Harnwegsinfekt: Ursachen, Verlauf, Diagnose Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Ein Harnwegsinfekt (HWI) ist eine entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege.



Als Hauptverursacher gelten in der Schulmedizin verschiedene Bakterien. Daneben werden aber auch einige Pilze (z.B. Candida albicans), Protozoen und Viren für die Entzündungen verantwortlich gemacht.

In sehr seltenen entstehen die entzündlichen Prozesse auch im Rahmen medizinischer Therapien, z.B. die durch Strahlentherapie verursachte Strahlenzystitis.

Bedingt durch anatomische Unterschiede bei Mann und Frau zeigt sich ein Harnwegsinfekt wesentlich häufiger bei Frauen. Ihre Harnröhre ist deutlich kürzer und bietet so den Bakterien einen schnelleren Zugang. Nahezu jede fünfte Frau hat in ihrem Leben mindestens einmal einen Harnwegsinfekt durchlebt, ca. ein Drittel der Betroffenen klagt über rezidivierende Entzündungen. Ebenfalls vermehrt leiden ältere Männer an einer Entzündung. Hier liegt meist eine vergrößerte Prostata (Vorsteherdrüse) vor, die den Harnfluss behindert.

Die ableitenden Harnwege bestehen aus den Harnleitern (führen den Urin vom Nierenbecken zur Blase), der Harnblase (Sammelstelle des Urins) und der Harnröhre (führt den Urin nach außen). Je nach entzündetem Bereich lassen sich Harnwegsinfekte in obere und untere Infektionen unterteilen. Bei oberen Infekten sind das Nierenbecken (Pyelonephritis) und der Harnleiter betroffen. Bei unteren Entzündungen kommt es zu Zystitis (Entzündung der Blase) und Urethritis (Entzündung der Harnröhre), beim Mann kann zusätzlich noch die Prostatitis (Entzündung der Prostata) hinzugezählt werden.

Als Hauptverursacher akuter Harnwegsinfektionen gelten in der Schulmedizin Bakterien, die aus dem Magen-Darm-Trakt stammen sollen. Zu über 80 Prozent lässt sich hier das Bakterium Escherichia coli entdecken, welches durch verschiedene Umstände in den Harntrakt gelangen soll. Vorrangig können bestimmte Sexualpraktiken (analer Geschlechtsverkehr) genannt werden, die sowohl bei Männern als auch Frauen die Entzündungen hervorrufen können. Eine so entstandene Zystitis wird umgangssprachlich auch als „Honeymoon Zystitis“ bezeichnet. Daneben kommen bei der Frau auch der Geburtsvorgang oder ein Östrogenmangel nach den Wechseljahren als begünstigende Faktoren für ein Bakterienwachstum in Frage.

Weitere begünstigende Faktoren für Harnwegsinfekte sind der längere Aufenthalt in großer Kälte ohne ausreichenden Schutz vor Durchfeuchtung, Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Gicht), Manipulationen der Harnwege von außen (z.B. Katheterisierung), Abflussstörungen (durch Harnsteine, Tumoren), Schwangerschaft, falsches Hygieneverhalten (vor allem bei Frauen, hier befinden sich Harnröhre, Scheide und After in unmittelbarer Nachbarschaft), Abwehrschwäche und ein hohes Lebensalter.

Harnwegsinfektionen treten akut auf und weisen durch die verschiedenen Abschnitte für den Urintransport eine Reihe unterschiedlicher Symptome auf. Treten diese Anzeichen innerhalb eines Jahres wiederkehrend (mindestens drei Mal) ein, spricht der Mediziner von rezidivierenden Infekten.

Die akute Blasenentzündung zeichnet sich vor allem durch Dysurie (erschwerte Blasenentleerung) und Pollakisurie (andauernder Harndrang bei gleichzeitig nur fraktionierter Entleerung) aus. Zusätzlich ist das Wasserlassen schmerzhaft (Algurie), vor allem in der Nacht, wo ebenfalls ein vermehrter Harndrang besteht (Nykturie). Es kommt zu Blasenkrämpfen (Tenesmen) und in seltenen Fällen auch zu erhöhter Körpertemperatur. Durch den andauernden Reiz kann der Urin Blutbestandteile (Hämaturie) oder auch Eiter (Pyurie) aufweisen.

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Die Nierenbeckenentzündung kann sich als Folge einer Zystitis entwickeln (bei bis zu 30 Prozent). Hierbei wandern die Bakterien weiter aufwärts und führen beim Betroffenen zu einem starken Krankheitsgefühl mit hohem Fieber und Schüttelfrost sowie zu starken Schmerzen vom Unterbauch bis zum Schambein sowie Flankenbereich hin. Kinder mit akuter Pyelonephritis weisen zudem Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Verwirrtheitszustände auf.
Die entzündete Harnröhre (Urethritis) führt meist nur zu Brennen und Jucken während des Wasserlassens, in seltenen Fällen findet sich bei der Ausscheidung auch Eiter im Urin.

Das Reiter-Syndrom kennzeichnet eine Kombination von gleichzeitiger Urethritis, Arthritis (Gelenkentzündung) sowie Uveitis (Bindehautentzündung) bei der Frau, deren Genese noch nicht geklärt ist.

Die bakteriell verursachte Prostatitis beim Mann führt zu starken Schmerzen im Unterbauch, Peritonitis (Bauchfellentzündung), hohem Fieber und allgemeiner Leistungsschwäche.

Die Anamnese gibt häufig bereits erste Hinweise auf einen Harnwegsinfekt. Für die gesicherte Diagnose werden das Blutbild, Sammelurin und Mittelstrahlurin (Urinuntersuchungen) ausgewertet. Nieren und Harnblase können mittels Ultraschall dargestellt werden, die Zystoskopie (Blasenspiegelung) dient dem Ausschluss von Tumoren und Einengungen. Zusätzlich können Röntgendarstellungen Aufschluss über weitere Erkrankungen bringen.

Je nach vorliegendem Befund werden vor allem medikamentöse Therapien (Antibiotika, Schmerzmittel, Spasmolytika) angewandt. Bei Verlegung durch einen Harnstein oder Tumor muss diese Ursache primär behandelt werden. Zusätzlich unterstützen allgemeine Maßnahmen wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr, sorgfältige Hygiene, regelmäßige Blasenentleerungen ohne Zeitdruck und Schonung (z.B. Bettruhe) die rasche Ausheilung (innerhalb einer bis zwei Wochen).

Bei unzureichender oder falscher Therapie können sich die Erreger auch über den Blutweg weiter ausbreiten. Die hierdurch entstehende Blutvergiftung (Urosepsis) hat lebensbedrohliche Folgen (septischer Schock) für den Betroffenen.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert