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Herzenzyme – Verständlich Erklärt

„Herzenzyme“ ist so ein Begriff, der seit Jahrzehnten durch Gesundheitsseiten geistert. Klingt nach Hightech, nach exakter Diagnose, nach: „Wir messen das Blut und wissen sofort, was los ist.“ Die Realität ist etwas nüchterner: Herzenzyme sind Laborwerte, die Hinweise geben können, ob Herzmuskelzellen geschädigt wurden oder das Herz unter Stress steht. Aber sie sind kein magischer Lügendetektor, der automatisch „Infarkt: ja oder nein“ ausspuckt.

Und noch wichtiger: Viele Werte, die früher als „wichtigste Herzenzyme“ galten, sind heute nur noch zweite Wahl. Nicht weil sie „falsch“ wären – sondern weil es inzwischen deutlich bessere Marker gibt.

Inhaltsverzeichnis

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  • Herzenzyme – Verständlich Erklärt
    • Was sind Herzenzyme überhaupt?
    • Warum misst man mehrere Herzenzyme?
    • Die wichtigsten Herzenzyme und Herzmarker – was ist aktuell, was ist Museum?
    • Der wichtigste Punkt: nicht nur der Wert zählt, sondern die Dynamik
    • Troponin erhöht – aber kein Infarkt? Ja, das gibt es.
    • Wichtig zu Wissen 
    • Herzenzyme zur Vorsorge: sinnvoll oder nur teure Beruhigung?

Dieser Beitrag bringt Ordnung in das Thema: Was sind Herzenzyme, welche Werte sind heute wirklich relevant – und warum ein einzelner Laborwert selten die ganze Geschichte erzählt.

Was sind Herzenzyme überhaupt?

Das Herz ist ein Muskel. Und wie jeder Muskel besteht es aus Zellen, die arbeiten, Energie verbrennen, sich zusammenziehen, Sauerstoff brauchen – und dabei bestimmte Eiweiße und Enzyme enthalten.

Wenn Herzmuskelzellen geschädigt werden, etwa durch Sauerstoffmangel, Entzündung oder Überlastung, dann werden bestimmte Stoffe ins Blut abgegeben. Genau diese Stoffe misst man.

Das passiert typischerweise bei:

  • Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Rhythmusstörungen mit hoher Frequenz
  • Lungenembolie oder schwerer Sauerstoffmangel
  • schweren Infekten (z. B. Sepsis)
  • Nierenfunktionsstörungen (weil Marker schlechter ausgeschieden werden)

Das ist die erste wichtige Klarstellung:

Herzenzyme bedeuten nicht automatisch Herzinfarkt. Sie bedeuten erst einmal: Da war Stress oder Schaden am Herzmuskel.

Warum misst man mehrere Herzenzyme?

Früher war die Logik simpel: Man misst mehrere Werte, weil sie unterschiedlich schnell ansteigen und wieder abfallen.

Das stimmt grundsätzlich immer noch – aber die Medizin hat in den letzten Jahren einen entscheidenden Sprung gemacht:

Heute sind vor allem zwei Dinge wichtig:

  1. Wie hoch ist der Wert?
  2. Wie verändert er sich im Verlauf?

Denn ein Wert kann leicht erhöht sein, ohne dass gerade ein akuter Infarkt läuft. Ein Wert kann aber auch „noch normal“ sein, obwohl der Infarkt gerade erst begonnen hat.

Darum wird bei Verdacht auf einen Herzinfarkt fast nie nur einmal Blut abgenommen, sondern häufig mehrfach im Abstand von 1–2 Stunden.

Die wichtigsten Herzenzyme und Herzmarker – was ist aktuell, was ist Museum?

Jetzt kommen wir zum Kern. Und hier wird es spannend, weil viele ältere Artikel noch so tun, als wären LDH und GOT die Stars. Das waren sie mal. Heute nicht mehr.

1) Troponin: der wichtigste Herzmarker überhaupt

Troponin ist streng genommen kein „Enzym“, sondern ein Eiweiß, das im Herzmuskel für die Kontraktion wichtig ist. Aber wenn man über Herzenzyme spricht, führt an Troponin kein Weg vorbei.

In modernen Laboren wird fast immer hoch sensibles Troponin gemessen (hs Troponin). Das ist so empfindlich, dass es auch kleinste Herzmuskelschäden erfassen kann.

Was Troponin bedeutet

Ein erhöhtes Troponin zeigt:

Herzmuskelzellen wurden geschädigt.

Das kann ein Herzinfarkt sein – muss es aber nicht.

Warum Troponin heute besser ist als früher

Troponin ist:

  • sehr herzspezifisch
  • früh nachweisbar
  • im Verlauf gut interpretierbar

Früher musste man oft auf CK MB, Myoglobin oder LDH ausweichen. Heute ist Troponin der Standard.

Der wichtigste Punkt: nicht nur der Wert zählt, sondern die Dynamik

Viele Menschen lesen ihren Laborzettel wie ein Urteil: „Troponin erhöht = Infarkt.“ So funktioniert das nicht.

In der „modernen Diagnostik“ wird gefragt:

  • Steigt Troponin deutlich an?
  • Fällt es wieder ab?
  • Passt das zu EKG und Beschwerden?

Ein dynamischer Anstieg spricht eher für ein akutes Ereignis. Ein dauerhaft leicht erhöhter Wert kann auch andere Ursachen haben.

