Chronische Polyarthritis: Ursachen, Verlauf, Diagnose Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die chronische Polyarthritis (rheumatoide Arthritis) beschreibt Beschwerden und Schmerzen, die durch Entzündungen von Gelenken entstehen. Sie gilt als häufigste der über 400 verschiedenen Erkrankungen, die unter dem Sammelbegriff Rheuma zusammengefasst werden. Die chronische Polyarthritis kann zu jedem Zeitpunkt entstehen, zeigt sich gehäuft um das 45. und das 60. Lebensjahr und weist daneben eine Zunahme mit fortschreitendem Lebensalter auf. In Deutschland leiden fast eine Million Menschen an einer rheumatoiden Arthritis, wobei vermehrt Frauen (ca. zwei Drittel) betroffen sind.

Die chronische Polyarthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem sich gegen körpereigenes Gewebe richtet. Hierbei werden hauptsächlich Gelenke angegriffen und durch einen langsamen Prozess unwiderruflich zerstört (bei einigen Formen werden auch innere Organe oder der Sehapparat in Mitleidenschaft gezogen). Die Erkrankung kann jedes Gelenk des Körpers betreffen, ein Befall der Wirbelsäule ist bis heute jedoch noch nicht beschrieben.

Die Ursachen für die Erkrankung sind noch nicht geklärt. Es werden genetische Faktoren sowie eine Fehlschaltung im Abwehrsystem (Autoimmunprozess) diskutiert.

Der Verlauf ist langsam und schleichend. Meist werden die ersten Anzeichen kaum wahrgenommen oder fehlgedeutet. Hierzu zählen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, leichter Gewichtverlust und eine Morgensteifigkeit der Gelenke für wenige Minuten. Im weiteren Verlauf treten nächtliche Gelenkschmerzen auf. Der anfänglich nur ein Gelenk betreffende Schmerz greift rasch auf mehrere Bereiche über (= Polyarthritis). Es zeigen sich vermehrt Entzündungen, Rötungen und Schwellungen (vor allem stärker beanspruchter Gelenke, z.B. Fingergelenke).

Typisch ist der Befall paralleler Gelenke (z.B. beider Ellenbogen, beider Hände, beider Knie). Der Schmerz nimmt an Intensität zu und deutet auf die fortschreitende Zerstörung hin. Bei einem Viertel der Betroffenen entwickeln sich Rheumaknötchen (kleine, verschiebbare, gummiartige Knoten, die sich an den Streckseiten der Gelenke entwickeln und an der Hautoberfläche sichtbar sind). Durch die entzündlichen Prozesse verformen sich die Gelenke langsam (z.B. Finger oder Zehen weisen immer weiter nach außen, innen, unten oder oben hin, sind nicht mehr gerade und verlieren dadurch ihre Funktionalität). Gelenkbereiche können sich verdicken und die Beweglichkeit ebenfalls behindern. Bei Befall von Organen kann es zu Entzündungen von Herz, Auge und Pleura kommen. Die Lunge reagiert mit einer vermehrten Bildung von Bindegewebe (Fibrose). Die Haut weist neben den Rheumaknoten Läsionen oder Entzündungen kleiner Gefäße auf. Durch Befall von sekretorischen Drüsen kann sich das Sjögren-Syndrom ausbilden (verminderte Tränenflüssigkeit, trockener Mund, trockene Schleimhäute).
Insgesamt weist die chronische Polyarthritis sehr unterschiedliche Verläufe auf. Während es bei einigen Betroffenen zu schmerzfreien Intervallen (über Monate bis Jahre) kommen kann, zeigen sich auch Erkrankungsformen mit andauernder Schmerzsymptomatik oder schubförmiger Beschwerdezunahme.

Die Diagnose erfolgt durch die Kombination unterschiedlicher Untersuchungsmethoden. Hierzu zählen Anamnese, Inspektion, Palpation, Labordiagnostik (Entzündungsparameter, Antikörpernachweis, Rheumafaktoren) sowie der Einsatz bildgebender Verfahren (Röntgen, MRT, Ultraschall).

Die schulmedizinische Therapie erfolgt, bedingt durch die noch nicht erforschten Ursachen, symptomatisch und richtet sich nach dem Grad der bisherigen Zerstörung. Durch die Kombination verschiedener Maßnahmen soll zum einen eine Schmerzreduktion, zum anderen ein Einhalten der Zerstörung bewirkt werden. Hierbei werden verschiedene physikalische Therapien und Krankengymnastik eingesetzt. Zusätzlich werden mittels Injektionen Schmerzmittel (nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR), abschwellende und entzündungshemmende (z.B. Kortison) Präparate verabreicht. Auch Medikamente in Tablettenform, Salben und Tinkturen können lindernd eingesetzt werden.

Ist die Zerstörung bereits zu weit fortgeschritten oder droht die erhebliche Einschränkung der Lebensqualität, dient als letzte Maßnahme in der Schulmedizin die operative Entfernung des Gelenks. Zum Teil wird dieses durch eine geeignete Prothese ersetzt.

Je frühzeitiger die chronische Polyarthritis diagnostiziert wird, um so eher lassen sich vollständige Gelenkzerstörungen unterbinden. Bei erst spätem Befund droht der Gelenkuntergang mit zum Teil weitreichenden Folgen (z.B. Invalidität, Immobilität). Durch eine zusätzliche Beteiligung von Organen kann es zu einer verkürzten Lebenserwartung kommen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert