufwiesen. Frauen mit der Höchstkonzentration hatten ein Risiko, das um 65 Prozent höher lag als bei den Frauen mit der niedrigsten Benzophenon-Konzentration (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22417702).

Es ist bekannt, dass winzige Mengen des Benzophenons aus Sonnencremes durch die Haut in den Blutkreislauf gelangen und im Körper ähnlich wie Östrogen wirken. Die Endometriose wiederum ist östrogenabhängig, wodurch sich der Zusammenhang erklärt.

Auch das Pestizid Hexachlorcyclohexan (besser bekannt unter dem Namen Lindan), das nachgewiesenermaßen in unserem Körper ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen wirkt, gilt als möglicher Auslöser der Endometriose. Denn Wissenschaftler konnten ebenfalls nachweisen, dass eine erhöhte Konzentration dieses Giftstoffs im Urin mit einer verstärkten Endometrioserate einhergeht (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22417635).

Obwohl Lindan hierzulande nicht mehr als Insektizid verwendet werden darf, findet sich dieser langlebige Halogenkohlenwasserstoff noch immer im Boden und dementsprechend in unseren Lebensmitteln.
Weitere toxische Substanzen, die in Verdacht stehen, Endometriose zu verursachen sind der hochgradig giftige Weichmacher PCB (Polychlorierte Biphenyle) und die bei der chemischen Industrie oder bei der Müllverbrennung als Abfallstoff entstehenden Dioxine (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19654915).

Koffein wird ebenfalls häufig in Zusammenhang mit Endometriose und einer daraus resultierenden Unfruchtbarkeit gebracht. Frauen, die mehr als etwa 1,5 Tassen Kaffee am Tag (5 Gramm Koffein pro Monat) trinken, haben ein etwa doppelt so hohes Risiko an Endometriose zu erkranken wie Frauen, die kein Koffein zu sich nehmen (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8333416).

Das Ausmaß einer Endometriose spiegelt nicht unbedingt den daraus resultierenden Schweregrad der Beschwerden wider. So zeigt sich eine Symptomatik eher bei kleinen Endometrioseherden, während ein Befall großer Flächen unter Umständen beschwerdefrei bleibt.

Allgemein führt die fehlgewachsene Schleimhaut zu starken Schmerzen während der Menstruation (sekundäre Dysmenorrhoe) (Regelschmerzen), übermäßig ausgeprägten Blutungen (Hypermenorrhoe, Menorrhagie), Zwischenblutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), Rückenschmerzen, kolikartigen Bauchschmerzen sowie Schmerzen bei Ausscheidungen (Urin, Fäzes). Ist die Harnblase betroffen, kann es zu Blutauflagen im Urin kommen. Bei einer Endometriose am Darm zeigt sich dies im Kot. In sehr seltenen Fällen kann das Wachstum derart ausgeprägt sein, dass es zu einem Darmverschluss oder Harnleiterverschluss kommt. Auch das Verkleben von Eierstöcken wird beobachtet, eine mögliche Ursache von Unfruchtbarkeit.

Mit Ausbleiben der Regelblutung oder auch mit beginnender Schwangerschaft geht die Symptomatik zurück.

Bedingt durch die ähnelnde Symptomatik während der physiologischen Regelblutung gestaltet sich die Diagnose etwas schwieriger. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Zufallsbefund. Erst bei der Lebensqualität stark einschränkenden Beschwerden gehen viele Frauen zum Facharzt. Die im Bereich der Scheide oder äußeren Gebärmutter wachsende Schleimhaut lässt sich mithilfe eines Spekulums (Untersuchungsgerät, das in die Scheide eingeführt wird) rasch erkennen, hierbei können auch Gewebeproben gewonnen werden. Bei Befall der Eierstöcke kann dies durch die Größenzunahme leicht ertastet werden. Zusätzlich werden bildgebende Verfahren (Sonographie, CT) zur Befundung weiterer Organe eingesetzt.

Die Laparoskopie (Bauchspiegelung) erlaubt die Inspektion des Bauchraums sowie die Entnahme von Gewebeproben. Auch kann hierbei die Endometriose direkt entfernt werden.

Die Therapie richtet sich nach der befallenen Region. In den meisten Fällen erfolgt die operative Entfernung der Schleimhaut. Hierbei kann der Zugang über die Scheide oder aber minimalinvasiv über laparoskopische Trokare erfolgen. Bei starker Ausprägung kann auch eine mediane oder untere (Pfannenstielschnitt) Laparotomie erfolgen. Hierbei werden zusätzlich befallene Eierstöcke herausgeschnitten (bei unerfülltem Kinderwunsch oder bereits erfolgter Schwangerschaft), um eine weitere Ausbreitung zu unterbinden.

Daneben werden Gestagene verordnet, die zum einen die Produktion von Östrogenen reduzieren, zum anderen indirekt Schmerzen lindern. Bei geringfügiger Endometriose wird die Hormontherapie auch isoliert angewendet.

Zu Komplikationen kann es kommen, wenn Blutungen in den Bauchraum erfolgen. Hier drohen Abszesse oder auch Zysten (z.B. Schokoladenzyste der Eileiter), die im Verlauf zu Verwachsungen und Vernarbungen des umliegenden Gewebes führen. Es drohen starke Schmerzen und großflächige Entzündungen. Durch Befall der Eileiter oder der Eierstöcke kann eine Unfruchtbarkeit entstehen (durch Verwachsungen, Verklebungen oder Vernarbungen).

Da meist nicht das gesamte befallene Gewebe entfernt werden kann ist die Rezidivrate sehr hoch. Daher kann bei vorliegender Endometriose nicht von einer hundertprozentigen Heilungschance gesprochen werden.

Im Folgenden finden Sie alternative Möglichkeiten, um Endometriose zu vermeiden oder bei einer bestehenden Erkrankung die Symptome gering zu halten:

Benutzen Sie nur Sonnencremes, die nicht den eigenen Hormonhaushalt stören, also solche, die kein Benzophenon enthalten. Da viele Menschen auf den Stoff außerdem allergisch reagieren, wird er zunehmend durch andere Substanzen ersetzt.

Da nicht nur Sonnencremes hormonähnliche Stoffe beinhalten, sollten Sie bei allem vorsichtig sein, was Sie auf Ihre Haut auftragen oder in Ihrem Haus beziehungsweise im Garten versprühen.
Eine ausgewogene Ernährung mit vielen regionalen und frischen pflanzlichen Produkten hilft dabei, Schadstoffe im Körper gering zu halten. Auch sollte man auf Fleisch aus Massentierhaltung weitestgehend verzichten (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15254009).

Denn oft erhalten die Tiere für eine rasche Mästung Östrogene und  verwandte Substanzen. Vor allem mit dem tierischen Fett gelangen außerdem zahlreiche Schadstoffe in unseren Organismus, die den Hormonhaushalt durcheinanderbringen.

Reduzieren Sie Ihren Kaffeekonsum! Gleiches gilt für Schwarzen Tee, Cola und Energy Drinks, die Koffein enthalten. Auch sollten Sie auf Alkohol verzichten oder den Konsum stark einschränken (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8092366).

Bewegung und sportliche Fitness können das Risiko, an Endometriose zu erkranken, minimieren (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12851229).

Antioxidantien, wie die Vitamine A, C und E, Zink und Kupfer, schützen vor der Entstehung von Endometriose (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19476631).

Hohe Dosen Vitamin E und Vitamin C für zwei Monate verminderten im Rahmen einer Studie die durch Endometriose hervorgerufenen Beckenschmerzen bei etwa 40 Prozent der Versuchsteilnehmer (Townsend Letter, 2004; 253/254: 36).
Omega-3-Fettsäuren helfen dabei, Entzündungen einzudämmen. Da sie außerdem vor Menstruationsschmerzen schützen können, wirken sie möglicherweise effektiv vor Endometriose (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8623866).

Mischungen aus chinesischen Kräutern scheinen sehr gut gegen Endometriose zu wirken. Denn sie lindern die Symptome ebenso gut wie die hormonhaltigen Medikamente Gestrion und Danazol, kommen aber ohne die gefürchteten Nebenwirkungen aus (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22592712).

Am besten wenden Sie sich an einen Spezialisten, der sich in der Chinesischen Kräuterheilkunde gut auskennt und Sie daher bei der Zusammenstellung genau beraten kann.

Auch Akupunktur kann die Schmerzen, die durch Endometriose ausgelöst werden, effektiv bekämpfen. Dies zeigt eine Studie an 18 jungen Frauen (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18794019).

Eine andere Untersuchung belegt, dass diese traditionelle chinesische Heilmethode die Symptome ebenso gut bekämpfen kann wie das Medikament Danazol (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17313008).
An Mäusen konnte nachgewiesen werden, dass der Farbstoff Kurkumin aus der indischen Gelbwurzel, der unter anderem für das strahlende Gelb des Currypulvers sorgt, wirksam gegen Endometriose eingesetzt werden kann. An Menschen wurde dies jedoch bisher noch nicht verifiziert (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19374255).

Möglicherweise kann auch die alternativmedizinische Behandlungsmethode Biofeedback die Symptome der Endometriose minimieren. Allerdings nahmen an der Studie lediglich fünf Frauen teil (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14686081).

Andere Wissenschaftler stellten fest, dass Meditation oder Hypnose die durch eine Endometriose ausgelösten Schmerzen verringern können.

Die von Bienen hergestellte harzige Masse Propolis schützt die Bienenstöcke vor Bakterien, Viren und Pilzen. Möglicherweise kann es auch dabei helfen, eine mit Endometriose einhergehende Unfruchtbarkeit aufzuheben. Forscher empfehlen zweimal täglich 500 mg Propolis für etwa sechs Monate (Fertil Steril, 2003; 80 [suppl 3]: S32).

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 27.11.2012 aktualisiert