Troponin erhöht – aber kein Infarkt? Ja, das gibt es.

Das ist einer der wichtigsten Punkte, weil er vielen Angst nimmt – und gleichzeitig zeigt, warum Ärzte nicht einfach nur „den Wert“ anschauen.

Troponin kann auch erhöht sein bei:

  • Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels)
  • Herzinsuffizienz
  • schnellen Rhythmusstörungen
  • Lungenembolie
  • schwerem Infekt / Sepsis
  • Niereninsuffizienz
  • starker körperlicher Belastung (bei manchen Menschen messbar)

Das bedeutet nicht: „alles harmlos“.
Es bedeutet: Ursache klären.

2) BNP und NT proBNP: die Herzschwäche Marker

Wenn jemand mit Luftnot kommt, Wasser in den Beinen hat, nachts kaum flach liegen kann oder beim Treppensteigen „plötzlich alt geworden“ ist, dann sind BNP oder NT proBNP extrem hilfreiche Werte.

Sie steigen an, wenn das Herz überlastet ist und gegen Druck oder Volumen kämpfen muss.

Wichtig:

BNP und NT proBNP sind keine klassischen Infarktmarker.
Sie sind Marker für Herzinsuffizienz und Herzbelastung.

Ein niedriger Wert macht eine relevante Herzschwäche oft unwahrscheinlich. Ein hoher Wert ist ein Hinweis – aber auch hier gilt: Kontext entscheidet.

3) CK und CK MB: früher Standard, heute oft nur noch Zusatz

Die Creatinkinase (CK) ist ein Enzym aus Muskelzellen. Das Problem: Sie steckt nicht nur im Herzen, sondern auch im Skelettmuskel.

Wenn jemand Sport gemacht hat, gestürzt ist, eine Spritze in den Muskel bekommen hat oder Muskelkater des Todes hat, kann CK hochgehen – völlig ohne Herzproblem.

CK MB war früher „herzspezifischer“ und wurde lange zur Infarktdiagnostik genutzt. Heute hat Troponin das weitgehend ersetzt.

CK MB ist nicht „wertlos“, aber sie ist heute nicht mehr der Hauptdarsteller.

4) Myoglobin: sehr früh, aber viel zu unspezifisch

Myoglobin steigt schnell an – ja.
Aber es steigt auch bei:

  • jeder Muskelverletzung
  • Sport
  • Krämpfen
  • Operationen
  • Stürzen

Darum wird Myoglobin heute kaum noch als entscheidender Infarktmarker betrachtet.

5) LDH und HBDH: das war mal, das war wirklich mal

LDH ist ein Enzym, das in vielen Geweben vorkommt. Früher war es ein Marker, der relativ lange erhöht blieb und deshalb für „späte Infarkte“ genutzt wurde.

Heute ist das im klinischen Alltag praktisch raus.

Die Geschichte mit LDH Isoenzymen und HBDH ist für einen modernen Artikel nicht mehr sinnvoll – außer als kurzer Satz:

„Früher hat man das gemessen, heute macht man es nicht mehr.“

Wenn Du das ausführlich drin hast, wirkt der Beitrag alt, egal wie schön er geschrieben ist.

6) GOT (AST): als Herzenzym nicht mehr zeitgemäß

GOT war früher Bestandteil der Herzdiagnostik. Heute ist es vor allem ein Wert, der bei:

  • Leberproblemen
  • Muskelbelastung
  • Alkohol
  • Medikamenten

mit hochgehen kann.

Als „wichtiges Herzenzym“ taugt GOT im Jahr 2026 nicht mehr.

Wichtig zu Wissen 

1) Herzenzyme sind keine Ja Nein Antwort

Ein Wert allein ist selten ein Urteil.

2) Zeitverlauf ist entscheidend

Gerade bei Troponin.

3) Nicht alles ist Infarkt

Troponin kann auch andere Ursachen haben.

4) Moderne Diagnostik ist Troponin basiert

CK, LDH, GOT sind eher Nebenrollen.

Herzenzyme zur Vorsorge: sinnvoll oder nur teure Beruhigung?

Hier muss man klar unterscheiden:

Akutdiagnostik: Verdacht auf Infarkt oder akute Herzschwäche
→ Troponin, BNP/NT proBNP, EKG, Echo, Verlauf

Risikobewertung bei Gesunden: „Wie hoch ist mein Herzrisiko?“
→ Blutdruck, Rauchen, Blutzucker, LDL, Bauchfett, Bewegung, Stress

Viele Biomarker Panels sind in der Praxis eher teuer, unspezifisch13 und liefern am Ende doch nur das, was man schon wusste: Lebensstil zählt.

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Beitragsbild: pixabay.com – Muzamil496

Wer schreibt hier?

René Gräber

Mein Name ist René Gräber. Ich arbeite seit 1998 in eigener Praxis für Naturheilkunde. In dieser Zeit habe ich viele Patienten mit unterschiedlichsten Beschwerden begleitet. Mein Ansatz verbindet klassische Naturheilkunde mit moderner Ernährungs- und Orthomolekularmedizin. Ich setze auf Verfahren, die den Organismus regulieren und stärken: Heilpflanzen, Vitalstoffe, Ernährung und Ausleitungsverfahren.

Auf Yamedo.de teile ich Fachwissen, Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen aus über 25 Jahren Arbeit in der Naturheilkunde.

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