Karzinoide - Neuroendokrine Tumore: Formen, Diagnose und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Karzinoide sind neuroendokrine Tumoren (entwickeln sich aus hormonproduzierenden Zellen), die in der Lage sind, selbst Hormone (vor allem den neurotransmitter Serotonin) herzustellen und diese in den Organismus abzugeben. Sie gelten als häufigste gastrointestinale, endokrin aktive Tumoren mit einer jährlichen Inzidenz von ca. 0,5 Erkrankungsfällen pro 100.000 Einwohner. Karzinoide weisen keine Geschlechtsspezifität auf und entwickeln sich vornehmlich im fortgeschrittenen Lebensalter.

Der Begriff Karzinoid bedeutet wörtlich krebsähnlich. Die Zellen, aus denen Karzinoide entstehen, finden sich im gesamten Organismus, weshalb es auch an den verschiedensten Stellen zu den Wucherungen kommen kann.

Von den unter der Bezeichnung GEP-NET (gastroenteropankreatisch-neuroendokrine Tumoren) zusammengefassten Karzinoiden lassen sich drei Hauptformen differenzieren:

Die in Lunge, Thymus, Bauchspeicheldrüse und Magen entstehenden Wucherungen werden als Foregut-Karzinoide zusammengefasst. In Kolon und Rektum findet sich das Hindgut-Karzinoid. Mit über 65 Prozent entwickelt sich das Midgut-/Middle-Karzinoid, welches im Coecum, im Ileum, Jejunum und Appendix lokalisiert ist.

Karzinoide werden meist nach ihrem produzierten Botenstoff (Hormon) benannt. Die Karzinoide des Pankreas z.B. sind das Insulinom (produziert Insulin) und das Gastrinom (produziert Gastrin).

Die genaue Entstehung von Karzinoiden ist noch nicht geklärt. Man vermutet genetische Defekte, virale Einflüsse und auch schädigende Einflüsse durch Umweltfaktoren.

Je nach Ursprung des Karzinoids kommt es zu den für eine Hormonexpression klassischen Symptomen. Dabei entwickeln sich auch Karzinoide, die symptomlos bleiben und nur durch ihre Größenzunahme zu einer Verdrängung von Nachbarstrukturen führen. Hierzu zählen die Midgut- und Hindgut- Karzinoide. Foregut-Karzinoide verursachen die meisten Beschwerden. Allen gemein ist aber die Sezernierung von Serotonin, welches die Darmmotilität beeinflusst und die Fibrogenese (Vermehrung von Bindegewebe, v.a. in der Leber) stimuliert.

Unter anderem zeigen sich Magenerkrankungen und Darmerkrankungen, Bauchschmerzen, Diarrhön, Hauterkrankungen sowie Gefäßerkrankungen, Gewichtsverlust, Schweißausbrüche, Herzrasen - Herzrhythmusstörungen, Ikterus (Gelbfärbung der Haut und der Skleren) und Atemnot. In vielen Fällen kommt es zum Flush, einer starken Errötung der Gesichtshaut.

Bezogen auf den Ursprung einer Wucherung kann es z.B. zu einer plötzlichen Unterzuckerung (Insulinom), zu Sodbrennen (Gastrinom), Magengeschwüren oder Dünndarmgeschwüren sowie Herzrhythmusstörungen, Tachykardien oder Hypotonien kommen.

Diagnose

Symptomlose Karzinoide sind schwer zu diagnostizieren und zeigen sich erst durch eine Verdrängung anderer Strukturen (diese Reagieren dann mit Beschwerden). Durch eine Hormonsekretion ausgelöste Beschwerden führen zu Vermutungen, die durch ein Labor (Blutwerte) gestärkt werden können. Gewebewucherungen lassen sich durch Ultraschall, MRT und CT darstellen. Die Endoskopie (Spiegelung) dient der Untersuchung von Magen und Darm.

Therapie

Bei gesicherter Diagnose erfolgt in der Schulmedizin die operative Entfernung des Karzinoids. In den meisten Fällen lässt sich dieses vollständig herauslösen. Eine Metastasierung ist eher selten und zum Teil inoperabel. Hier erfolgt die Behandlung mit einer Chemotherapie, bei der es in ca. 30 Prozent der Fälle zu einer Remission kommt. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate eines isolierten Karzinoids liegt bei ca. 60 Prozent.

Die Prognose verschlechtert sich drastisch mit Ausbildung eines Syndroms. Hierbei kommt es an unterschiedlichen Organen und Geweben zu Wucherungen, die zum Großteil auch gestreut haben. Die Therapie kann hier in der Schulmedizin nur noch symptomatisch erfolgen. Eine Heilung gilt als nahezu ausgeschlossen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert