Nierensteine: Ursachen, Verlauf, Diagnose
Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Nierensteine (Nephrolithiasis) bilden sich aus Bestandteilen des Urins, lagern
sich an prädestinierten Stellen ab und führen zu typischen Beschwerden.
Nahezu fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden unter Nierensteinen, davon doppelt so viele Männer wie
Frauen. Die Inzidenz liegt bei 500 pro 100.000 Menschen. Der Erkrankungsschwerpunkt liegt zwischen dem 30. und 60.
Lebensjahr. Zusätzlich lassen sich regionale Unterschiede feststellen. Besonders in sehr warmen Ländern kann ein
vermehrtes Steinwachstum nachgewiesen werden, in Europa dagegen sind die Zahlen rückläufig.
Nierensteine bilden sich in den Nierenkanälchen und im Nierenbecken, finden sich aber auch in den ableitenden
Harnwegen (Harnleiter, Blase, Harnröhre). Es entwickeln sich Steine unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung.
Meist bestehen die Nierensteine aus Kalzium-Oxalat (über 75 Prozent, Oxalat = Salz der Oxalsäure), daneben finden
sich auch Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steine (ca. zehn Prozent), Harnsäure- oder Kalziumphosphatsteine (jeweils ca.
fünf Prozent) und sehr selten (unter einem Prozent) Zystinsteine. Die Größe variiert und ist vergleichbar mit
Steingrieß bis hin zu Taubeneiern.
Ursachen
Die Kristallausbildung durch bestimmte Urinbestandteile entsteht vor allem durch eine zu geringe
Flüssigkeitszufuhr. Hierdurch wird der Urin (durch Wasserentzug) konzentriert, feste Bestandteile werden nur noch
schlecht mit der verbleibenden Harnmenge ausgeschieden und können sich leichter ablagern. Ursachen für eine
verminderte Flüssigkeitszufuhr sind unter anderem vermehrtes Schwitzen, Aufenthalt in großer Hitze, Diät, Fieber, Durchfall, die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme einschränkende
Organerkrankungen, wasserentziehende Nahrungsmittel (z.B. Ananas), Infektionen und allgemeine Schwäche (z.B. im Alter, bei Bettlägerigkeit).
Weitere, die Entstehung begünstigende Faktoren sind wiederholte Harnwegsinfektionen, genetische Prädisposition (erhöhtes Risiko bei Steinleiden in der
Familie), Stoffwechselerkrankungen (z.B.
Hyperthyreose -
Schilddrüsenüberfunktion),
entzündliche Darmerkrankungen (führen zu einem
Überangebot an Oxalsäure), Nierenerkrankungen, ständige Ernährung mit eiweißreicher Kost
(Ansammlung von Purinen, die zu Harnsäure abgebaut werden), ein veränderter pH-Wert des Urins (z.B. durch Pseudomonaden) und
Bewegungsmangel (neben Bettlägerigkeit auch bei immobilen oder übergewichtigen Menschen).
Symptome
Die Entstehung von Nierensteinen wird vom Betroffenen nicht bemerkt.
Symptome zeigen sich erst, wenn kleine Steine in den Harnleiter
einwandern oder große diesen verlegen. Durch das Einwandern entstehen entzündliche Prozesse, die zu Schmerzen führen.
Es entstehen hochschmerzhafte, wellenförmige Koliken (Harnleiterkoliken) im Bereich der Nierengegend (Flanken
und Rücken). Bei Verlegung des Harnweges kommt es zu einem Stau, es entsteht ein Reflux (Rückfluss), wodurch der
Druck im Nierenbecken steigt und ebenfalls Koliken verursacht.
Je tiefer der Stein wandert, desto mehr strahlen die Schmerzen in Richtung Genitalbereich aus. Zum Teil bessern sich
die Symptome bei Lageänderung des Betroffenen (z.B. Änderung der
Sitzposition, Hinlegen).
In seltenen Fällen sind die Koliken derart stark, dass sie neben den Krämpfen auch zu Übelkeit und Brechreiz
oder auch Darmatonien (mit Gefahr eines Ileus - Darmverschluss) führen. Eine
weitere Gefahr besteht im Versagen der Nierenfunktion (vollständige Niereninsuffizienz).
Auch können Bakterien in die Blutbahn gelangen und eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen. Ein in die Blase
oder Harnröhre einwandernder Stein verletzt häufig die innere Schleimhaut (bei gut einem Drittel aller
Betroffenen), es kommt zu Mikroläsionen. Diese zeigen sich durch Blutbestandteile im Urin (Makrohämaturie). Die
Urinausscheidung ist vermindert, zum Teil erschwert. Der Steinabgang ist meist durch einen stichartigen Schmerz
gekennzeichnet.
Von einem chronischen Steinleiden spricht der Mediziner bei rezidivierenden Steinbildungen
(häufiger als drei Mal in zwölf Monaten).
Diagnose
Die Diagnose ist, bedingt durch das unauffällige Wachstum, häufig ein Zufallsbefund im Rahmen anderer
Untersuchungen. Erst wenn es zu Beschwerden kommt, können diese auf einen Nierenstein hindeuten. Mittels
Ultraschall und Röntgendarstellung des Bauchraums können Veränderungen festgestellt werden. Bei Druck auf die
Flankengegend kommt es vermehrt zu einem ausstrahlenden Schmerz. In Blut und Urin können hohe Konzentrationen der
steinbildenden Substanzen nachgewiesen werden. Durch Sammelurin und Urinausscheidungstests lassen sich ein Verhalt
oder Stau feststellen. Zusätzlich zeigt sich häufig Blut
im Urin.
Therapie
Kleine Steine (machen fast 80 Prozent aller Steine aus) können meist ohne Medikation spontan ausgeschieden
werden. Hier sind große Flüssigkeitsmengen (viel Trinken) und eine ausreichende Bewegung hilfreich. Zusätzlich
können schmerzstillende und krampflösende Mittel verabreicht werden.
Bei Steinen mit einer Größe oberhalb sieben Millimeter werden verschiedene Verfahren zur Zerstörung und
Austreibung gewählt. Spezielle Medikamente lösen z.B. Harnsäuresteine auf (Litholyse).
Durch die extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL) werden Steine unter Sicht gezielt zertrümmert. Ein
ähnliches Verfahren bietet die perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL), bei der mittel einer injizierten Sonde die
Steine zerstört werden. Sich im Harnleiter befindende Steine können mithilfe eines Ureteroskops in Kombination mit
einem Laser behandelt werden. In sehr schwerwiegenden Fällen erfolgt die operative Entfernung.
Meist kommt es zwei bis drei Wochen nach Beginn der Symptomatik zum spontanen Steinabgang. Bei rund der Hälfte
aller Betroffenen bleibt es bei einem einmaligen Ereignis. Bei den anderen 50 Prozent können sich im Verlauf
weitere Steine bilden, deren Entstehung durch prophylaktische Maßnahmen aber verzögert werden kann.

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