Urämie: Ursachen, Verlauf, Diagnose
Therapie
Die Urämie ist das Endstadium des durch die akute oder chronische Niereninsuffizienz verursachten Nierenversagens. Hierbei ist die Funktion der
paarigen Niere vollständig eingestellt, wodurch es zu einer Anreicherung des Blutes mit für den Organismus
schädlichen und giftigen (= harnpflichtige) Substanzen kommt.
Sowohl akute als auch chronische Funktionsstörungen können Auslöser für die Vergiftung sein.
Das volle klinische Bild zeigt sich meist fünf bis zehn Tage nach dem Versagen der Nierenfunktion.
Akute Ursachen für eine Urämie sind vor allem eine mangelnde Durchblutung der Niere,
Entzündungen, Stauungen oder auch Vergiftungen.
Chronische Störungen entwickeln sich hauptsächlich aus schweren Primärerkrankungen. Mit über 30
Prozent ist hier der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
zu nennen. Daneben führen auch eine andauernde Hypertonie (Bluthochdruck), Nierenentzündungen, Zystennieren,
Schmerzmittelabusus und Gefäßerkrankungen im Bereich der Nieren zum Nierenversagen.
Vor allem die chronische Niereninsuffizienz birgt die Gefahr einer Urämie: Diese zeigt sich
bereits im vorletzten der fünf Stadien, wo eine vorrübergehende Stabilisierung der Symptomatik durch geeignete
therapeutische Ansätze noch möglich ist. Zur vollständigen Ausprägung kommt die Urämie im letzten Stadium der
Niereninsuffizienz. Hier können nur noch Dialyse oder Nierenersatztherapie (Organtransplantation) lebenserhaltend
wirken.
Symptome
Bedingt durch den Harnverhalt und die zunehmende Vergiftung des Blutes mit harnpflichtigen Substanzen zeigt sich
ein ausgeprägter Symptomkomplex.
Atem und Haut geben einen urinartigen Geruch ab (urämischer Fötor). Zusätzlich färbt sich die Haut gelbbraun
(ikterusähnlich) und löst einen starken Juckreiz (Pruritus) aus.
Es kommt zu Anorexie (Appetitlosigkeit, Magersucht), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Müdigkeit, Schlafstörungen,
Konzentrationsstörungen, sensorische und motorische Neuropathien (Erkrankungen des peripheren Nervensystems),
Herzrhythmusstörungen, Perikarditis (Entzündung des Herzbeutels), Kardiomyopathie (Erkrankung des Herzmuskels) und
Krampfanfällen.
Geschlechtsunspezifisch entwickeln sich sexuelle Dysfunktion und Infertilität (Unfruchtbarkeit), bei Männern
eine testikuläre Atrophie (Hodenabbau), bei Frauen eine Amenorrhö (Ausbleiben der Regelblutung).
Nicht ausgeschiedene Flüssigkeit wird im Körper gesammelt, es zeigen sich Ödeme an den Extremitäten und häufig
auch in der Lunge. Die Knochenbildung ist gestört, es drohen Verletzungen und Brüche durch Bagatellverletzungen.
Die Muskulatur atrophiert und schmerzt, Blutbildung und Blutgerinnung sind beeinträchtigt (Anämie und hohe
Blutungsneigung). Im weiteren Verlauf drohen Bewusstlosigkeit und urämisches Koma.
Neben Anamnese und Inspektion erfolgt die Untersuchung von Blutwerten und eine Urinuntersuchung (Zusammensetzung, Menge,
Entzündungszeichen). Zusätzlich dienen Ultraschall (Sonographie), Röntgen-Thorax (Lungendarstellung) und unter
Umständen eine Gewebeprobe der Niere (Punktion) der Diagnostik.
Konservative schulmedizinische Therapieansätze zeigen aufgrund des gravierenden Verlaufs kaum Wirkung. Man
versucht durch geeignete Diäten (eiweiß- und phosphatarm), Diuretika und kaliumreduzierende Mittel eine Besserung
zu erzielen.
Mittel der Wahl sind jedoch in der Schulmedizin die Dialyse (Verfahren zur Hämofiltration – „Blutwäsche“) sowie
die Nierenersatztherapie durch ein geeignetes Spenderorgan. Beide Methoden bedeuten ein zukünftig verändertes Leben
der Betroffenen. Die Dialyse muss mehrmals pro Woche durchgeführt werden, wodurch die Lebensqualität deutlich
eingeschränkt wird.
Die Transplantation einer Niere dient ebenfalls der Lebensrettung, bringt aber gleichzeitig viele neue
Einschränkungen im weiteren Leben des Erkrankten mit sich. Neben einer Umstellung bei der Nahrungs- und
Flüssigkeitsaufnahme (Verzicht auf Alkohol, Meidung verschiedener Lebensmittel) sind Transplantationspatienten
lebenslang auf verschiedene Medikamente angewiesen und bedürfen der regelmäßigen Untersuchung.
Insgesamt können die Maßnahmen lebensrettend eingesetzt werden, in vielen Fällen kommt es dennoch zu einem
frühzeitigen Lebensende. Während die Sterblichkeit ohne Therapie bei 100 Prozent liegt, leben durch das
Dialyseverfahren nach zehn Jahren noch ca. 55 Prozent, durch eine Transplantation noch ca. 50 Prozent der
Behandelten.
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